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Kritik

Shovel Knight

Die 8-Bit-Generation haben wir eigentlich schon lange hinter uns gelassen und doch gibt es immer noch Überraschungen, die den Geist der Zeit so perfekt einfangen wie Shovel Knight.

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Es wäre einfach zu sagen, dass Shovel Knight allein deswegen ein tolles Spiel ist, weil es in wunderschöner Pixeloptik gestaltet wurde. Tatsächlich lockt so etwas inzwischen selbst Retro-Freunde nicht mehr hinter dem Ofen hervor. Als Yacht Club Games aber im März vor einem Jahr mit der Idee auf Kickstarter um Geld geworben haben, hatten sie mehr zu bieten als einfach nur ein bisschen Nostalgie. Shovel Knight ist unterscheidbar, weil bereits die Prämisse einzigartig ist. Unser Held ist nämlich ein Ritter mit einer Schaufel. Die Liebeserklärung an die 8-bit-Generation bekommt so ein paar sehr smarte Spielmechaniken spendiert.

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Auf bestimmten Flächen und auf Gegnern kann der kleine Racker mit seiner Schaufel herumspringen wie mit einem Springstock. Und kräftig zu hauen ist damit natürlich auch möglich. Wie das tatsächlich aussehen müsste, wird dank der wenig enthüllenden Pixeloptik und dem Verzicht auf Blut, aber glücklicherweise nicht sichtbar. Allerdings sei an dieser Stelle ausdrücklich gesagt, dass trotz vieler Plattform-Passagen, der Kampf nicht zu kurz kommt. Es gibt Gegner mit Schild, die sich schnell und wendig bewegen und auch die Boss-Kämpfe gegen andere Ritter erfordern einen geübten Umgang unserem Schaufelschwert.

Shovel KnightShovel Knight
Die kleine Ritter behält die simple Steuerung das ganze Spiel über. Mehr als zwei Tasten und ein Steuerkreuz brauchen wir nicht.

Was auf den ersten Blick gar nicht ersichtlich wird, ist die Art und Weise, wie in diesem Spiel alles in einander greift. Die Level wirken zunächst recht schwer, aber wir werden tatsächlich mit jedem Versuch merklich besser. Und irgendwann gelingen uns auch die schwierigsten Passagen fast wie im Schlaf, so dass die zerstörbaren Checkpoints zu Kleinholz verarbeitet werden und wir dafür nicht nur Extra-Juwelen kassieren, sondern uns selbst beweisen, wie gut wir inzwischen geworden sind. Schaufel-Sprung im richtigen Moment auf schwebende Gegner über einem Abgrund, dann mit dem Propellerdolch nach vorn, Gegner ausweichen und weiter.

Und obwohl die ersten Level schon viel Spaß machen, zaubern die Entwickler gegen Ende noch einmal wirklich großartige Ideen aus dem Hut. Das Abenteuer mit Shovel Knight ist erstaunlich abwechslungsreich und das nicht etwa, weil es viele spezielle Spielmechaniken geben würde. Die Entwickler nutzen einfach die vorhandenen Mittel besser aus und versuchen sich dabei auch nicht zu wiederholen. Dadurch gibt es immer wieder einen neuen Lernprozess, der uns bei der nächsten Aufgabe zwar hilft, aber wir wahrscheinlich trotzdem zunächst scheitern. Es geht darum, die eigentlich sehr simple Steuerung zu meistern.

Ein bisschen erinnert Shovel Knight dahingehend Spielen wie Demon's Soul oder Dark Souls. Dazu passt auch das System mit unseren Leben. Wirklich sterben werden wir nie. Wenn wir das zeitliche Segnen, weil uns die Lebensenergie ausgegangen ist oder wir in einen Abgrund, Lava oder etwa Stacheln gestürzt sind, dann verlieren wir einen Teil unser gesammelten Geldreserven. Je mehr wir davon besitzen, desto größer ist der Anteil, den wir verlieren. Dieser wird auf drei Säckchen aufgeteilt und schwebt fortan an der Stelle, an der wir gescheitert sind. Erreichen wir diesen Punkt erneut, bevor wir wieder einen Fehler machen, können wir sie vielleicht retten. Ansonsten ist das Geld futsch.

Shovel Knight
Mit der Schaufel kann Shovel Knight auch auf anderen Gegnern herumspringen und sie sogar verletzen, wenn sie sich nicht gerade schützen.

Wie das frisch gegründete Studio ein solch kleines Meisterwerk abliefern konnte, lässt sich sogar relativ leicht erklären. Das Team besteht aus ehemaligen Wayforward-Leuten und die sind ebenfalls große Künstler, wenn es um moderne Interpretation eigentlich rückwärtsgewandter, klassischer Konzepte geht. Der Pixel ist noch lange nicht tot. Und auch bei der Musik werden die Wurzeln deutlich. Der fabelhafte Jake Kaufman hat einen fulminanten Soundtrack komponiert, den das Team auch noch besonders feiert, in dem uns ziemlich schwere und gut versteckte Passagen geheime Notenblätter bescheren. Bei einem Barden eingetauscht, kommen wir so in den Genuss der Musik. Oder wir kaufen uns diesen einfach beim Komponisten persönlich bei Bandcamp.

Übrigens hat Shovel Knight auch ein ganz offensichtliches Vorbild. Zelda II: The Adventure of Link hat zurecht viele Freunde und es ist für die Reihe ebenfalls ein wichtiger Titel. Genauso gibt es aber auch viele Gründe, dieses Spiel nicht zu mögen. Bei Shovel Knight gibt es diesbezüglich glücklicherweise keinen Grund mehr zu nörgeln. An einigen Stellen wirkt es fast so, als hätte das Team den Klassiker obsessiv geliebt und gehasst, um genau dieses Spiel zu entwickeln und damit Shigeru Miyamoto zu zeigen, wie es besser gewesen wäre. Dazu gibt es ebenfalls Parallelen zu Gargoyles, DuckTales, Castlevania, Mega Man und sogar Super Mario Bros. 3. Aber diese Ähnlichkeiten machen Shovel Knight keinesfalls zu einem Sammelsurium kopierter Ideen. Nein, der Titel feiert zwar jene Größen der Generation, aber steht gut auf eigenen Beinen.

Shovel Knight ist ein Juwel, das nahezu perfektes Leveldesign bietet. Es gibt diese Orte, die wir eigentlich gar nicht erreichen müssen, weil wir den Inhalt der dort befindlichen Truhe nicht benötigen. Aber natürlich gibt es in uns auch eine eigene Motivation in uns, sich solchen Aufgaben anzunehmen - im Zweifel auch immer und immer wieder. Genau das gelingt dem Titel und macht ihn so großartig. Und wer das Spiel wahrscheinlich nach spätestens zehn Stunden beendet hat, kann noch Geheimnisse suchen oder einen erneuten, schwierigeren Anlauf versuchen.

Shovel Knight
Es gibt auch Spezialgegenstände, die uns an einigen Stellen das Spiel vereinfachen, weil sie etwa eine größere Reichweite haben wie dieser Feuerstab.

Außerdem gibt es für die Wii U eine besondere Miiverse-Integration und auf dem 3DS hat der Indie-Entwickler dem Spiel eine Streetpass-Funktion und 3D-Effekte spendiert. Angekündigt wurde auch, dass ein Teil der erweiterten Kickstarter-Ziele über ein Update nachgereicht wird. Noch fehlt der Battle-Modus für vier Spieler, ein Herausforderungsmodus, weitere Charaktere, die den Boss-Rittern nachempfunden sind, sowie eine Variante, in der Shovel Knight das Geschlecht wechselt. Alles das soll über kostenlose Updates nachgereicht werden.

Wer die 8-bit-Generation kennt und liebt, der kommt gar nicht um Shovel Knight herum. Dessen Herz erobert es einfach im Sturm. Musik, Grafik, Thema, Handlung und Spielmechaniken greifen perfekt ineinander. Ohne Liebe für Pixel und Chiptune-Musik aber wird das Feuer vermutlich nicht entfacht - zumindest nicht in der gleichen Intensität. Das es aber einem solch simpel anmutendem Spiel gelingen kann, an kniffligen Stellen ein solches Herzrasen zu verursachen wie es sonst eher bei gruseligen Horrorspielen üblich ist, das zeugt davon wie mitreißend es ist. Und selbst wer also nicht mit Pixeln groß geworden ist, der möchte womöglich dennoch die Faszination daran verstehen. Shovel Knight ist bestens zu empfehlen.

Shovel Knight
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Shovel Knight
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
fantastische Steuerung, simple und doch abwechslungsreiche Spielmechaniken, hübsche Präsentation, toller Soundtrack
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Zweiter Durchgang könnte schwieriger sein, Stil wird man lieben oder hassen
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