Gamereactor International Deutsch / Dansk / Svenska / Norsk / Suomi / English / Italiano / Español / Português / Français
Einloggen






Passwort vergessen?
Noch kein Mitglied?, Dann kannst du das hier werden!

Via Facebook anmelden
FacebookFacebook
Kritik

Pro Evolution Soccer 2015

Gäbe es das Thema Lizenzen nicht, wäre PES der klare Sieger bei den Fußballsimulationen in diesem Jahr. Doch der vielleicht entscheidende Aspekt, es ist am Ende doch der Umfang.

Werbung:

Irgendwie kommt es einem schon wie eine halbe Ewigkeit vor, dass EA in diesem Jahr mit FIFA 15 an den Start ging. Dass Konami erst jetzt mit Pro Evolution Soccer 2015 nachziehen kann, wird sich nicht positiv auf die Geschäfte auswirken. Aber das ist mir persönlich immer noch lieber, als ein Spiel, das wie im letzten Jahr einfach unfertig wirkt.

Werbung:

Dass PES in diesem Jahr ein ausgesprochen gutes Fußballspiel wird, zeichnete sich bereits seit einiger Zeit ab. Auf der Gamescom sahnte es den Preis als bestes Sportspiel ab und auch die Vorschauversionen machten einen äußerst soliden Eindruck. "Wichtig ist auf dem Platz", lautet eine der bekanntesten Fußballfloskeln. Doch wie wir wissen, braucht ein Fußballspiel deutlich mehr als eine gute Steuerung, um wirklich zu überzeugen.

Pro Evolution Soccer 2015Pro Evolution Soccer 2015
Was mich wirklich traurig macht: PES wurde in Sachen Optik von der Konkurrenz überholt.

Das Spielgefühl von PES ist dessen große Stärke. Das Spieltempo ist anfangs so hoch, dass man sich kurz darauf einstellen muss. Die Spieler bewegen sich schnell und setzen unsere Eingaben zügig um. Das verleiht dem ganzen Spiel einen Hauch von Arcade-Feeling. Davon mag man halten was man möchte, aber das Gesamtergebnis ist schlichtweg stimmig. Leider ist dieses Gesamtkonstrukt nicht ohne Fehler. Oftmals schauen die Spieler einem Ball einfach hinterher, obwohl sie ihn mit einem einfachen Ausfallschritt abfangen könnten. Außerdem wirkt der reguläre Zweikampf völlig nutzlos. Manchmal stehen wir dem Gegner bereits praktisch auf den Füßen, während wir die Zweikampftaste drücken ohne, dass wir an den Ball kommen.

Auf der anderen Seite kann es auch passieren, dass man mit diesem sonst so wirkungslosen Zweikampf auch mal ein Spieler von den Beinen geholt und einen Elfmeter verursacht. Man muss allerdings betonen: Das ist Meckern auf wirklich sehr hohem Niveau. Es ist dennoch ein sehr glücklicher Umstand, dass Konami auch lange nach Release noch kleinere Macken ausbessert. Wie man der Herangehensweise von Konami an die Vermarktung des Spiels entnehmen kann, geht es ihnen nicht um die großen Innovationen und Neuerfindungen. Sie wollen lieber ein funktionierendes Spiel hinlegen, dass dem Spieler schnell sein Gesamtkonzept vermittelt. Das ist durchaus gelungen.

Was mich wirklich traurig macht: PES wurde in Sachen Optik von der Konkurrenz überholt. Das liegt nicht daran, dass die Entwickler es generell nicht können, sondern daran, dass sie es nicht überall hinbekommen haben. Um das zu sehen, müssen wir uns nur das Weltmeister-Team von Deutschland anschauen. Ein verschwitzter Jérôme Boateng sieht in der Nahaufnahme dermaßen beeindruckend aus, dass es einem fast die Sprache verschlägt. Toni Kroos dagegen ist erschreckend schlecht getroffen und macht einen fast besessenen Eindruck.

Pro Evolution Soccer 2015
Schön ist, dass Konami es hinbekommen hat, Kollisionen zwischen den Spielern realistisch aussehen zu lassen.

Zu meinem Leidwesen musste ich feststellen, dass an meinem bisher größten Kritikpunkt in Sachen Grafik nicht geschraubt wurde: den Haaren. Vielleicht reagiere ich hier auch viel zu empfindlich, aber die teils zusammengepappten Frisuren machen mich einfach aggressiv. Ich versuche, diesen Aspekt einfach so gut es geht zu ignorieren. Zwar sieht das Publikum in der aktuellen Versionen um Welten besser aus als noch im letzten Jahr. Allerdings sind praktisch alle ihre Bewegungen choreographiert, unnatürlich und einfach nicht so chaotisch aus wie bei FIFA 15. Irgendwie wirkt es so, als würden zig tausende Fans zusammen Zumba tanzen. Das mag leider nicht so richtig überzeugen.

Dass Pro Evolution Soccer 2015 optisch doch einen letztendlich positiven Eindruck hinterlässt, verdankt es vor allem den beeindruckenden Animationen. In den Zwischensequenzen kommen die Bewegungen der Spieler unheimlich echt rüber und auch die Gesichtszüge wirken zum größten Teil sehr lebensnahe. Da sich auch hier der Vergleich aufdrängt: Bei FIFA sehen die Spielergesichter dagegen immer noch aus wie die von Puppen.

Auch im Spiel wirken die Bewegungen alle äußerst echt. Schön ist, dass Konami es hinbekommen hat, Kollisionen zwischen den Spielern realistisch aussehen zu lassen, ohne dass das Spiel sich mit peinlichen Stolpereinlagen lächerlich macht. Wo bei FIFA 15 Spieler hirnlos übereinander fallen, machen sie hier geschickte Ausfallschritte, um den am Boden liegenden Spieler auszuweichen. So einfach ist das.

Pro Evolution Soccer 2015
Würde es den Kritikpunkt der Lizenzen nicht geben, hätte PES mit Sicherheit ein leichteres Leben.

Der Kommentar ist PES ist größtenteils in Ordnung. Das verdankt er vor allem der sehr überzeugenden Leistung von Wolf Fuss. Der erzeugt mit seinen emotionalen Kommentaren sogar Spannung, wo es keine gibt. So fühlt sich jedes Match irgendwie so an, als wäre man in der KO-Runde der Champions League. Allerdings muss man sagen, dass der Kommentar bei PES wie FIFA weit hinter den technischen Möglichkeiten zurückbleibt. Seit Entstehung der Fußballspiele triggern irgendwelche Ereignisse, irgendwelche Ansagen. Und das meist mit einer gewissen Latenz. Hier wird es mal Zeit für richtige Innovationen.

Wer an Pro Evolution Soccer 2015 seine Freude haben möchte, der sollte die Pass-Unterstützer ausschalten, oder zumindest etwas herunter drehen. Denn was das Spiel glaubt, wo unser Pass am besten hin soll, entspricht einfach keiner Logik. Ohne diese Funktion bekommt man ein deutlich besseres Spiel aufgezogen. Auch wenn es die Steuerung deutlich verkompliziert, sollte man auch auf die Steilpass-Unterstützung verzichten. Sonst ärgert man sich nur ständig, dass man den gewünschten Spieler einfach nicht erreicht.

Würde es den Kritikpunkt der Lizenzen nicht geben, hätte PES mit Sicherheit ein leichteres Leben. Man muss das leider so klipp und klar formulieren: In dieser Hinsicht gibt es für PES rein gar nichts zu holen. England ist mit nur einem einzigen Team vertreten. Die Teams der Ligue 1 in Frankreich sind kleckerweise dabei. Die Primera Division ist immerhin vollständig dabei. Eine deutsche Liga gibt es leider immer noch nicht.

Pro Evolution Soccer 2015
Durch die CL-Lizenz sehen unsere Spiele in Europas höchster Spielklasse so aus wie im Fernsehen, was einen großen Eindruck hinterlässt.

Deutsche Fans können sich immerhin über den FC Bayern, Schalke 04 und Bayer Leverkusen freuen. Der vierte deutsche Champions League-Teilnehmer Borussia Dortmund fehlt leider. Das ist insbesondere deswegen schade, weil die Lizensierung der Champions League zu den kleinen Highlights des Spiels zählt. Dadurch sehen unsere Spiele in Europas höchster Spielklasse so aus wie im Fernsehen, was einen großen Eindruck hinterlässt. Das gilt genauso für die Copa Libertadores, sozusagen die Champions League Südamerikas.

Die Torhüter sind nun im fertigen Spiel mit Abstand nicht mehr so ungeschickt wie noch in der Preview-Version. Eigentlich machen sie im großen und ganzen einen guten Job und zeigen oftmals sehr gute Reaktionen. Dennoch gibt es ab und zu Momente, in denen sie beim Versuch, den Ball zu halten, sehr unmotiviert wirken. Wahrscheinlich würde es echter aussehen, wenn die Torhüter es bei sehr guten Schüssen gar nicht erst versuchen würden und dem Ball einfach resignierend hinterher schauen.

Das Aufstellungs-Menü hat in diesem Jahr merkwürdigerweise einen kleinen Rückschritt gemacht. Es sieht weniger übersichtlich aus und wirkt zudem auch noch sehr altbacken. Das Editieren der Positionen ist nun wieder in einem Untermenü verpackt. Zuvor konnte man die Spieler noch einzeln anwählen und ihre Position anpassen. Vielleicht hätte man sich hier doch mal die Konkurrenz angucken sollen, um zu sehen, wie man mit intelligenten Layout und Design effizient mit dem verfügbaren Platz umgeht.

Pro Evolution Soccer 2015
Pro Evolution Soccer 2015 ist trotz einiger kleinerer Fehler auf jeden Fall das bessere Fußballspiel in diesem Jahr.

Ärgerlich ist das, wenn man bedenkt, dass die Konkurrenz im Grunde nur das fortsetzt, was Konami mit dem Aufstellungsmenü der letzten Teile begonnen hatte. Darüber hinaus gibt es weniger Einstellungsmöglichkeiten bei der Mannschaftstaktik, als in vorherigen Teilen. Das ist für mich wirklich absolut unverständlich. Wer ein Spiel starten will, wird meist von einem wunderschönen Bild des Berliner Olympiastadions begrüßt, das diesmal im Umfang mit dabei ist. Und da die traditionsreiche Spielstätte 2015 als Austragungsort des Champions-League-Finale dient, ist es auch so prominent vertreten. Zwar fehlt leider der passende Verein dazu, dennoch für deutsche Fans eine nette Sache.

Das Olympiastadion ist damit eines von elf Stadien im gesamten Spiel. Diese Zahl muss erst ein Mal wirken. Elf. Das ist wirklich nicht besonders viel, vor allem wenn man bedenkt, dass von diesen elf noch nicht mal alles echte Stadien sind. Wenn wir den anders benannten Wembley-Nachbau mitzählen, kommen wir auf gerade Mal auf acht echte Stadien. Das ist eine äußerst enttäuschende Zahl. Nur zum Vergleich: In FIFA 15 gab es alleine aus Spanien bereits 20 Stadien. Alle original nachgebaut, alle mit der passenden Lizenz. Konami hätte wenigstens dafür sorgen können, dass mehr unechte Stadien ins Spiel integriert werden, einfach um der Abwechslung willen.

Pro Evolution Soccer 2015 ist trotz einiger kleinerer Fehler auf jeden Fall das bessere Fußballspiel in diesem Jahr. Dem schnellen und flüssigen Spielgefühl hat das oftmals etwas wirre FIFA 15 wenig entgegenzusetzen. Allerdings bietet PES einen deutlich kleineren Umfang. In dieser Hinsicht bleibt die Konkurrenz einfach zu mächtig. So muss jeder Spieler für sich entscheiden, was ihm am Ende wichtiger ist.

08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
tolles Spielgefühl, hohes Spieltempo, beeindruckend echte Animationen, lebensnahe Gesichtszüge, Champions League und Copa Libertadores lizensiert.
-
Schwächen bei der Optik, wenige Stadien, sehr wenig lizensierter Inhalt, schlechtes Aufstellungsmenü
Werbung: