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Kritik

Sunset Overdrive

Dass Sunset Overdrive jede Menge Spaß bringt, kann man auf den ersten Blick erkennen. Eigentlich stellt sich nur die Frage: Wie lange ist das so? Die Antwort: eine ganze Weile!

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Dass die klebrigen, supersüßen und penetrant nach Bonbons riechenden Energiedrinks ungesund sind und hässlich machen, war zu vermuten. Aber der skrupellose Fizzco-Konzern hat es dann mit den Zutaten wohl etwas übertrieben und die Besucher einer Techno-Party werden zu überdosierten und aggressiven Mutanten. Immerhin hat sich damit auch der lahme Aushilfsjob auf dem Event erledigt, das irgendwie ein bisschen an das nächtliche Forza Horizon Festival erinnert.

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Nach einem kurzen Tutorial darf eine namenlose Spielfigur zusammengebastelt werden und der Editor sorgt gleich für gute Laune. Er ist vielleicht nicht sonderlich komplex - an Kinn- und Nasenlänge kann nicht geschraubt werden - bietet aber doch einiges an Möglichkeiten, um seinen Helden den eigenen Vorstellungen anzupassen. Zudem garantiert er so auch Ungeübten ein Ergebnis mit einer gesunden Mischung aus cool und dämlich. Bei den Klamotten und Accessoires dann eindeutig eher letzteres.

Sunset OverdriveSunset Overdrive
Die knallbunte Apokalypse ist stillsicher und der Wahnsinn überzeugt immer wieder auch in den lustigen Einspielern.

Aber hey, der geregelte Job hat sich endgültig erledigt und wir müssen keine Arbeitshemden mit Namensschild mehr tragen. Warum also nicht in was Ungemütliches schlüpfen und ein bisschen Stil zeigen. Entweder um sich mit seinen geschmacklichen Entgleisungen im Koop-Modus der Weltöffentlichkeit zu präsentieren oder um sich einfach in der Einzelspielerkampagne an seiner vollen Pracht zu erfreuen. Ob in den Zwischensequenzen oder in den wirklich lustigen und abwechslungsreichen Einspielern beim Respawn, man muss wirklich jedes mal wieder über seinen eigenen Typen lachen, wenn er die knallbunte Apokalypse erneut betritt.

Knallbunt und grell ist in Sunset Overdrive alles. Der wirklich hübsche Cel Shading-Look in voller Next-Gen-Pracht ist ein Fest für die Augen. Das Gameplay rotiert um absurde Waffen und noch absurdere Endlos-Grinds und Sprünge. Es erinnert im besten Sinne an die Sega-Hits gegen Ende der Neunziger, als auch die Punkrock- und Skateszene einen kommerziellen Zenit erreichte. Alles im Spiel ist eine Persiflage des Mainstreamphänomens und ähnlich leidig wie damals. Aber es macht auch noch genauso viel Spaß, wenn man nur auf seinen Sneakernsohlen endlose Grinds auf Telefonleitungen, Geländern und Dachrinnen aneinanderreiht. Und danach mit gigantischen Sprüngen von Autodächern und Markisen auf Hochhäuser oder Brücken fliegt, um den Style-Balken in die Höhe zu schrauben. Außerdem verdient man so kostbare Währung für neue Waffen, Klamotten und verschiedene Verbesserungen.

Die kommen in Form von Amps und Overdrives, die teilweise erst noch mit eingesammelten Zutaten wie Handys oder über Telefonleitungen hängenden Turnschuhen zusammengebastelt werden müssen und alle möglichen Effekte auf Waffen und Fähigkeiten haben, die dann auch noch einer bestimmten Stufe unseres Style-Balkens zugeordnet werden. Ein erstaunlich komplexes System, das leider auch etwas unübersichtlich geraten ist. Aber es bietet enorm viele Möglichkeiten, die Fähigkeiten und Waffen den eigenen Präferenzen anzupassen. So wird aus dem wenig effektiven Schallplatten-Gewehr mit seiner schnellen Schussrate und dem geringen Schaden nach dem Einbau eines eisigen Amps schnell ein äußerst nützlicher Helfer.

Sunset Overdrive
Die riesige fiktive kalifornische Stadt Sunset City ist prall gefüllt mit Aufgaben.

Die riesige fiktive kalifornische Stadt Sunset City ist prall gefüllt mit Aufgaben. Auch nach Stunden kommt das Schnellreisesystem kaum zum Einsatz, weil das Grinden, die Wallruns und Sprünge einfach viel zu viel Spaß machen. Außerdem wartet ja auch überall Zeug, das eingesammelt und zu Amps und Overdrives verarbeitet werden will. Die Tricks sind einfach auszuführen und auch in unübersichtlichen Momenten hat man kaum Probleme, seine Style-Kombo weiter hochzuschrauben. Die wird sowieso nur reduziert, wenn man ewig das gleiche Geländer grindet oder einfach auf der Straße läuft - kleine Patzer haben keinerlei Auswirkung.

Die Hauptgeschichte und die Nebenquests bieten viele Stunden Spielzeit und sind ein abwechslungsreicher Mix aus Verfolgungsjagden, Angriffs- oder Verteidigungsmissionen und Bosskämpfen. Sie bieten immer wieder kleine Überraschungen neben den akrobatischen Tricks und Ballerorgien. Dazu gehören Gleiterflüge ebenso wie das Steuern einer Abrissbirne. An allen Ecken warten kleine Herausforderungen, bei denen unter Zeitdruck verschiedenste Aufgaben erledigt werden müssen.

Die Highscorelisten dieser Challenges und der Koop-Modus namens Chaoskommando dürften lange motivieren. Er ist ein lustiger Bonus und bietet mehrere Missionen, über die jeweils abgestimmt wird und die dann zusammen den Schwierigkeitsgrad und die Belohnung des finalen Kampfes bestimmen. Bis zu acht Spieler kämpfen gemeinsam um Höchstpunktzahlen und das dürfte das Rock'n'Roll-Mantra und den Spaßfaktor von Sunset Overdrive endgültig auf die Spitze treiben. Ein großartiges, albernes Vergnügungen, das die Tugenden von Arcade-Klassikern wie Jet Set Radio und Crazy Taxi aufrecht erhält und trotzdem ein modernes Videospiel geworden ist, dass die Entwicklungen beim Gameplay nicht ignoriert und optisch beeindruckt.

Sunset Overdrive
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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
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schöner Cel-Shading Stil, herrlich albern und absurd, frustfreier Spaß, schöner Editor für die Spielfigur
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unübersichtliches System für die Amps und Overdrives, die Tricks sind nur in den Challenges wirklich fordernd
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