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Kritik

Borderlands: The Pre-Sequel

Ein wahrhaft abgefahreneres Action-Rollenspiel mit bitterbösem Humor, grandiosem Gameplay und fantastischem Universum - aber schwächer als der Vorgänger.

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Als ich in Borderlands 2 zum ersten Mal den Mond und die Hyperion-Basis erblickte, wusste ich einfach, dass es die Kammerjäger eines Tages auf den Mond versetzen wird. Offensichtlich hat mich meine Vorahnung nicht getäuscht, denn das Borderlands: The Pre-Sequel führt uns auf Pandoras kosmischen Nachbarn Elpis, auf dem wir eine unglaubliche Bandbreite abgefahrener Abenteuer erleben. So lässt sich das Game tatsächlich am einfachsten beschreiben: Es ist eine fantastische Reise in die Welt von Handsome Jack, die wir mit vielen Bekannten, einigen neuen Gesichtern und natürlich mit Claptrap durchstehen werden - und das hört sich nicht einmal halb so verrückt an, wie es letztlich wird.

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In der Rolle eines von vier "neuen" Kammerjägern erleben wir den Aufstieg von Handsome Jack, dem Antagonisten des zweiten Borderlands-Spiels. Die Geschichte ist zeitlich zwischen Borderlands und Borderlands 2 angesiedelt und dreht sich um eine intergalaktische Rettungsmission, Rache und natürlich um eine Kammer voller legendärer Alientechnologie. Die Kampagne wird in einer Art Rückblende von Athena der Gladiatorin erzählt. Sie war an den Geschehnissen auf Elpis beteiligt, arbeitete eine Zeit lang für Jack und wurde deshalb von den Kammerjägern der ersten Generation gefangen genommen. Die versuchen nämlich herauszufinden, wie Handsome Jack zu dem größenwahnsinnigen Hyperion-Chef wurde, der für die Erlebnisse in Borderlands 2 verantwortlich ist.

Borderlands: The Pre-SequelBorderlands: The Pre-Sequel
Eine fantastische Reise in die Welt von Handsome Jack, die wir mit vielen Bekannten, einigen neuen Gesichtern und natürlich mit Claptrap durchstehen werden.

Athena ist eine der spielbaren Figuren. Die Gladiatorin hat einen schützenden Schild, der für eine kurze Zeit Schaden von Feinden auffängt und die gespeicherte Menge anschließend auf ihre Angreifer zurückwirft. Das macht sie zu einer tollen Erweiterung für jedes Team und unglaublich stark im Einzelkampf. Wilhelm der Enforcer ist der zweite im Bunde und eine echte Kampfmaschine, die mit zahlreichen kybernetischen Implantaten versehen ist. Er ist der dunkelste Charakter von allen, denn er tötet aus Freude und des Geldes wegen. Sein Action-Skill umfasst die beiden Drohnen Saint und Wolf, die einige Zeit an Wilhelms Seite kämpfen. Nisha das Cowgirl sorgt für Recht und Ordnung mit einer Peitsche als Nahkampfangriff. Eigentlich ist sie eine Banditin, die Jagd auf andere Banditen macht. In ihrem Action-Skill zielt Nisha für eine kurze Zeit automatisch auf Gegner und profitiert dabei von einem gewaltigen Schadensboost. Der letzte im Bunde ist Claptrap, den wir nun endlich auch selbst spielen dürfen.

Die Claptrap-Klasse ist konzeptionell am besten auf das Borderlands-Thema zugeschnitten, denn hier herrscht uneingeschränktes Chaos. Claptraps Action-Skill ist ein Zufallsprogramm, das je nach Situation unterschiedlich reagiert. Sein Arsenal reicht dabei von einer hilflos herumhüpfenden Gummiente bis zum Laserstrahlen verschießenden Disco-Roboter - und das macht ihn zu einer tickenden Zeitbombe. Darüber hinaus hat der kleine Kasten Zugriff auf alle anderen Action-Skills und kann ebenso gut Cyber-Ninja, Gunzerker oder Mechromancer sein. Nur ist leider nie wirklich sicher, was er als nächstes tut und so wird jede neue Aktivierung zu einem echten Glücksspiel. Nicht zuletzt, weil eine Bombe auch in der eigenen Tasche losgehen kann und nicht alle Fähigkeiten hilfreich sind.

Borderlands: The Pre-Sequel
urch den erzählerischen Fokus und die vier unterschiedlichen Sichtweisen, erhalten Fans eine Vielzahl von zusätzlichen Informationen über das Universum.

Fans der Serie werden die teils ikonischen Figuren unweigerlich aus den früheren Borderlands-Teilen wiedererkennen und diese Herangehensweise ist von Gearbox und 2K Australia hervorragend durchdacht worden. Durch den erzählerischen Fokus und die vier unterschiedlichen Sichtweisen, erhalten Fans eine Vielzahl von zusätzlichen Informationen über das Universum. Jeder Charakter ist einzigartig und reagiert sehr unterschiedlich auf die Geschehnisse des Spiels. Mein Claptrap zum Beispiel hat mich mit seinen vielen Kommentaren zum Lachen aber auch zum Grübeln gebracht. Ganz besonders gelungen fand ich den authentischen Zwiespalt, in dem der kleine Roboter lebt. Immer wenn es darum geht, anderen Maschinen zu Schaden, spürt man, wie er mit sich kämpft. Doch das Tragische daran ist, dass Claptrap keine Wahl hat, denn sein freier Wille wird durch seinen Programmcode unterdrückt.

Borderlands: The Pre-Sequel hat ganz hervorragende Konversationen, aber leider kann es speziell in diesem Segment des Spiels zu Problemen kommen. Die teilweise lang andauernden Monologe der NPCs liegen häufig so nahe beisammen, dass sie sich überlappen. Wenn beispielsweise jemand aus dem Team vorrennt und einen neuen Spielfortschritt erreicht, während sich die Questgeber noch unterhalten, wird das ebenfalls kommentiert. Daher passiert es schnellen Spielern vermutlich bereits im Intro, dass ein Charakter seinen Monolog abbricht, um über etwas Neues zu reden.

Den unverkennbaren Humor der Serie hat Borderlands: The Pre-Sequel aber nicht verloren. Ob es nun darum geht, im Namen einer Tierschutzorganisation Umweltverschmutzungen zu beseitigen oder die legendäre Waffe Excalibastard aus einem Stein zu ziehen, stets kommt es anders als geplant. Die Bandbreite der Quests ist groß, auch wenn das gelegentliches Backtracking erfordert. Natürlich geht es prinzipiell immer darum, irgendetwas abzuknallen. Dem Spiel gelingt es aber stets, die richtige Motivation zu bieten. Und auch wenn nicht alle Nebencharaktere auf Elpis so prägnant und einzigartig sind wie ihre Gegenstücke auf Pandora, gelingt es den Entwicklern doch, ein mindestens gleichermaßen interessantes Erlebnis aufzubauen.

Borderlands: The Pre-Sequel
Man muss man sich mit dem interstellaren Thema anfreunden können, aber richtig abwechslungsreich ist nicht.

Der Mond von Pandora bringt natürlich einige Neurungen in das Gameplay. Da es in weiten Teilen des Spiels keinen Sauerstoff gibt, verfügen wir nun über ein spezielles Kit, das den Kammerjäger mit einem begrenzten Sauerstoffvorrat, einen Düsenantrieb und einer Stampfattacke ausstattet. Die verringerte Gravitation lässt es außerdem zu, dass wir besonders hoch springen können und zu Fuß viel schneller unterwegs sind. Wenn wir in der Luft ein zweites Mal springen, strömt etwas Luft aus dem Sauerstoff-Kit und ermöglicht einen Doppelsprung. Dadurch lassen sich noch entlegenere Gebiete erreichen, allerdings beansprucht das die Luftanzeige doch sehr stark. Ist sie leer, zeigt Elpis sein wahres Gesicht und raubt allen atmenden Charakteren sekündlich etwas Gesundheit. Die fehlende Atmosphäre streckt die kalten Finger nämlich nach allem Leben aus, darunter musste ganz besonders die Pflanzenwelt leiden. Die grenzenlose Vegetation Pandoras kann Elpis nämlich nicht bieten und das verleiht dem spacigen Mond-Setting einen vor allem kargen, bisweilen etwas faden Look.

Wahrscheinlich muss man sich mit dem interstellaren Thema nur anfreunden können, aber richtig abwechslungsreich ist das für mein Verständnis nicht. Im Grunde genommen gibt es nur die größeren Abschnitte auf der Mondoberfläche, Rüstungsfabriken und zahlreiche Mondbasen. Das größte Problem ist die Charakterlosigkeit dieser Areale. Borderlands: The Pre-Sequel hat wirklich viele Gebiete, doch die meisten davon ähneln sich sehr stark und wirken in ihrer Gesamtheit einfallslos. Leider sehe ich diese Monotonie auch bei den neuen Alienrassen, die den Mond bevölkern sowie den anderen Gegnern des Spiels. Aber das ist natürlich irgendwie auch Geschmackssache.

Als großer Borderlands-Fan bin ich mit The Pre-Sequel wirklich auf meine Kosten gekommen und werde es sicher noch einige Wochen spielen. Das Waffennarr-Paradies entfaltet sein volles Potenzial bekanntlich erst im Endgame und gerade zum letzten Teil der Geschichte gewinnt das Spiel noch ordentlich an Fahrt. Aber leider fehlt es der Vorgeschichte zu Borderlands 2 an neuen, innovativen Ideen und Mut zur Veränderung. Wer Spaß mit der Serie hat wird von Borderlands: The Pre-Sequel mit Sicherheit nicht enttäuscht. Es ist ein wahrhaft abgefahreneres Action-Rollenspiel mit bitterbösem Humor, grandiosem Gameplay und fantastischem Universum. Aber in der Gesamtwertung schafft es The Pre-Sequel nicht, gegen den famosen zweiten Teil anzukommen.

Borderlands: The Pre-Sequel
Borderlands: The Pre-Sequel
Borderlands: The Pre-Sequel
Borderlands: The Pre-Sequel
Borderlands: The Pre-Sequel
Borderlands: The Pre-Sequel
Borderlands: The Pre-Sequel
Borderlands: The Pre-Sequel
Borderlands: The Pre-Sequel
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
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Claptrap, schräger Humor, tadelloses Gameplay, viele Zusatzinformationen für Fans
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Weltraum-Setting ist Geschmackssache, kaum Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger, generische Nebencharaktere
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