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Kritik

Bayonetta 2

Sie ist zurück. Bayonetta sorgt weiter für Herzklopfen und feuchte Hände. Jedoch nicht wegen knisternder Erotik, sondern durch fordernde Kämpfe mit Engeln und Dämonen.

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Vor fünf Jahren eroberte Bayonetta mein Herz. Das Spiel mit der Umbra-Hexe hatte aber auch wirklich alles, um mich rumzukriegen. Es war von Anfang bis Ende rund und nur der sehr japanische Stil schmeckte wahrscheinlich nicht jedem. Ich aber verliebte mich. Dafür sorgte der variable Anspruch an das spielerische Können, der was für Gelegenheitsspieler und Profis bot. Es gab ein großartiges Belohnungssystem, das zu immer neuen Höchstleistungen anspornte. Und natürlich überzeugte mich Bayonetta auch mit der Präsentation. Vorne weg die hübsche Hexe mit dem lockeren Mundwerk und dem wahrscheinlich schönsten Hintern der Videospielgeschichte. Es war Erotik mit Niveau, die Platinum Games hier zelebrierte.

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Der Nachfolger schlägt nun auch in diese Kerbe. Alles ist mit an Bord. Okay, Bayonetta hat nun kurze Haare. Und obwohl ich anfangs große Probleme damit habe, finde ich diese Entscheidung inzwischen richtig klasse. Die vielen bekannten Gesichter, auf die wir treffen, haben sich ansonsten nicht verändert. Der einzig wesentliche Neuzugang ist Loki. Der kleine Junge spielt, das ahnt man schnell, eine Schlüsselrolle in der Geschichte. Er will auf einen Berg namens Fimbulvinter, auch wenn er den Grund dafür vergessen hat. Ähnlich wie Bayonetta im Erstling weiß er nicht genau, wer er ist und was eigentlich seine Rolle sein soll. Das Wunderkind hat allerdings auch einen ganz entscheidenden Nachteil. Obwohl er nicht auf den Mund gefallen ist und sich damit gut ins Spiel einfügen sollte, wirkt er eher lästig und passt nicht so recht zur erwachsenen Bayonetta.

Bayonetta 2Bayonetta 2
Das Sexappeal dieser Dame wird nie verwendet, um sich bei irgendjemanden anzubiedern. Sie ist eine starke Frau, die dir aufs Maul haut, wenn du sie nicht mit Respekt behandelst.

Die Handlung hat mit dieses Mal trotzdem fast noch besser gefallen als im Vorgänger. Es gibt einige Überraschungen auf der Reise zwischen Himmel und Hölle und einen großartigen Bogen zum ersten Teil. Zwar setzt Platinum für das voranbringen der Geschichte neben regulären Zwischensequenzen weiter auch auf animierte Standbildsequenzen. Die sind einfach weniger hübsch, aber es stört nur anfangs. Bayonetta 2 funktioniert übrigens auch für all jene, die den Vorgänger nicht kennen. Es wurde dafür gesorgt, dass die wirklich wesentlichen Informationen alle enthalten sind. Kenner des Originals und alle, die es nie gespielt haben, werden aber Lust bekommen, sich diesem zu widmen. Wie gut, dass es von Nintendo dafür ein hübsches Paket gibt, in dem beide Spiele enthalten sind.

Und ich kann gar nicht oft genug betonen, wie froh ich bin, dass Platinum Games die Gelegenheit bekommen haben, einen Nachfolger zu machen. Eines der großartigsten Hack'n'Slash-Spiele der letzten Generation musste einfach weitererzählt werden. Dass es ausgerechnet der familienorientierte Hersteller Nintendo ist, der Bayonetta mit den vielen schlüpfrigen Andeutungen ein Zuhause schenkt, war für viele eine Überraschung. Aber am Ende spielt das keine große Rolle, denn ohne diese ungewöhnliche Zusammenarbeit hätten wir sonst auf eine Fortsetzung verzichten müssen. Und das kann doch wirklich niemand wollen.

Ein so perfektes Kampfsystem, das uns auf einem höheren Schwierigkeitsgraden alles abverlangt und so sehr auf den richtigen Zeitpunkt der Bewegungen setzt, das gibt es oft nur in Prügelspielen. Durch Medaillen, die wir für die Leistung in einzelnen Vers-Abschnitten eines Levels verdienen, werden wir weiter dazu getrieben, uns zu verbessern. Erst für abwechslungsreiche Kombis gepaart mit einem schnellen und fehlerfreien Abschluss gibt es die ersehnte Reinplatin-Medaille. Und wer in einem Level sein Leben lässt, kann zwar weitermachen, doch wertet das die Gesamtmedaille für das Level massiv ab.

Bayonetta 2
Ein so perfektes Kampfsystem, das uns auf einem höheren Schwierigkeitsgraden alles abverlangt und so sehr auf den richtigen Zeitpunkt der Bewegungen setzt, das gibt es oft nur in Prügelspielen.

Es gibt wieder in den Welten versteckt kleine Extra-Herausforderungen mit speziellen Siegbedingungen. Die verlangen etwa, dass wir Gegner nur in der Hexenzeit verletzen können oder alle in einer einzigen Kombo abräumen müssen. Und Platinum Games hat diesmal sogar noch Extrasahne spendiert. Es gibt einen Online-Koop-Modus, in dem wir zu zweit fünf verschiedene Level nacheinander absolvieren müssen. Je mehr wir von der spielinternen Währung zuvor auf die einzelnen Runden setzen, umso mehr können wir gewinnen, desto schwieriger wird die Aufgabe jedoch auch.

Praktischerweise können wir, wenn der Partner scheitert, diesen wiederbeleben. Und wer keine Lust auf menschliche Partner hat, dem wird auch ein computergesteuerter Kompagnon an die Seite gestellt. Ein bisschen schade ist an dieser Stelle aber, dass eine lokale Variante fehlt. Auf einem Bildschirm wäre das aber mit der Kamera aber einfach nicht möglich gewesen. Und in dem Moment, wo das Gamepad als ein weiterer einspringt, müsste die Grafik runtergeschraubt werden. Und wer weiß, wie heftig die Abstriche hätte sein müssen, damit die Wii U die Berechnung schafft. Es muss auf jeden Fall zu viel gewesen sein, sonst wäre eine solche Variante sicher dabei.

Bayonetta 2 ist der wahrscheinlich hübscheste Titel auf der Wii U derzeit. Ein Freund, der sonst eigentlich nur auf seiner PS4 spielt, war überrascht und wunderte sich, warum denn eigentlich behauptet wird, dass die Spiele auf der Konsole nicht so gut aussehen würden. Wenn man sich einen Kampf mit den übergroßen engelsgleichen oder dämonischen Bossgegnern anschaut, dann fällt auch nicht auf, wo die Schwächen der Wii U liegen. Immerhin wird gerade im Vergleich mit dem ersten Spiel von damals deutlich, wie viel besser die Wii U ist. Und natürlich wäre die Hexe auf PS4 oder Xbox One noch atemberaubender, was aber das nun abgelieferte Ergebnis in keiner Form abwertet.

Bayonetta 2
Bayonetta 2 ist ohne Frage der wahrscheinlich hübscheste Titel auf der Wii U derzeit.

Die Rückkehr der Hexe so über den Klee loben zu können, dafür braucht man ein bisschen. Abgesehen davon, dass die vielen kleinen Boni erst nach und nach entdeckt werden, hielt es das Team offenbar für eine gute Idee, Unterwasserabschnitte zu integrieren. Bayonetta selbst schwimmt aber nicht, sondern kann sich dann in eine Seeschlange verwandeln. Diese Passagen fallen etwas hinter dem Rest der Erfahrung zurück. Anderen Stellen, die von klassischen Spielmechaniken abweichen, fügen sich besser in die Erfahrung ein. Und sowieso ist es erst das letzte Drittel, das mich völlig weggeblasen hat. Natürlich kämpfen wir uns von Höhepunkt zu Höhepunkt, aber das Tempo zieht zum Schluss derart an, dass ich nach dem letzten Kampf völlig fertig war - körperlich und geistig.

Diese Euphorie, nach der echten Herausforderung und dem absoluten Erreichen eines Höhepunkts dann im Abspann ausgespuckt zu werden, sie hat das erste Spiel schon ausgezeichnet. Das breite Grinsen im Gesicht hält sich eine Weile. Und irgendwann wird einem dann auch bewusst, dass die zugegeben relativ kurze Zeit mit Bayonetta keinesfalls vorbei ist. Die akrobatische Kampfmaschine auf zwei sehr schönen, langen Beinen wird noch im Multiplayer zum Einsatz kommen, in einem fordernden Schwierigkeitsgrad den absurden himmlischen und höllischen Gegnern die Fresse polieren und vergessene Geheimnisse aufspüren. Als Boni winken schließlich unter anderem noch tolle Kostüme bekannter Nintendo-Helden.

Auch Bayonetta 2 ist ein absolut wahnsinniger Spaß, bei dem sich vielleicht manche an den Kopf fassen. Platinum Games hat ein Gefühl dafür, wann eine sexuelle Anspielung angebracht ist und wie weit sie ausgereizt werden kann. An genau dieser Grenze entlang stolziert die Hexe oft. Dazu wird das Sexappeal dieser Dame nie verwendet, um sich bei irgendjemanden anzubiedern. Sie ist eine starke Frau, die dir aufs Maul haut, wenn du sie nicht mit Respekt behandelst. Dass Bayonetta 2 ein paar kleine Schwächen hat, fällt am Ende gar nicht weiter ins Gewicht. So lange die Kinnlade oft genug nach unter klappt - und das tut sie einfach sehr oft - bleibt das Spiel eine absolute Empfehlung für die Wii U. Auf diese Hexe würde ich nicht verzichten wollen.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
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präzises und forderndes Kampfsystem, viele Extras und Geheimnisse, spannende Geschichte, Online-Koop, klasse Präsentation, toller Humor
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Unterwasserlevel, mutet weiterhin sehr japanisch an
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