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Kritik

Alien: Isolation

Ein Spiel, das man so schnell nicht vergessen wird und für den Alien-Gejagten Ingo schon jetzt ein Survival-Klassiker und Sci-Fi-Meisterwerk.

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Graue Korridore, Quicktime-Events beim Öffnen von Türen und eine schlichte und unfaire K.I. sind sicher nicht die besten Voraussetzungen für ein großartiges Spielerlebnis. Und Games mit Filmlizenzen stehen eigentlich immer unter Generalverdacht. Zuletzt hatte Alien: Colonial Marines deutlich gezeigt, wie man es nicht machen sollte.

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Alien: Isolation unterliegt aber scheinbar nicht den Gesetzen der Schwerkraft - denn plötzlich liebe ich graue Korridore und der gigantische Raumhafen Sevastopol ist voll davon. Der mechanische Koloss aus Stahl hat seine besten Tage längst hinter sich und soll stillgelegt werden. Die Ingenieurin Amanda Ripley ist mit der USCSS Torrens auf dem Weg dorthin, um den Flugschreiber des Handelsfrachter Nostromo zu bergen - jenem Schiff, das vor 15 Jahren zusammen mit ihrer Mutter Ellen unter mysteriösen Umständen verschwand.

Alien: IsolationAlien: Isolation
Die feindselige, gefährliche Umgebung ohne Waffen zu erkunden gelingt nur mit Ideenreichtum und Geschick.

Beim Andocken an die Raumstation kommt es zu Komplikationen und Amanda betritt Sevastopol, völlig auf sich allein gestellt, durch eine der Luftschleusen. Die Station ist aber nicht nur marode - es herrscht Anarchie. Das dort hausende Alien hat einen Großteil der Besatzung getötet, die Überlebenden sind bewaffnet und haben Angst - eine gefährliche Kombination. Die humanoiden Service-Androiden wurden von der K.I. der Raumstation in Alarmbereitschaft versetzt und schlagen jedem, der sich unbefugt Zutritt zu gesicherten Bereichen verschaffen will, mit freundlicher Warnung den Schädel ein.

Alien: Isolation ist eine liebevolle Hommage an die Sci-Fi-Filme der 70er Jahre. Der riesige Raumhafen ist ein analog-mechanischer Ort, der Science-Fiction-Fans sofort begeistert. Sevastopol fühlt sich mit seinen mechanischen Türen und den grün schimmernden Monitoren mit den klobigen Tastaturen einfach unglaublich authentisch an. Die ganze Station wurde mit kubrik'scher Liebe entworfen und ist von den originalen Filmsets des Alien-Konzeptkünstler Ron Cobb inspiriert. Keine Hologramme, keine Touchscreens - das Leben auf dieser Raumstation ist anstrengend und schweißtreibend. Sie braucht Arbeiter, die auch mit spärlichen Ressourcen die Dinge am Laufen halten können.

Fähigkeiten die auch die Ingenieurin Ripley besitzt und die für das Überleben unerlässlich sind. Die feindselige, gefährliche Umgebung ohne Waffen zu erkunden gelingt nur mit Ideenreichtum und Geschick. Amanda kann mit den nötigen Bauplänen aus diversen Fundstücken Med-Kits, Rohrbomben, Molotov-Cocktails oder Rauchgranaten zusammenbasteln. Und sie kennt sich mit Technik gut genug aus, dass sie Strom aus Systemen umleiten kann, um Türen oder Zugänge zu Wartungsschächten zu öffnen. Das Deaktivieren von Beleuchtung oder der Luftreinigung hilft Bereiche unentdeckt zu erkunden - zumindest unentdeckt von Menschen oder den Androiden. Doch das Alien hat schärfere Sinne und wir werden gejagt - die ganze Zeit.

Alien: Isolation
Es gibt kaum geskriptete Schockmomente und auch keine ständigen Angriffe von Facehuggern.

Man will rennen, einfach nur weg - doch das macht auf dem stählernen Boden zu viel Lärm. Und das Alien reagiert auf Bewegung und Geräusche. Es gibt keinen sicheren Ort. In den Belüftungsschächten kann man sich kaum geräuschlos bewegen. Selbst das Versteck in einem der Arbeiter-Spinde ist nicht wirklich sicher, wenn das Alien erst Fährte aufgenommen hat. Aber dann ist es sowieso meist um einen geschehen. Man kann das Alien nicht töten und es ist schneller.

Alien: Isolation schafft es, alle Fallen des Survival-Horror-Genre gekonnt zu umgehen. Es gibt kaum geskriptete Schockmomente und auch keine ständigen Angriffe von Facehuggern. Alien: Isolation braucht keine billigen Tricks. Das Alien hält sich immer in unserem Bereich der Karte auf, bewegt sich dort nach seinen eigenen Regeln - teilweise auch in Schächten, die für uns nicht zugänglich sind und von denen wir nur die Öffnungen sehen können. Das Biest wird nur durch Sichtkontakt, Bewegung oder Geräusche auf uns aufmerksam.

Das Bewegen auf der Raumstation wird besonders gefährlich und unberechenbar, wenn wir auf die Überlebenden oder Androiden treffen. Denn unsere spärliche Ausrüstung macht fast immer Lärm. Das kann man gegen die Menschen ausspielen, die dann auf grausame Weise zum Opfer des Aliens werden. Aber bei den Androiden funktioniert das nicht - die werden von dem Alien ignoriert, weil sie sich nicht als Brutstätte für den Nachwuchs eignen. Diese gruseligen Androiden mit ihren wächsernen Gesichtern und den rotglimmenden Augen. Die freundlich ihre Warnung aussprechen und dann dann unaufhaltsam die Verfolgung aufnehmen. Mit forschem Schritt - ohne zu rennen - marschieren die Synths in bester Westworld-Manier hinter einem her. Ihr Ziel: den Schädel einzuschlagen.

Alien: Isolation
Sich auf unbekanntem Terrain zu bewegen - in ständiger Angst davor aufgespürt zu werden - ist einfach unfassbar spannend und aufregend.

Improvisieren ist fast unmöglich in diesem Spiel, denn der Zugriff auf die Ausrüstung ist gewollt langsam. Man muss Konflikte vorbereitet angehen. Die wenigen Waffen können zwar noch relativ schnell gezogen werden, doch Schüsse locken meistens sofort das Alien an. Die selbstgebastelte Ausrüstung braucht Vorbereitungszeit und in Gefahrensituation ist wenig Zeit, sich schnell eine heilende Spritze zu setzen und schon gar keine, um die Komponenten dafür zusammenzufügen.

Es helfen einem keine Mini-Map, keine Gegnerumrisse oder Sichtkegel. Nur das Aufrufen der Übersichtskarte pausiert das Geschehen, zeigt die eigene Position, Speicherkonsolen und die Aufgabe. Die Karte zeigt nur, was bereits erkundet wurde, bis wir eine Übersicht über das aktuelle Areal von einem Terminal heruntergeladen haben. Ich habe Alien: Isolation auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad gespielt - das ist die Empfehlung der Entwickler gewesen. So ist das Spiel schwierig und fordernd. Sich auf unbekanntem Terrain zu bewegen - in ständiger Angst davor aufgespürt zu werden - ist einfach unfassbar spannend und aufregend. Selbst eher schlichte Schalterrätsel werden zur gigantischen Aufgabe, wenn man sich nicht frei bewegen kann.

Die riesige Raumstation zu erkunden ist ein großes, nervenzehrendes Abenteuer und ein Spielerlebnis, das ich so noch nie hatte. Das Backtracking ist dezent und wird nur in den letzten zwei Level überstrapaziert. Die sind auch mein einziger Kritikpunkt. Das Spiel hätte - nach wirklich ausreichender Spielzeit - schon längst zu Ende sein können und plötzlich wird vieles künstlich in die Länge gezogen und die geskripteten Momente und Zwischensequenzen häufen sich. Plötzlich sind die Speicherpunkte ungeschickt vor Fahrstuhlfahrten platziert und treiben einen bei diesem Schwierigkeitsgrad in den Wahnsinn.

Alien: Isolation
Insgesamt tragen die Speicherstationen aber viel zu dem großartigen Erlebnis bei.

Das Speicherpunkt-Feature ist sowieso heikel. Man wird beim Speichern vor Gefahr gewarnt - das aber eigentlich immer. Falls alles schief geht, hat man noch Zugriff auf einen älteren Speicherpunkt. Sonst bleibt nur der Level-Neustart. Insgesamt tragen die Speicherstationen aber viel zu dem großartigen Erlebnis bei. Keine lahmen Quicksaves, sondern echte Gefahr. Ich bin auf einige Bugs gestoßen, die es mir zweimal unmöglich gemacht haben, den Level abzuschließen. Das weiß man nur leider nie sofort, weil man in dieser Situation natürlich denkt, man wäre einfach noch nicht auf die Lösung gekommen. Diese Bugs sind Sega aber schon bekannt und es wird an Lösungen gearbeitet.

Diese Fehler und der hohe Schwierigkeitsgrad haben meine Spielzeit zwar in die Länge gezogen und erschweren ein absolutes Urteil, aber Alien: Isolation ist mit Sicherheit kein kurzes Abenteuer. Nach Abschluss der brillanten Kampagne kann man sich im Überlebensmodus gegen das Alien und die Uhr versuchen. In einem abgegrenzten Areal der Raumstation und mit minimaler Ausrüstung müssen Aufgaben erledigt werden, während die Uhr tickt. Geschwindigkeit bedeutet hier höhere Punktzahlen und bringt das Element von Hektik in das nervenzerfetzende Geduldsspiel mit dem Alien.

Alien: Isolation ist ein Spiel, das man so schnell nicht vergessen wird und für mich schon jetzt ein Survival-Klassiker und ein Sci-Fi-Meisterwerk.

Alien: Isolation
Alien: Isolation
Alien: Isolation
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
gigantische Raumstation, nervenaufreibendes und forderndes Gameplay, Spannung auch ohne viel gescriptete Momente, fantastischer Sound
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in den letzten Level unnötige Längen und Mängel, die vorher vermieden wurden
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