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Kritik

Wasteland 2

Eines der erfolgreichsten Kickstarter-Projekte ist schlussendlich veröffentlicht - wird es die Unterstützer glücklich machen?

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Es gibt viel Hintergrundgeschichte zu Wasteland 2, das sicher nicht nur das übliche Sequel ist. Das Original erschien 1988 - später folgten die Seelenverwandten Fallout und Fallout 2, bevor sich Bethesda die Rechte sicherte und die postapokalyptische Reihe in eine etwas andere Richtung steuerte.

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Alle, die mit dem Wechsel von der isometrischen Ansicht zur Egoperspektive nicht einverstanden waren, bekamen also die Gelegenheit, ihr Traumspiel via Kickstarter zu unterstützen, als Brian Fargo und einige andere Entwickler des Originals eine Kampagne für ein Sequel starteten. Und Wasteland 2 war geboren. Nach der erfolgreichen Kickstarter-Kampagne ist das Spiel seit einem Jahr im Early Access via Steam. Jetzt erscheint die finale Version und wir sehen ein für alle Mal sehen, wie sich das klassische Rollenspiel schlägt.

Wasteland 2Wasteland 2
Ein ausgeglichenes Team ist sehr wichtig - und gerade das kann am Anfang für einige Schwierigkeiten sorgen.

Im Großen und Ganzen wurden die Erwartungen erfüllt. Es ist vielleicht nicht der traditionelle Hingucker und einige Orte, die man besucht, sind etwas spärlich anzusehen. Aber insgesamt ist das Rollenspielabenteuer gespickt mit liebevollen Details. Die eigenen Entscheidungen beeinflussen, was man zu sehen bekommt und sorgen für Abwechslung bei erneuten Durchgängen. Das Spiel ist mit seinen zwei großen Abschnitten riesig. Die Spieler starten in der Wüste Nevadas und schlagen sich bis zu den grüneren Gefilden des postapokalyptischen Los Angeles durch.

Wir starten mit einem Team bestehend aus vier Desert-Rangern, das sich aber im Lauf des Spiels zunehmend vergrößert. Ein ausgeglichenes Team ist sehr wichtig - und gerade das kann am Anfang für einige Schwierigkeiten sorgen. Es legt sich aber, wenn man sich die Feinheiten verinnerlicht hat. Die Action findet zum Großteil in Echtzeit statt. Die vom Spieler kontrollierten Einheiten bewegen sich durch die großen Areale, erfüllen Quests, leveln sich auf und gehen den üblichen Aktivitäten eines Rollenspiels nach.

Das Aufleveln der Party ist ein wichtiger Teil des Spiels. Nachdem man genug Erfahrungspunkte gesammelt hat, kann man seine Basis anfunken, um Skillpunkte zu verteilen, die Fähigkeiten der Charaktere zu verbessern oder zu verändern. Beim Levelanstieg wird auch der Gesundheitsbalken aufgefüllt, was strategisch dafür eingesetzt werden kann, Med-Kits zu sparen. Außerdem können Attributpunkte gefunden werden, die das Team noch weiter verbessern. Es dauert nie besonders lange, ausreichend Erfahrungspunkte zu sammeln, um einen Level aufzusteigen. So werden die ständigen, kleinen Entscheidungen darüber, wie man das Team verbessert, gegen Ende ein wenig zur Quälerei.

Wasteland 2
Nach dreißig Stunden Spielzeit nutzen sich die Kämpfe allerdings wirklich langsam ab und manche Begegnungen grenzen schon an Langeweile.

Das gilt auch für das Anlegen und Verbessern der Ausrüstung unserer stetig größer werdenden Gruppe. Jede Figur hat ihre eigenen Präferenzen bezüglich der Waffen und man findet eine Menge Zeug zum Ausrüsten oder Austauschen. Das Management des Inventars braucht eine Menge Zeit. Das mag für manche Musik in den Ohren sein, während andere Spieler eventuell eine etwas stromlinienförmigere Erfahrung bevorzugen würden und sich für das ständige Verändern der Ausrüstung aller Charaktere wenig begeistern können.

Wenn die Gruppe auf Gegner trifft, werden die Kämpfe rundenbasiert ausgetragen. Bei diesen Begegnungen trifft das Team auf Plünderer, Kreaturen und riesige Roboter mit Lasern. Die Kämpfe sind gradlinig - jede Figur hat eine vorgegebene Anzahl von Aktionspunkten für Bewegung oder das Abfeuern und Nachladen der Waffe. In Deckung wird die Verteidigung verstärkt, das ist aber nicht der dynamischste Teil des Spiels. Nach kurzer Zeit erledigt man die Kämpfe wie im Autopilot-Modus. Nach dreißig Stunden Spielzeit nutzen sich die Kämpfe allerdings wirklich langsam ab und manche Begegnungen grenzen schon an Langeweile.

An einigen Stellen ist das Leveldesign etwas unglücklich und zwingt uns dazu, große Gebiete zu durchstreifen, um triviale Aufgaben zu erledigen. Das aber ist insgesamt eher ein kleineres Problem und die Wegfindungsroutine der Charaktere ist sonst gut gelungen. Auch die NPC-Teammitglieder finden sich ganz gut zurecht ohne ständiges Eingreifen. Man kann den Bildausschnitt über einem Teammitglied zentrieren - falls doch mal jemand verloren geht - aber man kann leider keine eigenen Wegpunkte setzen, was einige der frustrierenden Momente auf der Karte erleichtern würde.

Wasteland 2
Wasteland 2 glänzt mit seinem interessanten Setting, den Charakteren und seinem Humor.

Alle Orte sind über eine Weltkarte verbunden. Wasservorräte können an Oasen aufgestockt werden, während man verstrahlte Areale besser meidet. Gegner durchstreifen die Wüste und lösen Kämpfe in kleineren Umgebungen aus. Die Minikarten, auf denen diese Begegnungen stattfinden, werden oft recycelt, können aber mit den richtigen Fähigkeiten eines Teammitglieds vermieden werden, wenn man das möchte.

Wasteland 2 glänzt mit seinem interessanten Setting, den Charakteren und seinem Humor. NPCs mit bescheuerten Namen oder obskure Referenzen sorgen für Schmunzeln. Es ist einfach sichtbar viel Wert darauf gelegt worden, das Publikum zu begeistern. Der Humor fängt mit dem Startbildschirm an und ist in jeder Facette des Spiels zu finden. Die Geschichte, die alles zusammenhält, ist interessant genug, aber die Nebenquests und die Ereignisse am Rande der Reise regen die Phantasie am meisten an.

Die Synchronisation ist gut gemacht und die Dialoge gut geschrieben. Bestimmte Charaktere mit den richtigen Fähigkeiten schalten neue Dialogoptionen frei. Die Bilder der Charaktere werden teilweise mehrfach benutzt - insbesondere bei unwichtigen NPCs - aber die Dialoge haben genug Persönlichkeit, das wieder wett zu machen. Der verspielte Sinn für Humor lockert all die Gewalt und Barbarei des Spiels angenehm auf. Es ist die Fülle der Welt, die möglichen Entscheidungen und der Humor, mit dem dies alles präsentiert wird, das uns begeistert hat. Manchmal verliert Wasteland 2 etwas an Tempo, das ist bei dieser Größe aber auch zu erwarten. Unterm Strich ein fesselndes und packendes Rollenspiel, dass wohl jeder Fans gerne unterstützt hat.

Wasteland 2
Wasteland 2
Wasteland 2
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
einnehmende Spielwelt, viele Wahlmöglichkeiten, hoher Wiederspielwert
-
monotones Kämpfen, bisweilen stupides Leveln, nerviges Management der Ausrüstung
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