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Kritik

Murasaki Baby

Ein feines Indie-Abenteuer, dunkel und liebenswert, um das Vita-Angebot an künstlerischen und eigenständigen Games zu erweitern.

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Murasaki Baby fällt es leicht, auf sich aufmerksam zu machen. Das Spiel sticht einfach heraus. Vielleicht anfangs wegen seiner Exklusivität auf der PS Vita oder weil es Massimo Guarini gemacht hat, der Producer von Shadows of the Damned. Auf jeden Fall darf man im September endlich mal wieder die PS Vita entstauben. Ja, man sollte das sogar unbedingt tun!

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Der italienische Entwickler von Murasaki Baby arbeitet schon lange in der Spieleindustrie, die Höhepunkte sind sicher seinen Arbeiten mit Suda51 und Shinji Mikami. Daher ist es fast normal, dass viele Augen auf das erste Ding als unabhängiger Entwickler schauen, das jenseits eines großen Labels entstanden ist. Guarini ist nicht der erste große Name, der auf eigene Faust loslegt und der Vita landet. Wir haben gesehen, wie gut es Inafune mit Soul Sacrifice ergangen ist. Und auch dem Neuling Ovosonico ist es gelungen, dem erstgeborenen Spiel reichlich Charisma zu verleihen.

Murasaki BabyMurasaki Baby
Unsere kleine Heldin erwacht allein in ihrem Zimmer, wir müssen sie buchstäblich an der Hand begleiten, um sie zurück in die Arme ihrer Mutter zu bringen.

Murasaki Baby erzählt die Geschichte von Baby. Unsere kleine Heldin erwacht allein in ihrem Zimmer, wir müssen sie buchstäblich an der Hand begleiten, um sie zurück in die Arme ihrer Mutter zu bringen. Doch da wartet vorher ein Weg voller Hindernisse und gespickt mit vielen Fremden. Das Spiel ist als eine Art horizontaler Plattformer gedacht, aber viel ruhiger und sauberer konzipiert im Hinblick auf die zu überwindenden Hindernisse. Klar, es gibt oben und unten, vor und zurück. Aber vor allem zählt es, kleine Rätsel zu lösen, die vor uns erscheinen. Um dies zu tun, hat Baby verschiedene "Kräfte" zur Verfügung, um die Hindernisse zu überwinden. Das erinnert manchmal etwas an Quantum Conundrum, um mal einen Vergleich zu bemühen. Das Ziel ist es, Baby und ihren Ballon sicher in den nächsten Bereich zu geleiten. Das kann kompliziert werden, auch weil Baby oft unfreiwillig mit den Elementen des Levels interagiert.

Ovosonicos Werk ist speziell auf die Vorteile der PS Vita ausgerichtet. Im Grunde werden dabei sogar die üblichen Steuerungsschemata völlig ignoriert. Es wird voll auf eine Spielsteuerung über die beiden Touchscreens und Bewegungen gesetzt - eine kluge Wahl, da einen das Abenteuer so stärker involviert. Man nimmt viel direkter am Spiel teil und fühlt stärker, was in ihm passiert. Baby reagiert ständig auf die Art, wie wir sie bewegen. Sie schaut sogar hin und wieder aktiv nach uns, nur ein kleiner Effekt, der aber die vierte Wand im Handstreich einreißt.

In einigen Fällen jedoch ist die Art der Steuerung nicht wirklich ergonomisch. Mehr als einmal muss man gleichzeitige Aktionen durchführen oder alternativ mit einem anspruchsvollen Timing bestehen. Für diese Aktionen muss man zum Beispiel die Finger über den hinteren Touchscreen streichen, dann die Vita kippen und danach auf dem vorderen Touchscreen weitermachen. Das führt mehr als einmal zu größeren Problemen. Mit anderen Worten: Die wahre Schwierigkeit des Spiels liegt darin, es überhaupt zu spielen. Wenn jede Aktion mit traditioneller Buttonsteuerung gelöst worden wäre, Murasaki Baby wäre fast ein Sonntagsspaziergang im sonnigen Park.

Murasaki Baby
Die künstlerische Gestaltung und die Komposition sind zweifellos die wichtigsten Stärken des Spiels.

Die künstlerische Gestaltung und die Komposition sind zweifellos die wichtigsten Stärken des Spiels. Die Welt strahlt eine große Persönlichkeit aus. Sie hat einen etwas unheimlichen Touch, der an Tim Burtons Stil erinnert. Gemeinsam mit der Zärtlichkeit von Baby in jeder ihrer Aktionen ist es dem Team gelungen, eine glaubwürdige Welt für die Story zu erschaffen. Ohne etwas zu verraten ist es natürlich logisch, dass die Reise der kleinen Heldin durch eine seltsame und feindlichen Welt eine klare Symbolik verfolgt. Es ist, als ob Baby die Eierschale durchbricht und alle Gesichter der Welt zum ersten Mal sieht. Was wir sehen und was passiert, es geht fortan Hand in Hand.

Der Sound ist perfekt für jede Situation und jedes Ereignis ausgewählt. Nicht verwunderlich, denn schon in Shadows of the Damned war genau dieses Feature ebenso perfekt umgesetzt. Es zeigt, dass Guarini großen Respekt und Fürsorge für die musikalische Begleitung hegt. Wir empfehlen die Verwendung von Kopfhörern, um den Sound in vollem Umfang zu genießen während des knapp einstündigen Abenteuers. Die Kürze des Spiels ist übrigens bitte nicht als Problem zu sehen, wie jüngst schon Gone Home oder Monument Valley eindrücklich bewiesen haben.

Die optische Qualität von Murasaki Baby wäre makellos, wenn es nicht diesen kleinen, aber ärgerlichen Treppeneffekt an Babys Arm geben würde, jedes Mal wenn sie etwas zieht. Aber jenseits einer solchen Kleinigkeit ist das Spiel eine der schönsten Arbeiten für Sonys Handheld geworden. Mit seinem praktisch nicht existenten Interface ist Murasaki Baby wie dafür gemacht, in eine Welt einzutauchen und voll mit ihr zu verschmelzen.

Murasaki Baby
Murasaki Baby
Murasaki Baby
Murasaki Baby
Murasaki Baby
Murasaki Baby
Murasaki Baby
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
großartige Optik, toller Sound, nuancierte Story, eigenständiges Gameplay
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bisweilen eigentümliche Steuerung, manchmal ungenaue und nervige Kollisionsabfrage
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