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Kritik

Fantasy Life

Was wäre, wenn wir in einer Rollenspielwelt nicht bloß der Held, sondern gleichzeitig Arbeiter und Handwerker wären? Level 5 liefert eine schöne Antwort.

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Einfach nur ein Rollenspiel entwickeln, das kann ja jeder. Was aber, wenn nicht nur mutiger Paladin, weiser Magier, aufmerksamer Jäger und kräftiger Söldner zur Auswahl stehen? Was ist, wenn wir auch Alchemist für die Mana-Tränke oder Waffenschmied sein dürfen? In Fantasy Life ist das möglich.

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Es gibt zwölf verschiedene Berufe, die alle im Zusammenhang mit dem großen Abenteuer stehen. Oder auch zwölf Leben, wie die Berufe in dem Spiel genannt werden. Wir entscheiden uns zu Beginn für einen Weg und unser Meister versorgt uns mit Aufgaben. Wir bereisen das Land, verbessern unsere jeweiligen Fähigkeiten, kommen an bessere Materialien und Werkzeuge. Wir stellen Waren her oder erledigen fiese Monster und kommen so an seltene Gegenstände. Diese verkaufen wir teuer auf dem Markt, um noch besser zu werden.

Fantasy LifeFantasy Life
Es gibt zwölf Berufe, von denen wir uns zu Beginn für einen entscheiden müssen. Später können wir alle ausüben.

Das ist tatsächlich grob vereinfacht der Ablauf des Spiels. Nun könnte man meinen, dass es sich hierbei um zwölf Spiele in einem handelt. Das stimmt aber aus zwei Gründen nicht. Zum einen können wir unseren Beruf quasi jederzeit wechseln, wobei wir erlernte Fähigkeiten behalten und auch als Schreiner noch immer Bäume fällen können, wenn wir das zuvor gelernt haben. Das ist aber auch notwendig, denn alle Berufe sind auf die eine oder andere Art und Weise miteinander verbunden. Und wer in einem Beruf alles erreichen möchte, der muss dazu wohl oder übel auch andere Berufe ausüben.

Der andere Grund, der aus Fantasy Life keine Spielesammlung macht, ist, dass die Berufe nur ein Element von vielen sind - wenn auch ein zentrales. Das eigentliche Spiel bleibt ein Rollenspiel mit normaler Handlung. Dem Land Reveria stehen schwere Zeiten bevor. Verdammnissteine stürzen vom Himmel, ein Zeichen des Untergangs. Wir werden dabei unfreiwillig zum Helden und erleben ein lustiges Abenteuer.

Neben den Aufgaben von unserem Meister, um im Beruf voranzukommen, beschäftigen uns noch zwei weitere Sachen. Uns begleitet auf der Reise ein Schmetterling namens Flatterling. Dieser hat ebenfalls eine Reihe von Aufträgen am Start, die eng mit der Handlung in Verbindung stehen und uns Wonne bescheren. Wonne kann gegen nützliche Boni eingetauscht werden, wozu eine größere Tasche oder ein größeres Angebot bei Händlern gehören. Dazu kommen noch ganz gewöhnliche Missionen von den Bewohnern Reverias. Mal sollen wir bestimmte Gegner eliminieren, ein anderes Mal ist ein Gegenstand herzustellen. Als Belohnung winken Gold, Gegenstände und Erfahrungspunkte. Es ist ein simples und leicht zu überschauendes Questsystem, das uns viel Freiheit lässt.

Fantasy Life
Es lassen sich Teams bilden, um gegen größere Gegner bestehen zu können und es gibt Reittiere, um schneller voranzukommen.

Implementiert wurde außerdem ein Mehrspielermodus. Der ist sowieso immer Teil des Spiels, weil wir unsere Gruppe um ein oder zwei Mitglieder erweitern können. Und wenn wir keinen von Computer gesteuert Freund dabei haben wollen, lässt sich lokal oder über das Internet auch eine Begleitung suchen. Tatsächlich fühlt sich Fantasy Life manchmal so an, als wäre es für eine Onlineerfahrung entwickelt worden. Es gibt einige Geheimnisse und fordernde Dungeons mit knackigen Gegnern, die sicherlich mit menschlicher Unterstützung leichter zu bewältigen sind. Schön ist dabei aber vor allem, dass wir dennoch auch solo voll auf unsere Kosten kommen. Der Onlinemodus ist nur ein Angebot.

Durch die zwölf Berufe und das eben angesprochene Angebot an Herausforderungen bietet dieses Rollenspiel eine überdurchschnittlich hohe Spielzeit. Die eigentliche Handlung lässt sich noch recht schnell abschließen, weil es dafür nicht nötig ist, dass wir mehreren Berufen nachgehen. Genau genommen wäre es sogar besonders schlau, wenn versucht wird, alle Berufe parallel zu erlernen. So lange wir nämlich nicht gelernt haben zu angeln, werden wir auch keinen Fisch aus dem Wasser ziehen - egal wie viele gute Stellen wir dafür auf unser Reise sehen. Aber das ist keinem Anfänger zu empfehlen, weil das Spiel auf diese Weise sehr zäh werden kann.

Level 5 hat aber nicht einfach nur etwas abgeliefert, bei dem alles wunderbar ineinander greift. Und es macht auch noch Spaß. Fantasy Life nimmt sich glücklicherweise an vielen Stellen selbst gar nicht so ernst. Das fängt schon damit an, dass wir als Held fast nichts sagen, sondern eher wie eine stumme Marionette herumstreifen. Im Grunde ist der von uns gesteuerte Charakter ja auch nichts anderes. Ununterbrochen plappert dafür Flatterling. Dazu kommen ein Haufen verrückter Charaktere, die ganz bewusst sehr mit Klischees beladen sind. Immer wieder gibt es kleine Seitenhiebe gegen klassische Konzepte und Inhalte. Allerdings ist das Game keine Parodie. Der Humor lockert vielmehr das recht umfangreiche Repertoire an Spielmechaniken auf.

Fantasy Life
Es gibt einen Haufen verschiedener Aufgaben, die wir erledigen können und einige davon sind richtig fordernd.

Als Schmankerl gibt es Musik von Nobuo Uematsu. Ein paar Ohrwürmer sind dabei und mir fiel positiv auf, dass sich der Ton beim Laufen über verschiedene Oberflächen verändert hat. Für ein 3DS-Spiel ist das nicht immer üblich. Der Komponist für die Musik der Final Fantasy-Reihe hat außerdem für jeden Beruf einen Song geschrieben. Erreichen wir den Status Meister, wird dieser auf japanisch mit deutschen Untertiteln in Form eines Abspanns vorgetragen. Die Texte sind ziemlich skurril und passen zum restlichen Humor des Spiels.

Bei Fantasy Life ist aber nicht alles gelungen. Es gibt die Möglichkeit, eigene Häuser mit selbst gefertigten oder gekauften Möbeln einzurichten. Der Sinn dahinter ist nicht erkennbar. Manchmal werden wir zudem unnötigerweise quer durch die Welt geschickt, nur um dort einen öden Dialog zu führen und wieder zurückzukehren. Außerdem bieten die Berufe keine wirkliche Tiefe, sondern funktionieren alle nach ähnlich gestrickten Mustern. Auch dafür müssen wir vor allem viel durch die Gegend laufen. Gewisse Ermüdungserscheinungen sind aufgrund des Umfangs allerdings ganz normal. Die Mischung aus Final Fantasy, Animal Crossing und Harvest Moon aber ist unterm Strich sehr unterhaltsam und vor allem einzigartig.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
großer Umfang, viele Nebenaufgaben, hübsche Präsentation
-
viel herumlaufen, Mechaniken der Berufe ähneln sich zum Teil sehr
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