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Kritik

Metro Redux

4A Games hat zwei ohnehin sehr gute Spiele mit viel Liebe zum Detail fit für die neue Generation gemacht.

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Next-Gen-Remakes bleiben in Mode: Jetzt sind Metro 2033 und Metro: Last Light an der Reihe. Auf Wunsch entweder einzeln als Downloadspiel für 20 Euro oder im Doppelpack auf Disc. Allein diese Wahlmöglichkeit ist nur eines von vielen durchdachten Details. Die ukrainischen Entwickler von 4A Games haben es sich offensichtlich zum Ziel gesetzt, die Messlatte für derartige Neuveröffentlichungen mit ihrem umfangreich renovierten Paket in die Höhe zu schrauben.

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Inhaltlich basieren die beiden Titel auf dem russischen Sci-Fi-Bestseller Metro 2033 von Dmitry Glukhovsky. Die Erde wurde von einem Atomkrieg zerstört, aber mehrere tausend Menschen konnten im Tunnelsystem der Moskauer Metro überleben. Tatsächlich wurde im kalten Krieg die Arbatsko-Pokrovskaya-Linie als Schutzbunker konzipiert. Nach Jahrzehnten unter der Erde haben sich die Menschen so gut es geht in den U-Bahn-Stationen eingelebt und diese quasi zu kleinen Dörfern gemacht, die untereinander Handel betreiben. Trotzdem sehnen sie sich natürlich nach einer Rückkehr an die Oberfläche.

Metro ReduxMetro Redux
In der post-nuklearen Metro gibt es neben neutralen Stationen auch solche, die in der Hand von militanten Kommunisten oder Nazis sind.

Diesen Wunsch schlachten auch politische Rattenfänger für sich aus. In der post-nuklearen Metro gibt es neben neutralen Stationen auch solche, die in der Hand von militanten Kommunisten oder Nazis sind. Artyom, ein junger Mann und unfreiwilliger Held der Geschichte, gerät jedoch zwischen die Fronten eines ganz anderen Konflikts. Neben den zahlreichen blutgierigen Mutanten, die die Erdoberfläche und einige Tunnel bevölkern, ist nämlich noch eine weitere Macht im Spiel. Diese ist dunkel, mysteriös und fast übersinnlich, denn sie erscheint Artyom zunächst in Visionen. Doch die Bedrohung wird immer realer und gefährdet mit voranschreitender Story sämtliche Bewohner der Metro - und damit die letzte Bastion der Menschheit.

Metro 2033 wurde bei seinem Erscheinen 2010 von vielen Spielern und der Presse als etwas sperrig empfunden. Dabei besaß das Spiel eine ziemlich einzigartige Atmosphäre. Die Folgen eines Atomkrieges wurden glaubhaft dargestellt. Der Einsatz von Gasmasken, Luftfiltern und Geigerzählern erzeugte eine unangenehme Beklemmung, wie sie ein gutes Survival-Horror-Spiel auszeichnet. Auch das ständige Suchen nach der immer knappen Munition, Medizin und Luftfiltern hielten die Spannung auf nervenzerfetzendem Niveau. Vor allem auf dem hohen Schwierigkeitsgrad war das so einnehmend, dass die mäßige Gegner-KI und gelegentlicher technischer Unfug gar nicht mehr so sehr auffielen. Nette Details wie ein Feuerzeug, um Spinnenweben abzubrennen sowie pneumatische Waffen, die ständig per Hand aufgepumpt werden mussten, ließen die Apokalypse noch realer erscheinen als in Fallout 3.

Metro: Last Light kam erst 2013 für PS3 und Xbox360 heraus und ist in vielen Belangen noch besser als sein Vorgänger. Es ist umfangreicher, hat bessere Grafik und flüssigeres Gameplay. Das Team von 4A Games hat sich aber auf diesen soliden Grundlagen nicht ausgeruht, sondern noch einmal kräftig rangeklotzt. Für die Metro Redux-Editionen wurde nicht nur sämtlicher seither veröffentlichter DLC mit beigepackt und die Bildausgabe auf 1080p mit 60 Bildern pro Sekunde erhöht. Nein, es wurden durchgängig neue, überzeugende HD-Texturen bereitgestellt und dazu sogar noch die Polygonzahl der Charaktermodelle erhöht. Außerdem wurden die Maps mit neuen Geometrien und Objekten erweitert. Dazu kommen zahlreiche schicke Effekte wie neue Lens-Flares, realistischerer Nebel und Rauch.

Metro Redux
Für die Redux-Editionen wurde nicht nur sämtlicher seither veröffentlichter DLC mit beigepackt und die Bildausgabe auf 1080p mit 60 Bildern pro Sekunde erhöht.

So verströmen die beiden Titel schon gutes Next-Gen-Flair, auch wenn Metro 2033 grafisch immer noch eine Ecke altbackener daherkommt. Hier fallen auch die teilweise abgehackten Animationen stärker negativ auf. Dafür wurden dem Titel die übersichtlicheren Anzeigen von Metro: Last Light spendiert sowie dessen umfangreicheres Waffenarsenal. Zudem kann man bei beiden Spielen wählen, ob man lieber das Survival-Gameplay von Metro 2033 erleben möchte oder das etwas actionlastigere von Metro: Last Light. In der Praxis macht das keinen wahnsinnigen Unterschied, nur die Ressourcen sind etwas anders verteilt. Da die KI leider kaum spürbar verbessert wurde, ist es aber sowieso empfehlenswert, gleich mit erhöhter Schwierigkeit zu spielen. Sonst kann man selbst, wenn man entdeckt wurde, die anrückenden Speznaz in aller Seelenruhe aus 100 Meter Entfernung mit dem Revolver umschießen. Das relativiert sich im Ranger-Modus, in dem ein einziger gegnerischer Treffer das Ende bedeuten kann. Das erhöht den Puls und passt deutlich besser zum beinharten Szenario.

Auf der PS4 gibt es noch zwei kleine, systemspezifische Gimmicks. Über die Light Bar am Controller lässt sich wie bei Thief erkennen, ob man im Schatten versteckt ist. Und der Lautsprecher am Controller spuckt bestimmte Töne aus - wie zum Beispiel den fiesen Timer, der ertönt, wenn der Filter der Gasmaske verbraucht ist.

Hier wurden jedenfalls zwei ohnehin sehr gute Spiele mit viel Liebe zum Detail fit für die neue Generation gemacht. Das ist absolut vorbildlich, so dass man auch gerne über die kleinen Macken hinweg sieht. Fast schon peinlich ist beispielsweise die Kollisionsabfrage der eigenen Mitstreiter, die gerne einfach mal mitten durch den Spieler laufen. Dazu hätten Beleuchtung und Materialien wie die etwas leblos wirkendenden Gesichter der menschlichen Figuren auch gerne noch stärker verbessert werden können, um wirklich vollends auf dem Niveau von Titeln wie Ryse: Son of Rome oder Infamous: Second Son anzukommen. Wichtiger ist aber natürlich, dass die beiden Titel superspannend sind, dazu gut und abwechslungsreich inszeniert und mit 60 FPS deutlich flüssiger zu spielen als je zuvor. Wirft man jetzt noch den extrem fairen Preis mit in die Waagschale, bleibt einem gar nichts anderes übrig, als von einer neuen Referenz für HD-Remakes zu sprechen.

Metro ReduxMetro Redux
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
geniale Atmosphäre, dicker Umfang, zeitgemäß aufpolierte Grafik mit 1080p und 60 fps, unschlagbarer Preis
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schwache Gegner-Intelligenz, teilweise hakelige Animationen, verbesserungswürdige Kollisionsabfrage
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