BIRDS OF STEEL
Militärische Flugsimulationen mögen etwas trocken sein, aber die Kräfte der Physik sind ein wirklich fordernder Gegner. Der Nachfolger von IL-2 Sturmovik: Birds of Prey führt die Idee einer militärischen Flugsimulation, die auch für Einsteiger noch den richtigen Schwierigkeitsgrad bietet, konsequent weiter.
Großartiges Storytelling oder kinoreife Momente im Stil eines Michael Bay, wie etwa bei der Ace Combat-Reihe, wird man hier vergebens suchen. Aber schließlich weiß man ja auch, wie die Geschichte ausgeht. Der Schauplatz der historischen Kampagne von Birds of Steel ist der Pazifik-Krieg, den wir sowohl aus der Sicht der Amerikaner, als auch der Japaner neu durchleben. Die Luftschlachten von Midway und Guadalcanal werden mit historischen Videoaufnahmen eingeleitet, die sehr ausführlich auf die damalige politische und militärische Situation eingehen. Aber unser Pilot bleibt ohne Gesicht.
Im Gegensatz zum Vorgänger, bedeutet ein Absturz nicht das sofortige Ende der Mission, denn wir nehmen in einer Staffel an der Luftschlacht teil und können zwischen den einzelnen Piloten jederzeit wechseln. Die anderen Piloten unserer Staffel verstehen ihr Geschäft und wir müssen in den einzelnen Missionen nie selbst alle Gegner ausschalten. Meistens genügen schon vier bis fünf Abschüsse für einen erfolgreichen Abschluss, was auch dem Konzept der unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade geschuldet sein dürfte. Denn die drei Stufen, die von vereinfacht über realistisch bis zum Simulationsmodus reichen, unterscheiden sich nicht durch die Anzahl oder die Stärke der Feinde, sondern durch den unterschiedlichen Einsatz physikalischer Gesetze, die zunehmend realistischer werden und so den Schwierigkeitsgrad definieren.
Während man im vereinfachten Modus fröhlich nahezu jedes Flugmanöver absolvieren kann, führen hektische Manöver im realistischen Modus unweigerlich zum Stall, wenn der Luftwiederstand abreißt und die Maschine ins Trudeln gerät. Selbst der Motor kann überhitzen und im Simulationsmodus steht dann nur noch die Cockpit-Perspektive zur Verfügung und wir werden nahezu jeder zusätzlichen taktischen Information beraubt. So wird sehr schnell sogar unser eigenes Flugzeug zum Gegner. Auch taktische Elemente wie der Stand der Sonne oder der Höhenvorteil sind zunehmend wichtiger.
In den Missionen, die erfreulicherweise in relativ kurze Abschnitte gegliedert sind, geben wir Bombern Geleitschutz oder fliegen sie gleich selbst und attackieren feindliche Zerstörer. Oder wir fliegen knapp über der Wasserlinie einen Torpedoangriff. In anderen Situationen müssen wir Bodenziele mit unserem Maschinengewehr ausschalten oder sind in nervenzerfetzende Dogfights verwickelt.
Schnell wird klar, dass Birds of Steel keine spektakulären Zwischensequenzen braucht, um für Spannung zu sorgen, denn wenn man sich erfolgreich gegen die Gesetze der Physik und seine Gegner durchgesetzt hat, wird die anschließende Landung auf einem der Flugzeugträger zu einem wirklich nervenaufreibendem Ereignis. Bloß die Maschine ruhig halten, gerade ausrichten und immer schön Höhe, Winkel und Geschwindigkeit im Auge behalten - und das möglichst mit ausgefahrenem Fahrwerk.
Birds of Steel beinhaltet über hundert Flugzeuge der verschiedenen Nationen, denn neben der Pazifik-Kampagne führen uns die Koop-Missionen, die auch allein gespielt werden dürfen, bis nach Europa. So dürfen wir sogar exotische australische Maschinen fliegen, die ebenso wie alle anderen mit hunderten von Trefferzonen ausgestattet ist, die einzeln Schaden nehmen. Was Forza für Autos ist, bietet Birds of Steel für Flugzeugliebhaber, die ihre Maschinen mit freischaltbaren Aufklebern aufhübschen dürfen und durch das Belohnungssystem immer weiter ihren Hangar mit Maschinen füllen.



