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Kritik

Mass Effect 3

Im bombastischen Finale der Mass Effect-Trilogie sollen wir nun endgültig die Galaxie retten. Serien-Kenner Thomas Blichfeldt hat den Versuch gewagt.

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Die Geschichten der meisten aktuellen Spiel sind furchtbar. Egal, ob es nun geheimnisvolle Morde, Kriege in naher Zukunft oder große Abenteuer sind - kaum ein Spiel bringt die wichtigsten Elemente mit, die man zum Erzählen einer richtig guten Geschichte braucht.

Daraus könnte man schließen, dass Spielentwickler einfach keine guten Geschichtenerzähler sind - aber es gibt Ausnahmen. Bioware ist vielleicht die größte Ausnahme, das wird mir nur Sekunden, nachdem ich Mass Effect 3 gestartet habe, klar. Ein Ladebildschirm, sonst gähnend langweilig, zeigt mir die Normandy - eines der schicksten Schiffe, die jemals gebaut wurden. Es hat mich und meine Crew hunderte Stunden lang quer durch die Galaxie begleitet.

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Wo andere Entwickler stundenlang versuchen, meine Fantasie anzuregen und mich in ihre Spielwelt hineinzuziehen, schafft Bioware dasselbe innerhalb von Sekunden mit der schlichten Animation eines leblosen Objekts. Es ist, als würden die Kanadier einen Schalter in meinem Kopf umlegen. Alte Erinnerungen kommen zurück und ich bin sofort bereit, als John Shepard die Galaxie zu retten.

Mass Effect 3
Das Tolle ist, dass es sich keine Sekunde lang so anfühlt, als wäre man zu dieser Reise vorher schon einmal aufgebrochen.

Mass Effect 3 macht neuen Spielern den Einstieg nicht unbedingt leicht: Ich stecke sofort in Shepards Haut und mitten in der Geschichte. Weil sein Umgang mit der Bedrohung durch die Reaper etwas unorthodox war, wurde Shepard suspendiert. Sein Wissen ist der einzige Grund, warum er nicht weggesperrt wurde. Ein Reaper-Angriff kündigt sich unheilvoll an, aber die meisten an Bord scheinen das lieber ignorieren zu wollen. Es ist ein mutiger Anfang für eine Spielgeschichte, weil er einiges an Erklärung erfordert. Aber es ist auch ein klug ausgedachter Anlass, zum dritten Mal durch den Weltraum zu reisen, um ein Team für den Kampf gegen die realer zusammenzutrommeln.

Das Tolle ist, dass es sich keine Sekunde lang so anfühlt, als wäre man zu dieser Reise vorher schon einmal aufgebrochen. Und ich merke schnell, dass die Zusammenstellung des Teams nur ein kleiner Teil einer weitaus größeren Mission ist, die zum Ziel hat, möglichst alle Rassen der Galaxie im Kampf ums Überleben zu vereinen.

Der Rahmen der Geschichte ist größer als je zuvor, und der Blickwinkel auf sie ist diesmal ein ganz anderer: Während der erste Teil ein Science-Fiction-Märchen mit vielen Überraschungen war und sich das Sequel auf wunderbare Charakterporträts konzentrierte, dreht sich Mass Effect 3 vor allem um Politik, Rassenmerkmale und sogar ein bisschen Religion. Allen Veteranen des Spiels dürften sich über neue Einblicke in das Universum freuen. Neuen Spielern dürfte es hingegen anfangs schwerfallen, in die Geschichte einzusteigen.

Mass Effect 3
Die Vereinfachung der Spielerfahrung ist von Anfang an erkennbar.

Die Spielmechanik wurde wieder einmal überholt. Sie ist einerseits vereinfacht, erlaubt aber gleichzeitig mehr Auswahl und Anpassungen als früher. Anders gesagt: Bioware ist ein großartiger Kompromiss der letzten beiden Teile des Spiels gelungen.

So bietet die Modifikation der eigenen Ausrüstung einige Varianten, aber nicht so überbordend viele wie noch im ersten Teil. Zielfernrohre, panzerbrechende Munition und größere Magazine kann ich in mein Arsenal laden, wo sich ansonsten Pistolen, Tommy Guns, Shotguns und Sturmgewehre finden. Ich muss mich nicht um die Waffen für mein Team kümmern - weil ich nur mein eigenes Arsenal modifizieren kann - aber ich kann die Bewaffnung meines Squads austauschen, wenn ich will.

Die Vereinfachung der Spielerfahrung ist von Anfang an erkennbar: Auf dem Startbildschirm wähle ich aus einer von drei Spieloptionen: Action, Rollenspiel oder Story, drei verschiedene Versionen desselben Spiels. Wenn ich mich für Action entscheide, muss ich mich nur um meine Gegner kümmern - alle anderen Elemente erledigt das Spiel von allein.

Mass Effect 3
Das Kampfsystem ist deutlich verbessert worden - auch wenn der Unterschied zum Vorgänger nicht ganz so enorm ausfällt wie von Teil 1 zu Teil 2.

Mass Effect 3 regelt auf Wunsch auch alle Konversationen, während ich mich auf der Couch zurücklehne und als Zuschauer erlebe, wie sich die Geschichte entwickelt. das ist zunächst etwas seltsam, war doch die Steuerung der Geschichte immer eine der Stärken der Serie, aber die Umsetzung ist gelungen und wird mehr neue Spieler ins Boot holen.

Mass Effect 3
Selten wurde der Untergang einer Galaxie mit einem solchen Nachdruck erzählt.

Das Kampfsystem ist deutlich verbessert worden - auch wenn der Unterschied zum Vorgänger nicht ganz so enorm ausfällt wie von Teil 1 zu Teil 2. In allen Klassen sind die Fähigkeiten besser umgesetzt als zuvor und bieten beim Upload in den Fähigkeitenbaum jetzt außerdem immer zwei Varianten. Ein Beispiel: Ich kann wählen, ob die panzerbrechende Munition mehr Schaden verursacht oder aber alle Leute meiner Einheit Zugang zu ihr bekommen.

Die Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz macht Kämpfe wesentlich interessanter. Meine Gegner können sich jetzt geplant von einer Deckung zur nächsten bewegen und ihre Angriffe an ihre Ausrüstung und Fähigkeiten anpassen. Cerberus-Soldaten mit Schilden werden versuchen, mich aus meiner Deckung zu locken, während Juggernauts eher heimlich versuchen, meine Umgebung in die Luft zu sprengen. Später werden Gegner, deren Identität ich hier nicht verrate, noch weit komplexere Taktiken einsetzen. Taktiken, die wir in der Serie so noch nie gesehen haben. Taktiken, die die Herausforderung des Kampfes auf ungeahnte Level heben.

Natürlich sind nicht alle neuen Features nur gut: Die im Vorfeld gehypten Nahkampf-Attacken und die Granaten sind schlecht umgesetzt und völlig unnötig. Die Granaten sind nie stark genug, egal wie sehr man sie upgradet. Und weil es zu wenige von ihnen gibt, bleibt es ein Rätsel, wie man sie effektiv im Kampf einsetzen soll. Jede Klasse hat Waffen in ihrem Arsenal, die den Granaten weit überlegen sind. Die Nahkampf-Attacken braucht man so gut wie nie, weil es kaum Nahkampf-Momente gibt. Und wenn doch, fällt es dem Spiel schwer, zwischen Feind und Luft zu unterscheiden. So schreit Shepard hin und wieder grundlos das Nichts an - was seinem Bild vom strahlenden galaktischen Retter nicht gut tut.

Mass Effect 3

Aber Mass Effect 3 ist größer als die Summe seiner Teile. Es ist eine epische Science-Fiction-Erfahrung, die mich einsaugt und mit meiner Fantasie auf eine Art Achterbahn fährt wie kaum ein anderes Spiel.

Die Dialoge fühlen sich fast magisch an, weil die Charaktere direkt vor meinen Augen zum Leben erwachen - auch wenn ich weiterhin nicht verstehe, warum ein Typ wie James Vega - ziemlich viele Muskeln und wenig Hirn (scheinbar direkt aus der MTV-Reality-Serie Jersey Shore entsprungen) - ins Spiel integriert wurde. Die Freundschaft zwischen Shepard und Garrus ist etwas Besonderes und sie festigt sich in Szenen, die viele andere Entwickler einfach rausschneiden würden. Aber hier bringen sie uns einfach näher an unsere digitale Mannschaft heran. Näher als wir es je für möglich gehalten hätten.

Ebenso wichtig sind die einfallenden Reaper. Selten wurde der Untergang einer Galaxie mit einem solchen Nachdruck erzählt. Bereits nach ein paar Minuten im Spiel war ich motiviert, alles zu tun, was nötig war, um die widerlichen Roboter auseinanderzunehmen, auch wenn es viele Stunden gedauert hat, bis ich erkannt habe, das meine Bemühungen nicht mehr sind als ein verzweifeltes Himmelfahrtskommando.

Mass Effect 3
Schade: Der Verlauf der Geschichte sorgt dafür, dass all unsere Bemühungen in Mass Effect 2 im Nachhinein wie eine unwichtige Nebenmission wirken.

Mass Effect 3 ist kein perfektes Spiel und selbst der größte Fan der Serie wird kleine Fehler finden. Bestimmte Teile des Kampfes sind nicht besonders gut ausbalanciert und die neuen Charaktere gehören zu den schwächsten der Reihe. Außerdem sorgt der Verlauf der Geschichte dafür, dass all unsere Bemühungen in Mass Effect 2 im Nachhinein wie eine unwichtige Nebenmission wirken.

Trotzdem gehört dieses Spiel zu den wenigen Erfahrungen, von denen ich einfach nicht genug bekommen kann. Ich stürze mich kopfüber in eine Rettungsmission, die im Kampf gegen die Reaper helfen könnte und taste die gesamte Umgebung nach Hinweisen und Geheimnissen ab. Der Bodenbelag auf der Normandy muss komplett verschlissen sein, weil ich so oft die Gänge entlang gelaufen bin, um mich mit meiner Mannschaft über ihre persönlichen Befindlichkeiten zu unterhalten. Ich musste ein paar wirklich schwere Entscheidungen treffen und nicht immer waren sie populär - aber sie machen hoffentlich den Unterschied, wenn es Zeit ist, in die letzte Schlacht zu ziehen.

Bioware hat mit Mass Effect 3 das letzte Kapitel aufgeschlagen, das triumphiert, wo so viele andere beim Finale versagen. Es ist am Ende eine Erfahrung, welche die vorangegangenen Teile sowohl hinsichtlich der Spielmechaniken, aber auch im Bezug auf die Geschichte in den Schatten stellt. In meiner Welt ist Mass Effect die beste Spiele-Trilogie, die je produziert wurde und als bester Teil der Serie ist Mass Effect 3 etwas ganz Besonderes.

Mass Effect 3
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10 Gamereactor Deutschland
10 / 10
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Extrem toll erzählte Story, ausgefeiltes Kampfsystem, brillante Grafik, fetter Sound, würdiger Abschluss der Trilogie
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Neue Charaktere eher farblos, Nahkampf unsinnig

Leserkritiken

  • kriegelAK
    Mass Effect 3 ist der krönende Abschluss der Mass Effect Serie. Es ist ein Third Person Shooter mit Multiplayer als auch Story. Die Grafik ist in... 8/10
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