Binary Domain
Es ist ein schöner Kuss, mit dem das Videospiel endet. Dan Marshall, der amerikanische Held von Binary Domain, umarmt seine Geliebte. Gerade eben hat er sie verteidigt, gegen eine Armee Kampfroboter. Es waren die gleichen Roboter, gegen die er die letzten neun Stunden gekämpft hat auf der Reise vom Untergrund hinein bis in den Himmel eines fiktiven Tokio im Jahr 2080.
Binary Domain wird als Team-Shooter angepriesen, was aber nur insofern stimmt, als dass wir in der Solokampagne als Protagonist gemeinsam mit diversen Gefährten unterwegs ist. Mal zu zweit, maximal aber zu dritt. Wir sollen durch die bewusste Auswahl unseres Teams eine persönliche Beziehung aufbauen, sollen "Vertrauen gewinnen zu den Protagonisten", wie es Masayoshi Kikuchi formulierte bei der Präsentation des Spiels. Theoretisch klingt das ganz gut, nur an der praktischen Umsetzung hapert es.
Theoretisch können wir unsere Mitspieler via Sprachsteuerung (über das Mikro im Headset) mit simplen Kommandos steuern und kurze Dialoge mit ihnen führen, die ihre Meinung über uns beeinflusst. Das geht alternativ auch mit zwei mal Tastendrücken und erfüllt denselben Zweck. Leider sind die Dialoge aber auch so platt gehalten, dass man eigentlich kein Verhältnis zu jemandem aufbauen will durch sie. Und die Auswirkungen auf das Miteinander sind auch kaum spürbar.
Die Spracherkennung klappt in der englischen Originalfassung passabel, in der deutschen Version dagegen werden immer wieder Wörter nicht vernünftig erkannt. Wirklich spielen will man das Spiel in der deutschen Fassung aber ohnehin nicht, denn die Synchronisation haben sie in den Sand gesetzt, die rostigen Blechbüchsen bei Sega in England. In der englischen Originalfassung haben die Sprecher herrliche Dialekte. Es gibt einen affektierten, französischen Roboter, den hochnäsigen britischen Ex-Agenten, eine sympathisch-raue Chinesin und die lauten Amerikaner. In Deutsch klingen sie irgendwie alle nur gleich.
Das ist umso trauriger, als da Binary Domain von der und für die Story lebt. Die Geschichte erzählt von Robotern, Menschen und Hybriden, die nicht wissen, dass sie halb Roboter und halb Mensch sind. Ein klassisch gutes Science-Fiction-Thema, das bis zum Ende hin in schön inszenierten und gut zum Gameplay passenden Zwischensequenzen gezeigt wird.
Um sie zu erleben, muss man sich allerdings durch ziemlich linear konstruierte Level und eine ewige Menge Blechbüchsen (sorry, Originalübersetzung Sega) ballern. Wären da nicht die hübschen und fordernden Kämpfe gegen fette und schick designte Endgegner, man würde sich wohl schnell langweilen oder über sinnlose Actionpassagen wie diese im Jet-Ski aufregen. Die existiert nur, um das Team von A nach B zu bringen und dabei mal was anderes zu machen. Hätte man auch mit einem Aufzug regeln können, allerdings gibt's davon auch zu viele im Spiel.
Um uns bei Laune zu halten, hat Sega ein nettes kleines Upgradesystem eingebaut. Jeder Treffer bringt ein paar Erfahrungspunkte, Kopfschüsse und multiple Kills zählen mehr. Die Punkte dürfen wir dann an den Automaten der Ammunition Transit Japan gegen Munition und Healthpacks oder gegen Upgrades für eine der knapp zwanzig Waffen eintauschen, um deren Feuerkraft, Kapazität, Reichweite, Präzision oder Schussrate zu verbessern. In Nanotechnologie darf auch investiert werden, die unsere Teammitglieder härter und schneller macht. Alles nicht Wildes und große Auswirkungen auf das Spiel hat es irgendwie auch nicht.
Das Gameplay ist dazu zu konventionell. Wer böse ist, stellt fest, dass es eigentlich nur aus wechselseitigem Deckung suchen und ballern besteht, ohne das man oft die Waffe wechselt. Wer's gut meint, nennt das alles actionlastig. Ich kann mich nicht so recht entscheiden.
Einerseits ist das japanisch übertriebene Zershreddern riesiger Stahlspinnen, Roboterhunde und Mech-Motorräder ein großer Spaß, der teils hervorragend inszeniert ist. Anderseits sind die ewig gleichen und extradummen Kanonenfutterblechbüchsen bisweilen eine echte Qual. Dazu nervt es gewaltig, dass die Künstliche Intelligenz der Teammitglieder gelegentlich aussetzt. Dumm ist das etwa dann, wenn sie die von einem selbst just mit gezielten Kopfschüssen manipulierten Roboter (die sich daraufhin gegenseitig erledigen) einfach stumpf ausschalten. Die Roboter kann man übrigens komplett gezielt zerlegen. Selbst große Exemplare lassen sich lahmlegen, indem man ihnen die Stahlknie wegschießt. Sehr praktisch.
Neben den Third-Person-Shooter-Passagen gibt es auch einige Szenen, in denen wir auf oder in Gefährten unterwegs sind und dann - natürlich - ballern müssen. Es wirkt aber alles sehr gewollt. Ob im Auto oder im Zug, immer schießen wir dieselben Gegner vom Himmel oder der Straße. Das eigentlich als integraler Bestandteil verkaufte Pseudo-Koop-Gameplay spielt kaum eine Rolle. Man kauft nicht einmal Upgrades fürs K.I.-Team, weil man meist sowieso als Einzelkämpfer unterwegs ist. Je höher der Schwierigkeitsgrad, umso relevanter wird es allerdings, das Team anständig zu pimpen und etwas strategischer zu spielen. Die Betonung liegt aber auf etwas. Wer will, darf sich noch in einem kleinen Multiplayer austoben, der aber bei einem Spiel wie diesem keine nennenswerte Rolle spielt.
Auch etwas mehr Offenheit hätte der Spielwelt gut getan. Denn beim Thema Erkunden gibt sich Binary Domain verschlossen wie eine erzkatholische Jungfrau. Viele Räume sind nur Dekoration, ein Haufen gar gänzlich verschlossen und man fragt sich, was alles sich dahinter hätte verbergen können. Das ist insbesondere schade, weil der Style der Optik sehr schön ist. Zwar ist vieles echt unscharf im Spiel, aber weil alles so schnell und hektisch geschnitten ist, fällt das tatsächlich nicht weiter auf und ist auch kein Problem.
Das Setting des Spiels ist insgesamt sehr stimmig. Diese wirklich schöne und ernsthafte Geschichte der Roboter, die die Macht übernehmen wollen, indem sie sich selbst reproduzieren, sie funktioniert. Eine Künstliche Intelligenz, die es lernt, Schmerz und Angst zu fühlen, sich real wahrzunehmen. Das ist ein großes Thema für die kommenden Jahrzehnte. Zwar war Deus Ex: Human Revolution hier insgesamt noch etwas besser - aber irgendwie nicht so überzeugend nah dran am Ende. Wann ist ein Mensch ein Mensch und ab wann eine Maschine keine Maschine mehr? Diese Frage stellt Binary Domain und findet eine schöne Antwort mit einem bittersüßen Ende. Sehen muss es jeder selbst - und es lohnt sich. Man muss sich nur durch die ganze stumpfe Action kämpfen. Unterhaltsam ist die Ballerei trotzdem, darum ist es auch eine sehr gute 7/10 - trotz der vielen Schwächen im Detail.
Von: Christian Gaca / GR®22. Februar 2012, 20:42 UhrOb das eine Belohnung ist, muss man am Ende selbst entscheiden. Scheint nämlich alles nur so zu sein, wie es ist ...
Von: Olaf Reimann / GR®22. Februar 2012, 18:45 UhrDas ist ja tröstlich, dass die binären Kreativen endlich mal für das sinnlose stundenlange Rumgeballere, Zerschreddern und Zermetzeln eine Belohnung anbieten. Ich fühlte mich immer ein wenig leer, wenn ich am Ende des letzten Levels alleine in den Sonnenuntergang ging ...
| Grafik: | 8 |
| Spielbarkeit: | 8 |
| Sound: | 7 |
| Suchtfaktor: | 7 |
| Unsere Wertung: | 7/10 |
- System:PS3, Xbox 360
- Genre:Action
- Entwickler:Sega
- Publisher:Sega
- Spieler offline:1
- USK:Ab 18
- Termin:18. Mai 2012
- Devil May Cry 4 Multi
- Ninja Gaiden Xbox
- Remember Me Multi
- Asura's Wrath PS3/Xbox 360
- Bulletstorm Multi
- Heavenly Sword PS3
- Vanquish PS3/Xbox 360
- Star Wars: The Force Unleashed II Multi
- Lost Planet 2 Multi
- Bayonetta PS3/Xbox 360

Nintendo 3DS hat Deutschland im Griff

Echtes Gameplay von Sanctum 2

Senior Designer von EA: "Wii U ist Müll"

Kommt ein Sonic Racing Mario Kart?































































