Kritik

Anno 1404: Venedig

Geschrieben am 8. März 2010
Autor: Michael Hoss

Hurra, hurra, die Erweiterung ist da! Zumindest für Spieler und treue Fans von Anno 1404 gilt dieser Jubelschrei, denn Venedig ruft. Mit dabei: Ein Mehrspielermodus und ein neuer Handelspartner.

Für Solospieler sind zudem einige Kurz-Kampagnen integriert worden. Dennoch: Das Augenmerk der Entwickler lag für Anno 1404: Venedig ganz klar in der Mehrspielerecke.

Und die hat es gewissermaßen in sich. Wer sich noch an den Vorgänger erinnert, der wird es im Hinterkopf haben: Gerade einmal vier Spieler wurden von Anno 1701 unterstützt. Diese Zahl hat sich jetzt verdoppelt. Bis zu acht Spieler bauen in Venedig um die Wette. Schon nach kurzer Zeit dürfte die Mehrzahl der Spieler allerdings feststellen, dass es sich bei diesem Modus um nichts weiter handelt, als um ein typisches Endlosspiel. Jedoch mit dem Unterschied, dass hier Menschen aus Fleisch und Blut und nicht die Künstliche Intelligenz als Gegner dienen.

Schlimm? Nein. Ganz und gar nicht. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Menschliche Gegner haben einfach viel mehr zu bieten, als ein seelenloser Computer. Sie machen richtige und unvorhersehbare Fehler, gehen am Ende ganz anders vor und erfordern von jedem Teilnehmer höchste Konzentration, da auf alle Eigenarten und Entscheidungen eingegangen werden muss. Auch bei den Einstellungsmöglichkeiten gibt es keinen Grund zur Klage. Bündnisse sind kein Problem und inselspezifische Einstellungen können vorab vorgenommen werden. Auch die Stabilität des Netzwerkcodes ist überzeugend. Sollte es doch einmal zum Totalausfall kommen, ist das nicht weiter dramatisch, da Anno 1404: Venedig auch im Mehrspielermodus das Speichern erlaubt. Hat nur ein Spieler den Speicherstand, können alle zuvor anwesenden Mitglieder der Partie wieder problemlos beitreten.

Anno 1404: Venedig
Die Grafik überzeugt auf im Addon, nicht nur an Bord eines venzianischen Handelsschiffes.

Im direkten Unterschied zum Endlosspiel gegen den Computer gibt es aber noch ein weiteres Feature: Ein Chatfenster, in dem sich die Teilnehmer beharken können. Natürlich haben die Entwickler auch noch weitere nette Ideen eingebaut. Durch das Szenario sind jetzt nämlich auch Spione einsetzbar. Diese gab es bereits in Anno 1404, doch tauchten sie dort ausschließlich als Nebenmissionen auf. Damals galt es, eine verdächtige Person auf einer Insel ausfindig zu machen, die dort Spionagearbeiten durchführte. Eben jener Spion kann nun für eigene Zwecke verwendet werden. Natürlich gibt es auch Gegenmittel, etwa Gebäude, die optional getarnt sind und die Spione enttarnen. So wird dem Spion ein wenig seiner Übermacht genommen. Das Fiese: Auch wenn ein Spion gefangen wird, verrät er nicht, wer ihn geschickt hat. Dies sorgte bei mir sogar für Zwietracht zwischen eigentlich im Spiel verbündeten Parteien.

Wer auf solche Reibereien keine Lust hat, der darf auch kooperativ arbeiten. Bei der Eroberung der neuen Welt dürfen sich bis zu vier Teams finden und gemeinsam um das Wohlergehen des Volkes kümmern. Was simpel klingt, erfordert viel Planung und Koordination. Warum? Ganz einfach: Jeder Spieler kümmert sich um alles. Zumindest ist das theoretisch möglich, da jeder Spieler Bauaufträge, Verwaltungsaufgaben und Truppenbewegungen steuern kann. Eine vorherige Aufteilung ist also überaus sinnvoll. Ein Spieler übernimmt die Handelsflotte, einer kümmert sich um den Orient und der Nächste sorgt für das stetige Wachstum der Hauptsiedlung.

Wer hier nicht plant, dem droht das Chaos, denn das Spiel führt grundsätzlich den zuletzt gegebenen Befehl aus. Es kann also vorkommen, dass sich ein Mitspieler in die Handelsrouten der Schiffe einmischt und einen neuen Hafen ansteuern möchte, was zur Folge hat, dass auf der Orientinsel plötzlich die benötigten Rohstoffe fehlen, was wiederum dazu führt, dass die Bewohner unglücklich werden, was schließlich in einem Aufstand endet. Zumindest in Anno 1404: Venedig funktioniert die Chaostheorie also tatsächlich: Kleine Änderungen können die gesamte Spielwelt beeinflussen.

Anno 1404: Venedig
Der Kathedrale ist teuer und macht es für Gegner viel schwieriger, eine Stadt durchs heimliche Einkaufen in die Ratsversammlung zu übernehmen.

Was dem Mehrspielermodus fehlt, das sind Szenarien. Echte Ziele gibt es nicht, was auf Dauer ein wenig monoton ist. Szenarien gibt es nur für Solisten, auch wenn sie nur bedingt für langanhaltenden Spielspaß sorgen. Eine echte Geschichte gibt es nicht, dafür dienen die 15 Szenarien vielfach dazu, bereits bekannte Charaktere näher zu erläutern. Da muss als Korsar ein Imperium per Raubzug errichtet oder aber eine verschwundene Tochter gefunden werden. An anderer Stelle soll der Spieler möglichst viele Bettler in die Stadt holen und trotzdem die Patrizier nicht verärgern. Hier ist zwar sowohl für Anfänger als auch für Profis etwas dabei, doch es wäre einfach mehr drin gewesen. Wie bereits eingangs erwähnt: Das Augenmerk lag eindeutig auf den Mehrspielerpart.

Aber warum hört die Erweiterung eigentlich auf den Namen Venedig? Außer einem neuen Handelsposten gibt es fast keinen Bezug zur italienischen Stadt. Oder etwa doch? Ja. Einen Punkt gibt es noch. Einen, der auch das Spielgeschehen maßgeblich verändert. So wurde in das Addon für jede Insel eine Ratsversammlung integriert. Diese ermöglicht es, eine Insel auch ohne eine Armee einzunehmen. Der Rat einer Insel besteht aus verschiedenen Sitzen, die einzeln mit viel Gold eingekauft werden können. Besitz der Spieler dann die absolute Mehrheit, kann er den Stadtschlüssel erwerben und mit einem Schlag fällt die gesamte Insel in seine Hände.

Ganz so einfach ist dieses Unterfangen natürlich nicht, denn schon ein einziger Ratssitz kostet ein kleines Vermögen und der Schlüssel kostet gleich noch einmal richtig viel mehr. Zumal jedes errichtete Gebäude den Wert erheblich steigert. Wenn dann auch noch ein Kaiserdom errichtet worden ist, darf der Käufer erst recht tief in die Staatskasse greifen. Und auch die wiedereingeführten Paläste (darauf bestanden viele Fans!) steigern die Kosten nicht gerade unerheblich.

Anno 1404: Venedig
Der Orient von oben, nun auch wunderschön begrünt.

Was hat sich sonst noch getan? Nicht viel. Es gibt einige neue Inseltypen. Grüne Orientinseln und eine neue Rieseninsel warten auf ihre Entdeckung. Auch Vulkaninseln haben ihren Weg in das Spiel gefunden. Diese sind zwar äußerst ertragreich, doch kommt es am Ende zum Ausbruch des Vulkans, ist es um die Insel geschehen. Das war es dann aber auch schon. Neue Rohstoffe suchen Fans vergeblich, neue Wirtschaftskreisläufe ebenfalls. Und auf Dauer ist der Umfang der Erweiterung auch nicht wirklich ergiebig.

Grafisch hat sich natürlich auch nicht allzu viel getan. Schön bleibt schön, so lautete vermutlich das Motto. Der Vulkanausbruch ist als spektakuläre, optische Neuerung zu verbuchen - damit hat es sich dann aber auch schon. Auch beim Sound fehlen die großen Sprünge und bei der Bedienung wurde ebenso wenig geändert. Anno bleibt Anno. Aber das war zu erwarten und das wollten die Fans ja auch. Und haben es bekommen. Wer nur im Alleingang die Welt besiedeln möchte, der sollte sich den Kauf von Anno 1404: Venedig noch einmal überlegen. Wer aber mit Freunden gemeinsam an der perfekten Insel tüfteln will, der wird um einen Kauf nicht herumkommen. Auch wenn der Rest fast ein wenig mager im Gesamtbild erscheint.

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Grafik:9
Spielbarkeit:8
Sound:8
Suchtfaktor:8
Unsere Wertung:7/10
Was uns rockt:
Spaßiger, stabiler Multiplayer, die Ratsversammlung
Was uns nervt:
Szenarien nur im Solopart und nur bedingt spannnend
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