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Kritik

Catherine

Catherine mischt Adventure mit Puzzle, fügt dem eine Prise Horror hinzu und schafft dabei trotzdem eine Spielerfahrung, die sich zunächst nur schwer beschreiben lässt. Es geht um den Versuch, über die Bedeutung von Liebe zu sprechen und den Spieler dazu zu bringen, sich selbst damit auseinanderzusetzen. Ziemlich geschickt werden Fragen gestellt, die nicht immer leicht zu beantworteen sind - dabei ist es doch eigentlich nur ein Spiel. Aber je tiefer wir uns mit Vincent Brooks in der komplizierten Geschichte zwischen dessen Langzeit-Freundin Katherine und der jungen, aufregenden Catherine verstricken, desto beängstigender wird die Sache.

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Es gibt wahrscheinlich nichts komplizierteres als die Liebe. Wir sind so sehr auf sie angewiesen, aber können sie doch nicht erklären, wissen ja noch nicht einmal wie sie funktioniert. Es ist daher auch kein Wunder, dass sie zu den liebsten Motiven für Romane, Lieder oder Filme gehört. Und auch Videospiele verwenden dieses Thema immer wieder gern. Atlus nähert sich ihm, aber bearbeitet dafür vor allem den Punkt Männer und Treue. Dabei wird so manche interessante Frage gestreift, mit der sich vermutlich einige schon selbst auseinander gesetzt haben. Welche Erwartungen werden in einer Partnerschaft an uns gestellt und welche haben wir? Ist die Ehe der Beginn oder das Ende des Lebens? Was ist Vertrauen, was Verantwortung? Und was bedeutet es, mit jemanden den Rest seines Lebens verbringen zu wollen?

Vincent Brooks ist 32 Jahre alt, hat einen Job und eine hübsche Freundin. Eigentlich ist alles prima, aber plötzlich scheint alles gegen uns zu spielen. Nicht nur, dass sich unser Herzblatt Katherine mehr Zuwendung wünscht und plötzlich die Themen Heirat und Kinder auf dem Plan stehen - gleichzeitig rückt die unverschämt schöne Catherine in unser Leben. Während wir uns nachts im Stray Sheep, einer gemütlichen Bar, volllaufen lassen, lernen wir sie kennen und offensichtlich auch mögen.

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Eben jener Ausrutscher wirft alles aus der Bahn, denn im Grunde betrügen wir fortan beide Frauen und das kann auf Dauer nicht gut für uns sein. Und so muss der Mann, der glaubte, dass alles für ihn entschieden wird, nun doch eine ganz eigene Meinung entwickeln und sich überlegen, welches Leben er leben will. Mit der einen Katherine oder der anderen Catherine. Oder vielleicht mit keiner von beiden?

Catherine
In neun Kapiteln werden wir an den Rand des Wahnsinns katapultiert. Albträume konfrontieren uns mit unseren Ängsten.

In neun Kapiteln werden wir an den Rand des Wahnsinns katapultiert. Albträume konfrontieren uns mit unseren Ängsten und lassen uns an allem zweifeln, woran wir bisher geglaubt haben. In all diesem Chaos müssen wir einen kühlen Kopf behalten, denn mit dem Auftauchen von Catherine plagen uns nachts besagte gruselige Träume - und die haben es in sich. Vincent muss aus einer Wand von Blöcken eine Treppe bauen, die ihn nach oben bringt - und das schnell, denn unter ihm beginnt es zu bröckeln. Obendrein meinen es nicht alle gut mit ihm. Wir streiten uns mit Schafen, die den Weg nach oben suchen, um den Platz auf dem treppenartigen Gebilde. Dazu gibt es fragile Blöcke, die nur dreimal betreten werden dürfen, Fallen, Bomben und andere Schikanen.

Wir begegnen nachts bei unserem Aufstieg vielen dummen Schafen, die denselben Horror durchleiden müssen wie wir. Manche davon erkennen wir sogar wieder. Und weil das Konzept mit der Konkurrenz so wunderbar funktioniert, gibt es sogar einen netten Multiplayer, in dem wir weiter an unserer Technik feilen können. Im Colosseum können wir nämlich die leicht modifizierten Kletterpartien aus dem Hauptspiel zu Zweit durchspielen und uns miteinander messen. Ein wirklich großartige Idee.

Die Puzzle-Passagen sind verdammt knifflig und ab der Hälfte des Spiels werden es sich sicher bestimmt einige noch einmal überlegen, ob es wirklich nötig ist, sich auf dem normalen Schwierigkeitsgrad zu quälen und auf Leicht herunterschalten. Das wäre ihnen nicht einmal zu verdenken, auch wenn wir in Europa bereits die vereinfachte Fassung vom Spiel bekommen. Atlus musste nämlich in Japan eine Aktualisierung nachschieben, weil sich zu viele Spieler über den Schwierigkeitsgrad beschwert hatten. Und wem das immer doch nicht anspruchsvoll genug ist, darf sich mit Tempo und Geschick auf Gold-Trophäen-Jagd machen und bekommt im Babel-Modus dazu noch superschwere Level nachgeschoben. Catherine steht damit ganz in der Tradition von Dark Souls oder Bayonetta, deren herausforderndes Niveau hierzulande einige als frustrierend bezeichnen.

Catherine
Die Puzzle-Passagen sind verdammt knifflig. Das herausfordernde Niveau werden einige sicher gern als frustrierend bezeichnen.

Nun bleibt die Frage, ob Catherine mehr ein Adventure oder eben mehr ein Puzzler ist. Allerdings nehmen beide Elemente gleichermaßen viel Raum ein, so dass sich das nicht genau auseinander halten lässt. Mancher wird sich vielleicht über die vielen und langen Dialoge und Entscheidungsprozesse aufregen. Ein anderer wird sich entnervt die rätselhaften Klettereinlagen fortwünschen. Aber weil alles so gut ineinander greift, ist es fantastisch und das eine Element würde ohne das andere einfach nicht mehr funktionieren. Wer allerdings die Geduld für beides aufbringt, für den wird es sich lohnen und der wird das Spiel auch mehrmals durchspielen, um alle acht Enden erleben zu können, die sich zwischen den Extremen und den beiden Frauen finden.

Selten hat sich ein Spiel mit so einem ernsten Thema auseinander gesetzt. Bis zum Ende suchen wir Antworten auf Beziehungsfragen und beginnen dabei vielleicht auch ein wenig über unsere eigenen Ansprüche und Ängste nachzudenken. Denn die Furcht unseres Helden, nicht zu wissen, was er tun soll, warum er leiden muss und wer ihn in diese Situation gebracht hat, sie ist bei aller Überspitztheit trotzdem nachvollziehbar. Und wer vielleicht schon die Erfahrung gemacht hat und fremdgegangen ist - wenn auch vielleicht nur im Kopf - der weiß, was für ein schlechtes Gewissen danach folgt.

Und all das wurde verpackt in einem optisch wie inhaltlich ansprechenden Adventure mit wirklich fordernden Puzzle-Passagen. Die Gamebryo-Engine, die unter anderem schon El Shaddai: Ascension of the Metatron angetrieben hat, leistet sehr gute Arbeit und schafft mit den Charakteren von Shigenori Soejima und der Regie von Katsura Hashino einen spielbaren Anime. Wen der japanische Einschlag nicht stört, kann sich nur in Catherine verlieben. In das Spiel wohl gemerkt. Es ist mit Sicherheit eines der aufregendsten des Jahres.

Catherine
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Catherine
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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
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interessante Geschichte, tolle Präsentation, fordernde Puzzle, verschiedene Enden
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englische Sprachausgabe mit Schwächen, auch die Stufe leicht für manche zu fordernd
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