Kritik

Final Fantasy Crystal Chronicles: Crystal Bearers

Geschrieben am 10. Februar 2010
Autor: Love Bolin

Final Fantasy XIII ist in Europa fast am Start, da drängelt sich noch schnell ein Final-Fantasy für die Wii dazwischen.

Final Fantasy XIII ist fast am Start, da kann ein Game wie Final Fantasy Crystal Chronicles: Crystal Bearers für die Nintendo Wii schnell mal in den Strudel der Vergessenheit geraten. Dabei bietet der Titel eine ziemlich anständige Überbrückung der Wartezeit auf die große Fortsetzung der Hauptserie. Die Chronicles-Reihe startete ursprünglich mit einem Multiplayer-Abenteuer auf dem Gamecube. Crystal Bearers dagegen ist ein Einzelspielerding, und so gesehen eher ein klassisches Final Fantasy, der aber doch anders ist. Fangen wir mit den Stärken an.

Crystal Bearers ist hübsch. Manchmal ist die Grafik zwar etwas langsam, und Kopfweh vom Polygonenzählen hab' ich auch nicht bekommen, aber es sieht durchgängig sehr schön aus. Die Umgebungen sind bezaubernd, lebendig und abwechslungsreich. Sogar die Architektur ist interessant. Und die Natur bewegt sich reibungslos von etwas spärlich, fast kontrolliert bis hin zu etwas sehr Üppigem, fast Unwirklichen. Zugegebenermaßen lässt der Mangel an Kommunikationsmöglichkeiten mit den meisten Einwohnern der Welt viele der Gebiete dann wieder eher leblos erscheinen. Aber insgesamt ist es eine wirklich eindrucksvolle Fantasy-Welt, die sich da vor einem entfaltet.

Wie die Welt und seine Einwohner dargestellt sind, ist zweifellos die größte Stärke des Spiels. Crystal Bearers hat den Fokus in der Fantasy gelassen, während die Hauptreihe mittlerweile ein bisschen aus dem Ruder gelaufen ist. Sie ist in einer Art Emo-mäßigem Zustand gelandet, wo eigenartige Mode und große Gefühle die größte Aufmerksamkeit bekommen. Obwohl es auch in Crystal Bearers ein oder zwei doch arg überkandidelte Rüstungen gibt. Aber insgesamt ist das Spiel eher zurückhaltend.

Final Fantasy Crystal Chronicles: Crystal Bearers
Das magische Lasso in Aktion. Die Kämpfe sehen schön aus, nerven leider ungemein.

Im Zentrum der Geschichte steht ein junger Mann mit einer flippigen Frisur, wie das so üblich ist bei Final Fantasy. Dieses Mal ist er ungewöhnlich fröhlich. Er wird nicht durch die große Angst niedergedrückt, unter der viele RPG-Helden bisweilen leiden. Layle ist spontan und manchmal fast ein bisschen rücksichtslos. Deswegen qualifiziert er sich nicht für einen Platz auf der Liste der stereotypen RPG-Helden. Glückwunsch.

Einer der wesentlichen Nervfaktoren des Spiels ist das Gimmick, das sowohl für die Puzzles als auch im Kampf genutzt wird. Layle besitzt unglücklicherweise telekinetische Fähigkeiten und verwendet eine Art magisches Lasso, um mit Gegenständen in seiner Umgebung zu interagieren. Indem wir mit dem Lasso auf Türen zeigen und mit der Wiimote wedeln, öffnet Layle diese. Mit diesem Prinzip erreichen wir auch neue Gebiete, etwa indem mit dem Lasso auf eine Klippe gezielt und dann mit dem Handgelenk geschlackert wird.

Leider wird dieses Lassospielchen ziemlich schnell monoton. Und in den Kämpfen steigert sich die Monotonie dann zu etwas wahnsinnig Anstrengendem. Mit dem Lasso muss nämlich jedes einzelne Ungeheuer anvisiert werden, damit wir es dann schnell hin und her schleudern können bis es stirbt. Strategen werfen Feinde ineinander oder knallen sie gegen Gegenstände in der Umgebung, aber trotzdem wird das alles unglaublich schnell unglaublich langweilig.

Final Fantasy Crystal Chronicles: Crystal Bearers
Gegner können mit dem Lasso durch die Gegend geschleudert werden.

Den Entwicklern muss diese Problematik bewusst gewesen sein. Ungeachtet der Tatsache, dass die Monster aus allen Richtungen angreifen, können wir nämlich einfach an ihnen vorbei laufen. Wer keinen Bock aufs Kämpfen hat, der rennt also einfach weg. Ich jedenfalls flüchtete bald vor der allermeisten Kämpfen. Natürlich bedeutet das, dass Items von besiegten Gegner als Beute ausfallen, aber was soll's. Es gibt ohnehin alles zu kaufen, und Schatztruhen stehen reichlich rum. Das Geld ist jedenfalls nie knapp geworden. Und Hochleveln spielt auch keine Rolle, da es in Crystal Bearers kein traditionelles Erfahrungspunktesystem gibt.

An den allermeisten Kämpfen in einem Rollenspiel vorbeizulaufen, das hat arg blasphemische Züge, allerdings ist Crystal Bearers kein traditionelles RPG. Es werden weder Waffen noch herkömmliche Magie verwendet. Vielmehr treibt die Suche nach verschiedenen Gegenständen, die sich in Ringe und Broschen verwandeln können, die Geschichte vorwärts. Ausrüstung im allgemeinen ist also kein besonders wichtiger Teil des Spiels. Als Resultat lässt sich Crystal Bearers kaum in eine einzelne Genre-Schublade stecken. Zur Hälfte RPG, zur Hälfte des Adventure, vielleicht. Ergänzt von dummen Dialogen, den hübschen Umgebungen und einigen Plattformer-Elementen.

Die ersten Stunden scheint alles im Spiel wie auf Schienen abzulaufen. Aber recht bald wird klar, dass es viele Nebenmissionen gibt. Fischerei, Versteckspiele, Such- und Rettungsaufträge oder Garten-Design sind nur einige der Tätigkeiten, mit denen sich die Zeit totschlagen lässt. Diesen Tätigkeiten widmet man sich leider allzu häufig eher aus Versehen. Das Fehlen einer anständigen Weltkarte erschwert nämlich die Navigation ungemein. Man verläuft sich einfach ständig. Es gibt zwar Verkehrszeichen, aber wenn man vom Chocobo herunterspringt, um sie zu untersuchen, läuft der gefiederte Bastard einfach davon. Crystal Bearers bietet eine große offene Welt - da wären anständige Navigationshilfen toll gewesen.

Ich frage mich, ob die Final Fantasy-Marke eine Last ist, wenn Crystal Bearers eingeordnet werden muss. Die Erwartungen und Anforderungen an ein neues Final Fantasy sind traditionell immens hoch. Vielleicht wäre ein neues Adventure-Rollenspiel einer kritischen Rezension wie dieser entkommen. Zur gleichen Zeit ist da aber stets diese Hochstimmung, sobald ich mit einem Moogle rumhängen oder auf einem gelben Vogel reiten darf.

Crystal Bearers war vielleicht nicht so teuer wie ein neuer Teil der Hauptreihe. Das Spiel ist jedoch viel mehr als nur ein schneller, billiger Versuch, mit Hilfe einer starken Marke Kasse zu machen. Die Spielwelt ist solide, ihre Erforschung eine befriedigende Angelegenheit. Für diejenigen, die nur der Hauptgeschichte folgen und die zudem einen guten Orientierungssinn besitzen, mag das Spiel zu kurz sein. Alle anderen, die mehr sehen wollen und abseits der Wege erforschen, quetschen reichlich mehr aus Crystal Bearers heraus.

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Grafik:8
Spielbarkeit:5
Sound:8
Suchtfaktor:8
Unsere Wertung:7/10
Was uns rockt:
Bezaubernde Umgebungen, schöne Naturszenarien, zahllose Nebenmissionen
Was uns nervt:
Gruseliges Kampfsystem, fehlende Navigation, dümmliche Dialoge
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