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Kritik

Child of Light

Das Rollenspiel mit der kleinen Aurora in der Hauptrolle kommt erschreckend nahe an das Wort perfekt heran.

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Die Waldfrau hat Haare, die wie aus Bächen an ihrem Körper herunterströmen. Umhüllt von zerfetzten Gewändern erzählt sie von einer Aufgabe. Umbra, die böse Schattenhexe, warf diese Welt ins Chaos und nun sollen wir das richten. Ein junges Mädchen mit langen, roten Locken. Auf dem Kopf trägt sie eine Krone, die kleine Aurora. Von vielen wird sie Prinzessin genannt, aber das mag sie gar nicht. Außerdem ist die Krone eine Fälschung. Aber was heißt das schon in einer Welt wie Lemuria - gestrickt aus Magie? Ubisoft Montreal erzählt es in diesem malerischen Märchen mit dem Namen Child of Light.

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Das Königreich von Lemuria ist der Handlungsort dieses epochalen Rollenspiels. Wir übernehmen die Rolle von Aurora, die plötzlich auf einem Altar erwacht. Unser treuester Begleiter ist fortan ein blaues Glühwürmchen, es heißt Igniculus. Beide dürfen gleichzeitig zusammen und getrennt voneinander gesteuert werden und haben natürlich individuelle Fähigkeiten. Während Aurora bereits nach kurzer Zeit haltlos durch die Lüfte schwebt, fallen vor allem ihre überzeugenden Allrounder-Fähigkeiten im Kampf auf. Aber auch ihr Begleiter, der unscheinbare Flammenball Igniculus hat einige interessante Fähigkeiten auf Lager.

Child of LightChild of Light
Die Figuren, durch die wir Auroras Geschichte erleben, sprechen nämlich ausschließlich in Reimen. Dieser heitere Unterton bleibt sogar an vermeintlich traurigen Stellen bestehen.

Vielleicht ist das der Grund, wieso dieser optional über einen zweiten Controller von einem Freund gesteuert werden darf. Es ist nämlich gar nicht so leicht, richtig mit ihm umzugehen. Auf der Oberfläche Lemurias erhellt das Glühwürmchen unsere Umgebung und blendet feindliche Monster, damit wir ungehindert an diesen vorbeihuschen oder ihnen in den Rücken fallen können. Außerdem heilt sein Licht Auroras Verletzungen. Aber es gibt noch mehr Figuren, die uns begleiten. Zum Beispiel die abenteuerlustige Ratte Robert oder das ungleiche Narrenpaar Rubella und Tristis.

Child of Light ist ein wahrhaftiges Gedicht aus Inspiration und Komik. Die Figuren, durch die wir Auroras Geschichte erleben, sprechen nämlich ausschließlich in Reimen. Dieser heitere Unterton bleibt sogar an vermeintlich traurigen Stellen bestehen. Als mir der kleine Zauberer Finn erzählt, wie sein Großvater ihn aus dem Haus warf, musste ich sofort lächeln. All die prachtvollen Landschaften und vor allem ihre niedlichen Bewohner laden zum Schmunzeln ein. Die Figuren nutzen übrigens keine Synchronstimmen. Alles funktioniert über angezeigten Text und das mit Bravour!

Es gibt viele Gegenstände, die wir auf Auroras Reise finden. Zum einem sind das normale Verbrauchsgüter wie Heil- und Manatränke, zum anderen finden wir häufig glitzernde Scherben. Sie stärken unsere Figuren, sind aber keine Ausrüstungsgegenstände im eigentlichen Sinn. Die Oculi genannten Steine geben wir einfach in einen der drei Ausrüstungsslots, um Bonuseffekte wie Elementarangriffe oder mehr Erfahrung zu erhalten. Sie lassen sich sogar miteinander kombinieren, um stärkere Oculi zu erzeugen oder neue Eigenschaften zu entdecken. Für gewonnene Kämpfe bekommen alle Teammitglieder, unabhängig davon, ob sie lebendig sind oder überhaupt am Kampf teilgenommen haben, Erfahrungspunkte. Die beim Stufenaufstieg freigeschalteten Punkte investieren wir in unterschiedlichste Fähigkeiten und weisen den Charakteren dadurch individuelle Rollen zu. Allerdings ist diese Entscheidung unwiderruflich und kann nicht mehr geändert werden.

Child of Light
Das in Rayman Legends erprobte Ubiart Framework liefert ein unerhört betörendes Gesamtkunstwerk.

Das Kampfsystem ähnelt Titeln wie Final Fantasy VII, geht aber erheblich tiefer ins Detail - wenn auch erst auf zweiten, genaueren Blick. Am unteren Bildschirmrand ist eine Zeitleiste, die anzeigt, wann welche Spielfigur an der Reihe ist. Je nach Tempowert durchlaufen die Charaktere diese Anzeige schneller oder langsamer. Im letzten Intervall der Linie beginnt die Vorbereitungszeit. Wird eine Figur in dieser speziellen Phase von einem Angriff getroffen, lenkt das den Akteur ab. Dieser wird dann auf der Zeitleiste zurückgeworfen und muss erneut beginnen.

Außerdem variiert die Dauer, die Aurora und ihre Freunde für das Ausführen bestimmter Techniken benötigen. Mit richtigem Geschick können wir ruhige Phasen für schwere Gruppenangriffe nutzen oder durch schnelle Angriffe Gegner durcheinanderbringen. Wenn dann Igniculus zusätzlich noch Gegner verlangsamt, gelingen sagenhafte Combos und auch unüberwindbare Feinde gehen in die Knie. Denn viele Gefechte sind gar nicht so einfach, wie man es von dem augenscheinlich kindlichen Abenteuer erwartet. Da wir aktiv nur mit zwei Figuren kämpfen, sind wir gegen wilde Kreaturen fast immer in der Unterzahl. Die Truppenmitglieder werden aber untereinander ohne Zeitverzögerung getauscht, sobald ein Mitglied an der Reihe ist. Trotzdem ist das etwas umständlich und erfordert Eingewöhnung. Mit etwas Übung und der richtigen Koordination gelingt dann aber fast jeder Kampf.

Das in Rayman Legends erprobte Ubiart Framework liefert ein unerhört betörendes Gesamtkunstwerk. Es ist nicht übertrieben, wenn man die Konzeption von Child of Light als atemberaubend bezeichnet. Optik und Ton greifen perfekt ineinander und profitieren voneinander. Die Spielwelt schaut wirklich himmlisch aus. Das zweidimensionale Abenteuer mag simpel gestrickt erscheinen, aber wie auch das Kampfsystem hat die Optik ihr eigenes Herz und lebt dadurch. Lemuria schafft es auf den ersten Blick, einen zu verzaubern. Die Gefechte laufen reibungslos ab und das, obwohl es faktisch kaum Ladepausen gibt. Selbst die schwierigen Animationen, wenn Aurora plötzlich die dritte Dimension nutzt, gehen in Ordnung.

Child of Light
Augenscheinlich wurde es für junge Menschen konzipiert, in der Tat ist es jedoch eher ein Spiel für Erwachsene.

Child of Light ist einer dieser wenigen, sicher auch sehr speziellen Titel, bei denen reine Fakten nicht der Hauptbestandteil der Bewertung sind. Nüchtern betrachtet kann das Gameplay sehr einfach beschrieben werden: "Da Aurora fliegen kann, verkommt der 2D-Sidescrolling-Plattformer schnell zur anspruchslosen Erkundungsmission. Die Welt ist ganz hübsch, der Ton minimalistisch und die häufigen Kämpfe funktionieren über das richtige Zeitmanagement. 6/10."

Aber eben so geht das halt nicht immer! Denn Child of Light ist eine wunderschöne Reise in die Seele eines Kindes. Augenscheinlich wurde es für junge Menschen konzipiert, in der Tat ist es jedoch eher ein Spiel für Erwachsene. Wir erleben Abenteuer, haben Spaß und genießen über die komplette Länge dieses Arcade-Titels hinweg die traurig-schöne Geschichte eines liebenswerten Mädchens mit einer bezaubernden Frisur und mächtigen Zauberkräften. Child of Light kommt erschreckend nahe an das Wort perfekt heran. Ohne technische Fehler und mit fabelhafter Erzählweise gelingt das manchmal ganz einfach.

Child of LightChild of LightChild of Light
10 Gamereactor Deutschland
10 / 10
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die kleine Aurora, Igniculus das Glühwürmchen, quasi alle anderen Charaktere, das Königreich Lemuria, grafische und akustische Inszenierung, Reimsprache, forderndes Kampfsystem
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Gesprächsfetzen werden manchmal zu schnell ausgewechselt, Kampf benötigt Eingewöhnung
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