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Kritik

Trials Fusion

Trials geht in die nächste Runde und begeistert mit abwechslungsreichen und vor allem cleveren Strecken. Wir haben uns aufs Bike geschwungen für aberwitzige Stunts.

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Die Explosionen hinter mir dröhnen. Es ist das letzte Aufbäumen eines bedrohlich wummernden Kernkraftwerkes. Das Feuer schlägt mit seinen Funken nach mir und ich spüre die Hitze durch den Helm am Hinterkopf. Glücklicherweise wird die gefährliche Kulisse von einem anderen Geräusch überdeckt: dem atemberaubenden Donnern des Motors meiner Maschine.

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Das komplette Kraftwerk schmilzt seinem Untergang entgegen und ich bahne mir meinen Weg durch das Chaos, während Gebäudeteile herum fliegen. Ich gebe Gas und lehne mich auf meinem Bike nach vorn. Fliege über die Rampe und sofort wird mir klar: Ich habe versagt. Das Motorrad landet mit einem Knall an der Wand und ich sehe die Namen meiner Onlinefreunde an mir vorüber ziehen. Verzweifelt schmettere ich den Controller auf die Couch, atme tief ein und fühle mich bereit, erneut ins Rennen zu starten.

Trials FusionTrials Fusion
Das Erlebnis präsentiert sich als ebenso gut gestaltet, spannend und süchtig machend wie schon bei den Vorgängern.

Trials ist zurück. Diese frustrierende und ebenso süchtig machende Motorrad-Serie, die es trotz simpler Spielmechaniken geschafft hat, seit dem Debüt im Jahr 2000 eine loyale Fangemeinde um sich zu scharen. Jetzt geht es mit Trials Fusion in die nächste Runde - dieses Mal auf der Xbox One und Playstation 4. Das Erlebnis präsentiert sich als ebenso gut gestaltet, spannend und süchtig machend wie schon bei den Vorgängern. Also rein in den Overall, den Helm festzurren und Gas geben!

Entwickler RedLynx arbeitet schon seit vielen Jahren am Trials-Konzept. Das ist vor allem eines: einfach verständlich. Die Strecken werden in 2D und aus einer seitlichen Perspektive gefahren. Wir müssen uns nur Gedanken um vorn oder hinten machen, denn obwohl der Streckenverlauf die Richtung ändert, drücken wir den Controller stets nur in eine der beiden Positionen. Außerdem haben wir die volle Kontrolle über Gas und Bremse, was besonders dann wichtig wird, wenn wir einen unmöglichen Stunt nach dem anderen ausführen.

Auf den Motorrad sitzt auch ein Fahrer. Wir müssen ihn neben den bereits erwähnten Aufgaben perfekt ausbalancieren, indem wir seinen Schwerpunkt verlagern. Die bewährte und beliebte Mathematik hinter diesem 2D-Motorrad-Balancespielchen ist so gut wie immer. Auf ihrem Gebiet waren RedLynx mit der Trials-Serie der Konkurrenz schon immer eine Nasenlänge voraus - und das bleibt auch so. Obwohl das Ausmaß an Mechaniken überschaubar ist, bewundert man ehrfürchtig das clevere und komplexe Level-Design.

Trials Fusion
Während ich Stunde um Stunde im selben Level verbringe, wird es mir nie langweilig, meine eigene Zeit zu schlagen oder nach der Goldmedaille zu greifen.

Die acht Welten von Trials Fusion begeistern mit massenhaft unterschiedlichen Umgebungen, die sowohl in Schwierigkeit wie Komplexität variieren. Es gibt einfach alles von futuristischen Städten bis hin zu düster-tropischen Dschungelgebieten. Die Hindernisse sind speziell auf die jeweilige Welt abgestimmt. Im Dschungel erwarten einen Schlammuntergründe, während neben dem Kraftwerk Pulverfässer lauern. Im Verlauf des Karriere-Modus kommt so nie Langeweile auf.

Dieses Mal müssen wir aber nicht nur die richtige Balance finden. Trials Fusion entführt uns in absurde Gegenden, in denen wir mit und während der Tricks den Fahrer stabil halten und Punkte sammeln müssen - durch gefährliche Stunts, versteht sich. Indem wir den rechten Stick bewegen, führt der Fahrer seine Kunststücke aus, eines verrückter als das andere. Das entspricht zwar der bekannten Formel, wirkt aber befremdlich und funktioniert leider auch nicht immer gut. Das Design selbst ist nicht solide, aber nicht immer präzise und gelegentlich unzusammenhängend. Die Strecken sind schwer, aber glücklicherweise ist das Grunddesign so verdammt gut ausbalanciert, dass die unpräzisen Trick-Mechaniken nicht all zu sehr ins Gewicht fallen oder gar für Frustration sorgen.

Was aber frustriert, der der Fokus auf die Lernfähigkeit der Spieler. Ob durch Unfähigkeit oder einen Unfall, man scheitert immer ein paar Male, bevor eine Strecke bis zur Perfektion gemeistert ist. Das ist natürlich ein Kernaspekt des Designs und ist gleichsam absurd befriedigend wie eben auch frustrierend. Trials Fusion macht süchtig und während ich Stunde um Stunde im selben Level verbringe, wird es mir nie langweilig, meine eigene Zeit zu schlagen oder nach der Goldmedaille zu greifen. Verdienen können wir uns außerdem Punkte und Preise sowie Kostüme und Motorräder. Damit wird das Spielprinzip um ein wenig Tiefe ergänzt. Mehrere Male staunen wir darüber, wie komplex und nuancenreich so ein simples Spiel wie Trials Fusion tatsächlich sein kann - und da beziehe ich mich nur auf die Einzelspieler-Erfahrung.

Trials Fusion
Schlimm ist allein die Musik, deren Monotonie fast unerträglich ist. Hier gibt es kommerziellen Dubstep von der schlimmsten Sorte und dieselben Keyboard-Songs wiederholen sich ständig.

Der Karriere-Modus ist nämlich erst der Anfang. Nachdem die acht Welten bezwungen sind, lüfte ich den Vorhang des großen Mehrspieler-Modus. Wie in Little Big Planet gibt es eine Art Hauptquartier, aus dem heraus wir Zugriff auf selbst gestaltete Level erhalten. Die wurden ausnahmslos mit dem komplexen Strecken-Editor und dessen umfangreicher Auswahl an Loopings, Hindernissen und Rampen erstellt. Mit verfügbaren Settings wie Gravitation können wir nur davon träumen, was in Zukunft alles möglich sein wird, wenn sich die Kreativität der Community vollends entfaltet.

Der Strecken-Editor und die unterschiedlichen Welten sorgen für eine unglaubliche Abwechslung im Bezug auf die Spielerfahrung. Einen Beitrag dazu leistet auch die Grafik. Die Farben springen geradezu aus dem Bildschirm und bescheren uns eine großartige Umgebung nach der anderen. Klar, Trials Fusion mag nicht wie viele andere Titel nach Next-Gen schreien, aber die Framerate ist hoch, es ruckelt nie - und das ist doch das Entscheidende bei einem Spiel wie Trials Fusion.

Leider kann man das nicht gerade von der Musik behaupten, deren Monotonie fast unerträglich ist. Hier gibt es kommerziellen Dubstep von der schlimmsten Sorte und dieselben Keyboard-Songs wiederholen sich ständig. Das hat keinen allzu großen Einfluss auf das Spielgeschehen bei den kurzen und spannenden Strecken. Im Editor hingegen, in dem man sich manchmal Stunden aufhalten wird, ist es indes eine echte Qual.

Das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau über Details, denn trotz allem ist Trials Fusion großartig und bietet eine wunderbar ausbalancierte Spielerfahrung. Für einen geringen Preis gibt's eine komplettes Paket mit komplexem Design und nuancenreicher Einfachheit. Allein die acht Welten sind ihr Geld wert, doch erst der ambitionierte Strecken-Editor entfaltet mit unserer Hilfe das volle Potenzial des Titels.

Trials Fusion
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
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Einfache Spielmechaniken, komplexes und nuancenreiches Leveldesign, fantastischer Strecken-Editor
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Lahme Musik, neue Trick-Technik gelegentlich unpräzise
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