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Kritik

Trials Frontier

Ubisoft öffnet die Erfolgsserie von RedLynx für den Mobil-Ableger dem Freemium-Modell. Kein guter Move, findet iOS-Obernerd Lee West.

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Trials ist für mich ein gutes Beispiel, wie man Arcade-Feeling und diesen "Eins noch!"-Drang auf Konsolen und PC erzeugen kann. RedLynx haben mit der Serie ein wahres Kleinod erschaffen. Mit Trials Fusion wollen sie bald erneut wahnsinnig aufregende Stunts und Tracks abliefern. Und mit Trials Frontier nehmen sie nun den Mobilsektor in Angriff.

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Das Prinzip ist simpel: Zwei Pfeile auf der linken Seite lassen den Motorradfahrer nach vorne oder hinten lehnen, zwei Pfeile auf der rechten steuern die Geschwindigkeit. Es ist einfach, ohne Schnickschnack - und funktioniert hervorragend. Das war zu erwarten, denn RedLynx hat mit Motoheroz HD bereits auf mobilen Plattformen hervorragend abgeliefert. Und Trials Frontier ähnelt diesem Spiel verflucht. Aber warum auch etwas verändern, wenn es funktioniert? Wir fahren über dunkle Mülldeponien, durch verlassene Städte, staubige Wüsten und andere mehr oder weniger fantasievollen Umgebung auf der Suche nach Ruhm. Es spielt sich echt genau wie Motoheroz HD, nur eben mit einer etwas verbesserten Grafik.

Trials FrontierTrials Frontier
Je wilder die Stunts, desto mehr Geld verdient man.

Natürlich können wir unser rostiges Bike verbessern oder mit erspieltem Geld ein neues kaufen. Ebenso lassen sich eingesammelte Teile zu neuen Upgrades verschmelzen. Es ist die zusätzliche Belohnung dafür, die vielen Strecken mehrmals zu fahren und alles abzugreifen. Wie immer ist die Regel: Je wilder die Stunts, desto mehr Geld verdient man. Aber zerbrochene Brücken und explodierende Fässer machen das zum einen risikoreichen Unterfangen. Es gibt so viele Optionen dafür, dass die Dinge schief gehen. Trotzdem: Es ist so, als würde man Motoheroz HD erneut erleben, nur mit einem Zweirad und ein bisschen trägerer Physikengine. Das muss doch reichen, um das Spiel zu kaufen! Oder etwas nicht?

Aber vielleicht hat sich Motoheroz HD nicht so gut verkauft wie erwartet. Jedenfalls hat Ubisoft dieses Mal entschieden, dass Freemium der Weg ist, den es zu fahren gilt. Es gibt leider auch einfach zu viele Kunden für das Modell. Das Konzept muss insgesamt nicht unbedingt vollständig falsch sein. Aber wenn forcierte Langsamkeit über ein Spiel gestülpt wird, das sich schon immer durch kontinuierliche Gaming-Sessions ohne unnötige Wartezeiten auszeichnete, dann ruiniert so etwas die Spielfreude.

Leider ist genau das bei Trials Frontier der Fall. Es gibt eine Vielzahl von Upgrades, natürlich alle mit Timer, der leicht mal 30 Minuten tickt. Während der Wartezeit kann man natürlich fahren. Also sieben, acht kleinen Rennen machen und den Tank leer fahren. Ist der Sprit alle, sitzt man da und wartet 15 Minuten, bevor man wieder ein Rennen fahren darf. Natürlich werden wir häufig daran erinnert, dass wir kaufen, kaufen, kaufen können, um das Spiel ein bisschen mehr zu genießen.

Trials Frontier
Natürlich werden wir häufig daran erinnert, dass wir kaufen, kaufen, kaufen können, um das Spiel ein bisschen mehr zu genießen.

Es gibt zwei Währungen: Edelsteine und Münzen. Edelsteine geben Sprit, mit Münzen kauft man Upgrades und hebelt die Wartezeit aus. Beides kann ich Paketen von 4,49 Euro bis 89,99 Euro gekauft werden. Mit keinem kann man unbegrenzt lange spielen, obwohl die teuerste Variante einem so viel Spielgeld für einen so großen Tank gibt, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass man irgendwann ein Problem mit Wartezeit bekommt. Aber der Preis dafür ist verrückt...

Wer mit unfreiwilligen Pausen leben kann, empfindet dies meist als einziges Hindernis in einem Freemium-Spiel. Aber leider ist das bei Trials Frontier nicht das einzige, neue Problem. Das ganze Spiel hat einen Freemium-Anstrich bekommen. Es ist mit Dialogfelder zugekleistert, ärgerlich dummen Protagonisten und einer schlimmen Cartoon-Atmosphäre, die so viele von dieser Art Spielen charakterisiert. Und wir reden nicht von ein oder zwei Dialogfeldern. Ich habe bis zu neun von ihnen gezählt, nur um die richtige Strecke auszuwählen.

Also, wie sieht der Regelfall aus, wenn man Trials Frontier zocken will? Man schaltet das Spiel ein, drückt die Dialogbox weg, die eine Verbindung zu Uplay herstellen will - außer natürlich, man hat aufgegeben und ein Konto angelegt, um Ghost-Rennen gegen Freunde zu spielen, die aber natürlich eher im Game Center unterwegs sind. Aber egal. Dann klicken man auf eines der Gebäude auf der Karte, hinter der sich die Missionen verbergen. Dann landet man auf einer Karte, über die die Rennen ausgesucht werden, um danach erneut eine der Missionen zu wählen woraufhin ein neues Feld geöffnet wird , um Start zu drücken. Sofern man genug Treibstoff habt. Klicken, klicken, klicken, klicken. Es ist übrigens ein Beispiel, in dem man nicht noch belanglose Dialoge der unpersönlichen Cartoon-Figuren ertragen muss. Und noch mehr klicken deswegen.

Trials Frontier
Das Spiel ist mit Dialogfelder zugekleistert, ärgerlich dummen Protagonisten und einer schlimmen Cartoon-Atmosphäre.

Wer eine Runde gespielt hat, darf sich danach auf noch mehr Klickfensterchen freuen. Dazu noch ein Glücksrad und eine Benachrichtigung über den Spielfortschritt. Sorry, aber das tötet vollständig diese Präsenz, den Fahrspaß und die Arcade-Atmosphäre, die ein Trials normalerweise durchdringt und so toll macht. Ich hasse den Freemium-Quatsch in diesem Spiel. Nun wird vielleicht der ein oder andere denken, dass diese Kritik sich ein bisschen zu sehr an diesem aufhält. Es ist aber total so gewollt, denn Freemium durchdringt eben die Erfahrung, die man beim Spielen von Trials bekommt. Derweil sitzt das Gameplay schmollend auf dem Rücksitz.

Es ist schön, dass das Spiel kostenlos als Download verfügbar ist. Ich wünschte mir nur, Ubisoft hätte Trials nicht verschenkt. Oder, dass Mobile-Gamer im Schnitt nicht so geizig wären, wodurch sich ein solches Modell überhaupt etablieren kann. Das Freemium-Modell ist einfach zu schwer zu übersehen, wenn zum Beispiel der nächste Konkurrent Bike Baron nur einen Klick entfernt ist und unbegrenzten Spaß bietet. Und dazu einen Streckeneditor. Bike Baron war Nummer eins in 81 Ländern,

Die Frage ist, ob ich Trials Frontier eine 8/10 gebe für die leckere Optik, das solide Gameplay und das reibungslose Management? Oder es fertig mache und den ganzen Mist durch das Freemium-Konzept in den Vordergrund stelle. Trials Frontier kann in der Tat eine Menge Spaß machen. Aber: Wenn es am besten wird, läuft garantiert die Spielzeit aus. Ich habe daher beschlossen, den Mittelweg zu nehmen. Von hier aus kann es die Wertung in beide Richtungen tendieren, das kann und muss dann jeder selbst entscheiden.

Es ist ein lästiger Abschluss, ich weiß. Denn es gibt viel Inhalt verteilt auf eine Vielzahl von Levels, mit endlosen Upgrades und verschiedenen Motorräder. Das Gameplay ist erstklassig und es bringt furchtbar Spaß. Kurz gesagt: Man kann das locker spielen. Ich sage artig danke für das kostenlose und manchmal angenehme Spielerlebnis, bin aber raus. Gutes Gameplay hin oder her, ich spiele lieber weiter Bike Baron, Motoheroz HD oder eben Trials Fusion, das ich dann spielen kann, wenn und wann ich will.

Trials Frontier
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06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
+
Spaßig ins kurzen Sessions, gut gemacht, ein solides Management, sehr schöne Grafik, viele Level
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Freemium-Modell, Wartezeiten, Spritmangel, nervige Charaktere mit zu vielen Dialoge, zu kurze Spielzeit zwischen den Zwangspausen
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