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Kritik

Fable Anniversary

Wir reisen zurück nach Albion in der Jubiläumsausgabe von Fable. Leider endet es wie so oft: Die Erinnerung ist wesentlich schöner als die Realität.

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Für die Entwickler gab es zwei Möglichkeiten, an Fable Anniversary heran zu gehen. Sie hätten das Original nehmen und ihm ein optisches Update verpassen können. Dazu die Mechaniken verbessern und vielleicht auch die Steuerung ein bisschen optimieren können, um das Ganze ein bisschen aufzupeppen. Oder sie hätten tun können, wozu sich Lionhead entschlossen hatte: nämlich nichts von alledem. Wir mussten Fable: The Lost Chapters auf dem PC starten, um sicher zu gehen, dass uns unser Verstand keinen Streich spielt. Denn wir konnten einfach nicht fassen, dass Lionhead wirklich einen Titel abgeliefert hat, der nur sehr, sehr oberflächlich die Anforderungen an eine neue Version erfüllt.

Die erste Verbesserung, die wir hätten feststellen müssen, wäre die Grafik gewesen. Die Xbox 360 ist eine Konsole, die keine Probleme damit haben sollte, das originale Fable abzuspielen - doch weit gefehlt. Beim Bewegen der Kamera zeigen sich schon die ersten Schwierigkeiten. Mitten im Kampf, wenn wir durch die Spielwelt rennen und die Kamera schwenken, wird schnell offenkundig, welche Probleme das Spiel damit hat, sauber zu laufen. Immer wieder kommt es zu Grafiksprüngen. Statt einer Verbesserung, hat sich die technische Seite entscheidend verschlechtert.

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Die Grafik wirkt ausgewaschen und verschwommen. Vielleicht sollen wir so von den kleinen Grafikfehlern abgelenkt werden. Dieser Effekt, gepaart mit starken Lichtquellen wie der Sonne, macht das Sehen fast unmöglich. Fable ist ein Spiel, das sich seinen Namen durch satte Farben und den richtigen Touch Fantasy-Ästhetik gemacht hat. Die Präsentation in Fable Anniversary wirkt trotz höherer Auflösung vergleichweise hässlich und heruntergekommen. Es gibt Probleme mit plötzlich auftauchenden Objekten und Texturen, die Farben sowie das Licht wirken völlig deplatziert.

Fable AnniversaryFable Anniversary
Das Spiel ist zehn Jahre alt und es wird an vielen Stellen deutlich.

Doch lassen wir die Grafik erst einmal beiseite. Das Spiel ist zehn Jahre alt und es wird an vielen Stellen deutlich. Das Menü lieferte einen markanten Beweis für die These. Es ist völlig kompliziert aufgebaut. Das Aufleveln unserer Fähigkeiten, die Ordnung der Items und das Lesen eines Buches - alles wird zum mühsamen Kampf. Menüs müssen intuitiv sein und dürfen den Spieler nicht vor Probleme stellen. Der Fokus soll schließlich auf dem Abenteuer liegen.

In Fable Anniversary suchen wir allein fünf Minuten danach, wo wir die Bücher lesen können, die wir in einer Bibliothek mitgenommen haben. Ebenso große Probleme haben wir damit, das Katana auszurüsten, das wir eben gerade erhalten haben. Nach ein bisschen Suchen stellen wir fest, dass die Items nur in den Schnellmenüs erscheinen, nicht aber im Hauptmenü. Das Problem mit dem Katana scheint ein einfacher Bug zu sein. Als ich das Menü nämlich verlasse und später erneut öffne, ist es plötzlich da.

Das erste Fable offenbarte uns mit seinen einfachen, aber gleichzeitig dynamischen Kämpfen ein System, das nahe an das Action-Genre heran reichte und gleichzeitig zugänglich wie leicht zu meistern war. Wir entwickelten den eigenen Charakter nach Belieben zum Nah-, Fern- oder Magie-Kämpfer. Am Ende war es aber trotzdem möglich, sich in alle Bereiche auszuweiten und so beinahe unverwundbar zu werden. Toll! Dann gab es noch die Wahl zwischen Gut und Böse, Engelchen oder Schurke - und den Konsequenzen, die sich durch diese Entscheidung für unseren Charakter ergaben.

Fable Anniversary
Diese HD-Neuauflage beschmutzt die Erinnerung an einen Titel, der uns eine völlig neue und interessante Spielerfahrung geboten hat.

Spiele vor und nach Fable haben Ähnliches geboten. Aber nur wenige Entwickler konnten diesen Teil der Spielerfahrung, der sowohl die Story wie auch die physische Erscheinung des Charakters beeinflusste, zu einem so wesentlichen Element der Spielerfahrung machen. Gleiches gilt für die Spielwelt, die auf unsere Entscheidungen reagiert.

Zu guter Letzt wollen wir noch auf einige andere Probleme hinweisen, die uns beim Spielen aufgefallen sind. Probleme, die nichts mit dem mysteriösen Geister-Katana zu tun hatten. Fast alle diese kleinen Ärgernisse hingen mit den geschriebenen Dialogen zusammen. Wir begegnen Charakteren, die fast zwei oder drei Sekunden komplett still stehen, bevor sie schließlich anfangen zu sprechen. Das kommt häufig vor. Manchmal erstarren die Figuren auch vollkommen.

Fable Anniversary gelingt es nicht einmal auf dem niedrigsten Niveau, ein echtes Update eines klassischen Fable zu liefern. Es wird kaum jemandem gefallen, der das Original noch nie gespielt hat und, was noch viel schlimmer ist, es beschmutzt die Erinnerung an einen Titel, der uns eine völlig neue und interessante Spielerfahrung geboten hat. Nicht nur technisch müssen wir Abstriche machen. Das Menü-System versucht regelrecht, einen daran zu hindern, auf Gegenstände zuzugreifen. All das macht den Anschein eines schlampigen Schnellschusses, der durch seinen Namen und den Nostalgiefaktor schnelles Geld bringen soll.

05 Gamereactor Deutschland
5 / 10
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Entscheidungen, die wir treffen müssen, faszinieren immer noch, den eigenen Helden zu gestalten, macht noch Spaß
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Menü-System ist furchtbar, viele technische Problemevor allem bei den Gesprächen
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