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Kritik

The Banner Saga

Müsste man das Rollenspiel mit einem Wort zusammenfassen, wäre es: elegant. Dabei überzeugt nicht nur der Grafikstil, sondern auch die erwachsene Story.

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Von dem unglaublich schönen Animationsstil, über das Script bis hin zu den vielschichtigen, rundenbasierten Kämpfen umgibt The Banner Sage eine Eleganz, der man sich nur schwer entziehen kann. Stoic Games haben ein intelligentes und nachdenkliches Rollenspiel erschaffen. Es ist ambitioniert und unterhaltsam - und wir legen es deshalb jedem wärmstens ans Herz. Reichlich Lob vorweg, aber dafür gibt es gute Gründe.

Begrüßt werden wir mit einer schicken Grafik, die über den Startbildschirm flimmert und bis zum letzten Akt des Spiels nichts an Qualität einbüßt. In The Banner Saga einzutauchen, es fühlt sich an, wie einen Disney-Film von 1960 zu spielen. Das Erstaunlichste: Diesen wunderbaren grafischen Flair hat ein Team kreiert, das aus gerade einmal drei Personen besteht.

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Während des ersten Teils der bis zu 15 Stunden dauernden Kampagne übernehmen wir die Kontrolle über zwei Charaktere, versetzen uns in deren Blickwinkel und folgen unterschiedlichen Erzählungen - bis am Ende alles zu einem Finale zusammenläuft. In den einzelnen Kapitel wechseln wir zwischen den Hauptcharakteren und springen dabei auf der Altnordisch-inspirierten Karten hin und her. Immer mit dem Ziel einer uralten Bedrohung auszuweichen, die alles ins Chaos stürzen will.

The Banner SagaThe Banner Saga
Wir führen gleichzeitig eine Karawane samt Reisegruppe durch verschiedene Landschaften einer aufgewühlten Welt.

Doch in welchen Schuhen wir auch stecken, wir führen gleichzeitig eine Karawane samt Reisegruppe durch verschiedene Landschaften einer aufgewühlten Welt. Die Reisegeschwindigkeit ist gering und wird durch den sich mühsam über den Bildschirm voranschiebenden Trupp unserer Gefolgsleute wunderbar verdeutlicht. Das Timing ist aber genau richtig. Nur ein bisschen langsamer, und es wäre eine fürchterlich langweilige Angelegenheit. So vermittelt die Umsetzung aber gut das Verstreichen von Zeit und die Länge der Strecke, die zurück gelegt wird.

Die eine Karawane besteht aus einer Mischung von Menschen und Varl, so nennen sich beeindruckende Giganten mit Hörnern. Wir müssen uns mit verschiedenen Persönlichkeiten auseinandersetzen, die alle ihre eigenen Probleme und Befürchtungen mit sich bringen. So steuern wir einen Charakter namens Hakon, einen Varl, der mitten hinein geworfen wird in seine Autoritätsposition. Verschiedene Figuren bemühen sich um Einfluss - verdeutlicht in den Texten, die wir unter den handgemalten Porträts finden oder in Textblöcken, die aufploppen und sofort eine Reaktion von uns einfordern. In einer anderen Karawane geht es um eine menschlichere Geschichte. Wir schlüpfen in die Rolle des Jägers Rook, dem die Führungsrolle ebenfalls aufgedrängt wurde und der Vorfälle untersucht, die außer Kontrolle geraten sind.

Beide Charaktere übernehmen ihre neue Führungsposition auf Grund von Hauptbösewicht Dredge, der im ersten Kapitel im Fokus steht. Angelegt wurde die Reihe übrigens als Trilogie. Der Dredge ist für die meisten unserer Gegner verantwortlich, mit denen wir es in den rundenbasierten Kämpfen aufnehmen müssen. Dredge zwingt uns immer wieder, Entscheidungen zu treffen, die später im Verlauf der Kampagne auf uns zurückgeworfen werden. Hier zeigt sich der Einfluss, den Bioware auf die Entwickler gehabt hat. Denn die Entscheidungen haben weitreichende Konsequenzen und Fehlentscheidungen werden uns später in den Hintern beißen.

The Banner Saga
Am besten vertraut man seiner Intuition und akzeptiert, dass es den einfachen Weg einfach nicht gibt.

Besonders gut vermittelt das Studio, wie undankbar es sein kann, eine Führungsposition inne zu halten. Oft stehen Hakon und Rook vor Entscheidungen, bei denen es keine richtige Wahl gibt, sondern nur das geringere Übel. Noch häufiger werden wir geradezu subtil dazu getrieben, die falsche Wahl zu treffen - weil Logik und Frustration in unserem Kopf um die Vorherrschaft beim Entscheidungsprozess kämpfen. Ein großer Stressfaktor ist dabei natürlich, dass wir uns um die sorgen, die unter unserem Schutz stehen.

Jede Karawane besteht aus Kämpfern und Stammmitgliedern. Jeder von ihnen muss beschützt und ernährt werden. Die Vorräte sind eine Ressource, die gerade bei einer langen Reise dahinschwindet. Gerade das sorgt immer wieder für Spannungen. Denn wenn uns die Nahrung ausgeht, bevor wir die Vorräte wieder auffüllen können, fangen Mitreisenden an zu verhungern - und die Moral der Karawane sinkt.

Die Zerbrechlichkeit der Menschen beeinflusst jede unserer Entscheidungen. Wenn uns Banditen überfallen, töten wir sie dann? Oder heißen wir sie in der Karawane willkommen, um die Anzahl unserer Kämpfer zu erhöhen - falls Dredge unerwartet auftaucht? Dann müssen allerdings noch mehr Münder gestopft werden und die Vorräte gehen noch schneller zur Neige. Vielleicht lassen wir sie besser einfach ziehen. Doch was, wenn sie Teile unserer Ressourcen klauen, während sie sich davonstehlen? Selten fällt die Antwort leicht. Am besten vertraut man seiner Intuition und akzeptiert, dass es den einfachen Weg einfach nicht gibt.

The Banner Saga
Die Kämpfe selbst sind interessant, könnten aber etwas abwechslungsreicher sein.

Die gewichtigen Entscheidungen und farbenfrohen Charakteren werden ergänzt durch ein interessantes Kampfsystem, das für Abwechslung sorgt und die Erzählung auflockert. Was Anfangs unglaublich schwer wirkt, ist schon nach ein paar Runden einfach. Wir lassen bis zu sechs Charaktere im Kampf antreten. Die wiederum gehören einer von sieben verschiedenen Klassen mit ihren eigenen Spezial-Moves, Stärken und Schwächen an. Über dem Kopf einer jeden Figur thronen zwei Zahlen. Eine steht für Gesundheit UND Schaden, die andere repräsentiert den Verteidigungswert. Bei den meisten Gegnern ist nur der Gesundheits- bzw. Schadenswert interessant. Je niedriger der ist, desto weniger effektiv ist der Charakter. Der Verteidigungswert spielt gerade bei stärkeren Gegnern eine wichtige Rolle.

Es gibt eine interessante Mechanik, die auf der Willenskraft beruht und mit deren Hilfe wir weiter laufen, härter zuschlagen oder Spezialmoves einsetzen. Hat man die Spielmechanik gemeistert, ist sie der sicherste Weg, ein Gefecht für sich zu entscheiden. Charaktere unterschiedlicher Klassen bringen verschiedene Fähigkeiten und Fertigkeiten mit sich, mit denen sich variantenreiche Taktiken umsetzen lassen - umso wichtiger wird das bei schweren Gegnern. In The Banner Saga geht es ordentlich zur Sache und einige Kämpfe sind eine richtige Herausforderung. Zum Glück verzeiht das Spiel viele Fehler. Abgesehen von einer Handvoll Gefechten, die mit der Story verknüpft sind, bedeutet eine Niederlage nicht automatisch das Spielende. Nur der Gesundheitswert sinkt und braucht eine Weile, bis er wieder vollständig regeneriert ist.

Die Kämpfe selbst sind interessant, könnten aber etwas abwechslungsreicher sein. Die Untergründe wurden mit Gitternetzen überzogen, die anzeigen, in welchem Radius sich ein Charakter bewegen kann. Weil wir die Figuren aber lediglich horizontal und vertikal verschieben können, gibt es eigentliche keine Berechtigung für weitere Ebenen. Die einzelnen Gefechte lassen sich bis auf wechselnde Untergründe unter dem Gitter kaum von einander unterscheiden. Wenn es einen Bereich gibt, der verbessert werden könnte, dann wäre es dieser.

The Banner Saga
Neben dem Sound überzeugt vor allem auch der von Austin Wintory komponierte, emotionale Soundtrack.

Der Wechsel zwischen den beiden Erzählsträngen bricht gelegentlich unsere Verbindung zu den Charakteren. Es ist nicht wie bei Mass Effect, wo sich alle auf derselben Abenteuerreise befinden. In The Banner Saga formen wir zwar ebenfalls die Story, erleben sie aber auf eine andere Weise. Es ist eine geteilte Geschichte, in der so viel passiert, dass wir nicht selten von den Geschehnissen verwirrt werden. Beispielsweise gibt es eine Figur, die uns anfangs noch versucht umzubringen. Später ist sie Teil unserer Karawane - aber warum eigentlich? Momente wie diese sind selten, reißen uns aber aus dem Spiel. Sie zwingen uns zur Erinnerung an Momente, von denen wir nicht genau wissen, ob sie überhaupt je passiert sind. Ein weiteres Problem sind die häufig recycelten Elemente - sowohl im Kampf wie auch anderswo. In Anbetracht des kleinen Entwicklerteams verstehen wir auch vollkommen, warum das so ist. Nächstes Mal wäre trotzdem ein bisschen mehr Abwechslung schön.

Alles in allem hat man bis zu 15 Stunden Spaß mit der Kampagne, bei der es eine Menge zu bewundern gibt. Sprachausgabe gibt es nur selten und nur auf Englisch, aber sie ist herausragend. Neben dem Sound überzeugt vor allem auch der von Austin Wintory komponierte, emotionale Soundtrack. Und wir können gar nicht genug betonen, wie schön dieses Spiel aussieht. The Banner Saga ist eines der schönsten Spiele, die wir je gesehen haben.

Die Zeit mit The Banner Saga war toll. Es hat so viel Spaß gemacht, dass ich nach Abschluss der Kampagne gleich einen zweiten Durchlauf starte nur um zu sehen, welche Unterschiede die Entscheidungen auf den Spielverlauf haben. Es ist ein erwachsenes Spiel und genauso nachdenklich wie schön. Wem Rollenspiele oder rundenbasierte Strategie-Titel gefallen, der sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren. Es ist kein Meisterwerk, aber mit einigen Anpassungen und ein wenig mehr Abwechslung könnte es das nächste Mal eines sein. Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Kapitel der wundervoll erzählten Saga.

The Banner Saga
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The Banner Saga
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
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wundervolle Grafik, fesselnde Geschichte, gutes Tempo, interessante Kämpfe, viele Entscheidungsmöglichkeiten
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fehlt Abwechslung bei den Kämpfen, Optik manchmal eintönig
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