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Gadget-Kritik

GC400-ES Alpha Pad

Das Alpha Pad von Nacon Gaming emuliert Maus und Tastatur für den professionellen E-Sport-Bereich. Dabei ist die Software das eigentliche Highlight des Controllers.

Anfang des Jahres habe ich Superhot gespielt, ein kleines, einzigartiges Indieprojekt aus der Feder von Piotr Iwanicki. Das Spiel war zum Release nur auf dem PC spielbar und erschien erst ein paar Wochen später für die Xbox One. Ich musste es deshalb mit Maus und Tastatur spielen, obwohl sich diese Steuerung für mich alles andere als natürlich anfühlt. Iwanicki meinte damals, das Spielerlebnis von Superhot sei nur mit Maus und Tastatur möglich - eine lahme und unbefriedigende Ausrede, wie ich noch heute finde. Jedenfalls hätte ich mir Ende Februar durchaus gewünscht, den minimalistischen Indietitel mit Controller zu erleben, doch das war nicht möglich. Nacon Gaming bringt uns jetzt aber ein Gamepad, das selbst solche Vorgaben überlistet und ein kompetitives Spielerlebnis mit Maus und Tastatur emuliert.

Der GC400-ES von Nacon ist der erste Controller, der Maus und Tastatur in einem professionellen Umfeld simuliert, jedenfalls lautet so der Claim des Herstellers. Im Juni 2016 hat der Controller auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo über 30.000 US-Dollar gesammelt, seit September sind die Auslieferungen im Gange. Als ich das Gamepad ausgepackt habe, ist mir direkt das Gewicht aufgefallen. Nacon hat hier wirklich einen federleichten Controller am Start. Die genaue Zahl habe ich nicht, aber mein Smarthone wiegt definitiv mehr. Obwohl sich bis zu vier Zusatzgewichte (2x 10g, 2x 14g, 2x17g, also maximal 62g) im Controller einlagern lassen, fällt er selbst bei voller Ladung nicht ins Gewicht. Deshalb kann ich mir auch bei extrem langen Spielsessions nicht vorstellen, dass der GC-400ES irgendjemandem jemals zu schwer werden könnte.

GC400-ES Alpha Pad
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Rein optisch erinnert das Alpha Pad an die Xbox-Controller von Microsoft, auch das Tasten-Layout ist ähnlich. Allerdings ist die Verarbeitung bei weitem nicht so gut, das fängt schon bei den Tasten an. Die Trigger gefallen mir aufgrund ihres kantigen Designs hingegen sehr gut, auch den beiden Bumpern kann ich mit ihrem harten Druckpunkt einiges abgewinnen. Allerdings klicken alle vier Schultertasten im Anschlag hohl und bis sich das mechanische Quietschen des Controllers legt, vergeht wohl noch einige Zeit. Die Haptik des Controllers ist leider gar nicht mein Fall. Die Oberfläche des GC-400ES ist mit einer Art Anti-Rutsch-Beschichtung versehen, damit das Teil auch bei schwitzigen Fingern grifffest in der Hand liegt. Allerdings wirkt das Tasterlebnis schlichtweg unangenehm und lässt den Controller insgesamt billig erscheinen.

Ein kleines Highlight des GC400-ES ist die Bewegungsamplitude der Control-Sticks. Die Joysticks sind so lang, dass sich ein Justierungsfeld von insgesamt 46 Grad ergibt. Dadurch ergibt sich ein größerer Raum, der präzisere Eingaben ermöglicht. In der Herstellersoftware lassen sich Ansprechkurve (wie viel Druck ausgeübt werden muss, um die Kamera zu bewegen) und die Totzonen der Sticks (wo sich der Stick befinden muss, um die Bewegung zu stoppen) an die eigenen Vorlieben anpassen. Diese Konfigurationen sind vor allem für die Maus-Emulation bedeutend, doch auch für den einfachen Controller-Gebrauch bringt das Vorteile.

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Das digitale Steuerkreuz ist rund gestaltet worden, um selbst sensible Eingaben zu realisieren und damit wahrscheinlich explizit für Kampfspiele herzuhalten. In diesem Segment lohnt sich der GC-400ES tatsächlich, denn aufgrund des Designs lassen sich diese auf normalen Controllern unglaublich schwer auszuführenden Streichbewegungen solide umsetzen. Allerdings ist die Anwendbarkeit des digitalen Steuerkreuzes bei anderen Genres deutlich weniger hilfreich, da sie schlichtweg unpräzise ist. Das Steuerkreuz ist tief ins Gehäuse eingelassen und bietet keinen richtigen Abschluss, wodurch eindeutige Richtungseingaben schwieriger umzusetzen sind.

GC400-ES Alpha Pad

Anfangs dachte ich, das Alpha Pad würde kein Plug'n'Play nutzen, doch das war ein Irrtum. Das GC400-ES startet fabrikneu im Pro Gamer-Mode, den man zuerst initialisieren muss. Es gibt drei dieser Profile, eines für alte Spiele, eines für moderne Titel und das oben erwähnte Schema zur Emulation von Maus und Tastatur. Dieser Pro Gamer-Modus teilt sich wiederum auf vier Profile auf, die vor Gebrauch eingestellt und auf das Gamepad übertragen werden müssen, damit sie funktionieren. Das ist mitunter eine ziemliche Fummelarbeit. Die drei übergeordneten Controllermodi ändern wir manuell über Tastenkombination auf dem Controller. Auch das ist ein System, mit dem man erst warm werden muss, denn für die Wahl der Unterprofile wird es ebenfalls verwendet.

Um entsprechende Einstellungen vorzunehmen und die Profile anzupassen, benötigen wir eine Spezialsoftware von Nacon Gaming. Komischerweise steht diese nicht zum freien Download bereit und trotz Anmeldung auf der Herstellerwebseite musste ich anschließend länger nach dem richtigen Programm suchen. Mit der Software bin ich aber nicht nur deshalb alles andere als zufrieden, denn der Support von 64-Bit-Systemen lässt zu wünschen übrig, weshalb es zu nervigen Installationsproblemen kommen kann. Zudem ist die Nutzerfreundlichkeit der Anwendung einfach nicht gegeben, Menüpunkte sind unübersichtlich und Erstanwender werden nicht verstehen, wieso der Controller nicht wie gewohnt reagiert. Nachdem alle Profile auf dem Gamepad aktiviert wurden, funktioniert der Controller jedoch auch auf allen anderen aktuellen Windows-Systemen. Der E-Sport-Karriere steht dann quasi nichts mehr im Weg, jedenfalls nichts, was vom Controller abhängt.

Mit einem Kostenpunkt von rund 80 Euro ist das GC-400ES Alpha Pad allein vom Funktionsumfang her eine vergleichbar kontengünstige Investition, allerdings doch deutlich teurer als gängige Konsolen-Controller. Deshalb kommt es stark darauf an, was ihr mit dem Gerät machen wollt und was ihr davon erwartet. Nacon lässt uns den GC-400ES individuell konfigurieren, sogar die Richtungen der Sticks dürfen mit einzelnen Tasten belegt werden. Leider werden Makros gar nicht unterstützt, aber vielleicht wird das noch nachgereicht. Auf der Rückseite des Controllers bietet das Alpha Pad zudem vier Aktionstasten. Eine geflochtene Kabelverkleidung samt Metallverschluss sorgt dafür, dass die physische Schnittstelle zwischen Controller und PC über die Jahre nicht durch einen Kabelbruch unbrauchbar gemacht wird.

Ich spiele sehr viel mit Controller, das liegt einfach in meiner Natur. Deshalb reizen mich die Möglichkeiten des GC400-ES Alpha Pads, einfach alle interaktiven Funktionen des PCs mit dem Gamepad auszuführen. Dass ich mit dem Produkt von Nacon Gaming nicht warm werde, habe ich jedoch schon recht früh festgestellt. Trotz größerem Funktionsumfang und enormen Konfigurationsmöglichkeiten bleibt die Verarbeitung des Geräts weit hinter der des Xbox One-Controllers zurück - und das spielt im Spiel für mich zumindest eine nicht weniger wichtige Rolle.

Wo das GC400-ES Alpha Pad wirklich punktet, ist bei jene Spielen, die keine native Controller-Steuerung erhalten haben. Obwohl das immer weniger Titel werden, tritt dieses Problem noch auf und Nacon bietet uns eine solide Lösung dafür an. Die Aufmachung des Controllers und die wichtige Hersteller-Software hinterlassen keinen bleibenden Eindruck, für den Preis sollte man das allerdings erwarten dürfen. Bei normalen Spielen muss ich deshalb nicht überlegen, zu welchem Controller ich greife. Im direkten Vergleich unterliegt das GC-400ES den etablierten Konkurrenten in vielen Belangen.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
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komplexe Konfiguration für Emulation von Maus und Tastatur, Steuerkreuz ideal für Kampfspiele, preiswerte Alternative für Pro-Controller, Control-Sticks lassen sich individuell feinjustieren
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fummelige Konfiguration, Gehäuse und Tasten wirken billig, Software nicht nutzerfreundlich, keine Makro-Unterstützung
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