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Gadget-Kritik

Steam Controller

Ist das die Zukunft für PC-Spieler? Oder eher so ein halbgares Eingabegerät? Unser PC-Nerd Dóri hat den Steam Controller intensiv in die Hände genommen.

Meine ersten Gedanken als ich endlich den langerwarteten Steam Controller in den Händen gehalten habe war: "Ernsthaft? Das soll's jetzt sein? Dr fühlt sich dann ja soch ein bisschen sehr dick und nach Plastik an und passt sich seltsam der Handfläche an. Er fühlt sich einfach schräg an. Irgendwie anders." Aber nach einer Weile wird mir klar, dass es genau darum geht. Der Steam Controller soll anders sein.

Es ist lange her, dass Valve den Steam Controller im September 2013 angekündigt hat. Das Design wurde seitdem mehrmals überarbeitet, um ihn weniger gewöhnungsbedürftig aussehen zu lassen, als die Konzepte bei der Ankündigung. Er ist ein zentraler Punkt in Valves Plan, die PCs in die Wohnzimmer zu bringen und - neben anderen Dingen - Maus und Tastatur für PC-Games zu emulieren, die keine Controller unterstützen. Und der Controller soll natürlich eine Alternative zum derzeitigen Liebling der PC-Spieler werden: dem Xbox-Controller. Ändert er alles? Ganz bestimmt - und das auf mehr als eine Art. Ist er perfekt. Unglücklicherweise nicht?

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Steam ControllerSteam Controller

Design
Ein Hauptfeature des Controllers sind die zwei haptischen-HD Trackpads, die den größten Teil des Platzes auf der Vorderseite des Controllers einnehmen. Sie können programmiert werden, um Maus, Joystick oder Scroll-Rad zu emulieren. Bei den meisten Spielen dient derzeit das linke Pad als Ersatz für das D-Pad - und das andere als Maus oder Joystick. Die Griffe des Contollers wölben sich nach oben, damit die Daumen im richtigen Winkel stehen und angenehm an die Trackpads gelangen. Selbst nach längerer Spielzeit habe ich keine Ermüdungserscheinungen festgestellt.

Das gilt nicht ganz für den linken Analogstick, der zwar das übliche konkave Gummidesign hat, aber ein bisschen merkwürdig zu erreichen ist. Und es gilt auch für die legendären ABXY-Knöpfe, denn die sind ein bisschen zu klein geraten. Dann wären da noch Start und Back-Buttons und ein Steam-Knopf, der das Steam-Menü aufruft. Alle ebenfalls auf der Vorderseite des Controllers. Auf der Rückseite findet man zwei zweistufige Trigger und zwei Schultertasten, die mit Mittel und Zeigefinger gut zu erreichen sind und angenehm klicken, wenn man sie durchdrückt. Dazu zwei Paddles, so dass das Setup dem gerade erschienenen Xbox Elite Wireless Controller ähnelt. Die Paddles sind Teil der Platte, die man auf Knopfdruck lösen kann, um an das Batteriefach für die zwei AA-Batterien zu gelangen, die nicht über den USB-Port geladen werden können. Die Batterien sollen den Contoller für 80 Stunden mit Strom versorgen. Das kann ich allerdings noch nicht bestätigen, da mir bisher der Saft noch nicht ausgegangen ist.

Im Controller befinden sich ein Gyroskop und Beschleunigungssensoren, damit der Controller auch als Lenkrad dienen kann oder als anderes Eingabegerät (eben auch als Maus). Was wirklich fehlt, ist eine Audio-Buchse für Kopfhörer, ein Feature an das wir uns durch die Controller der aktuellen Konsolen schon sehr gewöhnt haben, insbesondere da es Valve doch auf die Wohnzimmer abgesehen hat. Auc die Rumble-Funktion fehlt, aber die hat sich für mich schon immer nach einem Gimmick angefühlt, das mir nicht wirklich fehlt.

Steam Controller

Performance
Der Steam Controller ist der Traum aller Bastler, kann einen aber ein bisschen überfordern, wenn man einfach nur einstöpseln und loslegen will. Zunächst einmal kann man ganz normal durch Windows und Steam navigieren, nachdem man den kabellosen Bluetooth-Receiver angeschlossen hat. Um mit dem Controller spielen zu können, braucht man Steams Big Picture Modus oder Steam OS. Und: Noch unterstützen nur wenige Spiele den Controller. Alle, die ein Gamepad unterstützen, erkennen den Steam Controller zunächst als Standardgerät. Man kann sofort durchs Ödland ziehen (oder wohin es einen auch immer verschlagen mag), aber um in den vollen Genuss der Möglichkeiten zu kommen, muss man den Steam-Button drücken und die Controller-Optionen anwählen.

Hier zeigt sich dann, wie revolutionär der Steam-Controller wirklich ist - und dass die Anpassungsmöglichkeiten einem Fass ohne Boden gleichen. Man kann es konservativ angehen und eine der drei vorgefertigten Steuerungsmethoden anwählen: Gamepad, Gamepad mit hochpräziser Kamera und Zielfunktion oder Keyboard und Mouse. Eine dieser Optionen wird empfohlen, sollte die nicht wie erwartet funktionieren, kann man sich aus den angepassten Einstellungen anderer Spieler inspirieren lassen.

Immer noch nicht zufrieden? Dann lass die Finger knacken und mach sie für das neuste Meta-Game auf Steam bereit. Es können nicht nur alle Knöpfe frei belegt werden, es gibt einen Turbo-Modus, Mehrfach-Eingaben und Modus-Wechsel. Ein halb gedrückter Trigger kann eine andere Funktion haben als ein voll durchgedrückter und mit der Variabilität der Trackpads und den verschiedenen Feineinstellungen sind die Möglichkeiten schier grenzenlos. Man kann sich sogar vom Gyroskop beim Zielen unterstützen lassen. Manche Möglichkeiten mögen keinen Sinn ergeben, aber wer viel Zeit in die perfekten Einstellungen investiert, stößt vielleicht auf etwas einzigartiges, das die Art zu spielen völlig verändern kann.

Steam Controller
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Die Software des Controller entwickelt sich ständig weiter, sowohl die Firmware als auch der Controller sowie natürlich die Verbesserungen des Big Picture Modus und des Steam OS selbst. Bei meinen Versuchen gab es mehrmals Kompatibilitätsprobleme und nach Auswahl eines Templates hatte keiner der Knöpfe eine Funktion mehr. Aber ein Neustart von Steam und die Probleme waren behoben - trotzdem hat der X360-Dongle einen geplanten Couch-Koop-Abend in eine irritierende Fehlersuche verwandelt.

Das originale Daisywheel-Keyboard des Big Picture Modus füllt den Bildschirm aus und manchmal kann man nicht sehen, was man gerade tippt, aber jetzt gibt es eine brillante neue Option durch den Steam Controller. Das Trackpad wird für jede Seite der Tastatur benutzt und man kann fast so schnell tippen, wie mit zwei fixen Fingern auf einer echten Tastatur.

Der Controller liegt größtenteils gut in der Hand. Im Vergleich zu dem Setup mit zwei Analogsticks, wo man bei längeren Sessions mit schwitzigen Fingern gerne auch mal abrutscht, gibt's keine Probleme mit den Trackpads. Für bestimmte Genres wie etwa Egoshooter muss man sich aber darauf vorbereiten, über Jahre erlernte Reflexe neu zu trainieren. Das passiert aber relativ schnell. In der Testphase war eine Leistungssteigerung nicht zu übersehen und vielleicht bin ich sogar von meiner seltsamen Angewohnheit beim Standardcontroller geheilt, immer sofort die Y-Achse zu invertieren. Bei anderen Genres wie Echtzeitstrategie-Titeln oder Point & Click Adventures fühlt sich indes alles sofort ganz natürlich an, manchmal sogar noch besser als andere Eingabemethoden.

Steam Controller

Ist das genug um unsere jahrelange Erfahrung mit Maus und Tastatur zu ersetzen? Nicht wirklich, aber ich kann mir vorstellen, häufiger auf der Couch zu sitzen anstatt hinter meinem Schreibtisch. Und meine Wirbelsäule wird es mir danken.

Der Steam Controller ist ein solides Stück Technik und verdient ein Platz im Arsenal der Peripheriegeräten. Trotz einiger negativer Punkte wie den kleinen Knöpfen, dem merkwürdig positionierten Analogstick, des fehlenden Audioanschlusses und dem manchmal nervigen Geräusch der haptischen Pads - nach längerer Benutzung gerieten all diese Punkte nahezu in Vergessenheit.

Zusammen mit der Software steht der Controller für alle Dinge, die beim PC-Gaming so schön sind: Wahl, Anpassungmöglichkeiten und Genauigkeit. Die Frage ist nur, ob man die Geduld mitbringt, an den Einstellungen zu drehen und ob man ihm genug Zeit gibt, sich einzugewöhnen. Oder man wartet auf die zweite Generation von Hardware, die sicher irgendwann erscheinen wird. Im Moment ist es jedenfalls noch ein wenig nervig, alles so einzustellen, wie man es sich wünscht. Der Steam Controller ist eine vielversprechende Hardware, um PC-Spiele ins Wohnzimmer zu bringen. Aber das Versprechen, Controller und Keyboard zu ersetzen, wurde noch nicht eingelöst.

08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
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unglaubliche präzise und variantenreiche Eingabemöglichkeiten, stark individualisierbar, kann das Keyboard (manchmal) ersetzen
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eigenartiges Design, keine Audioeingang, keine aktuelle Software
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