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Gadget-Kritik

Anki Overdrive

Eine Rennbahn für alle, die gerne Videospiele zocken und trotzdem was echtes aufbauen wollen im Kinderzimmer. Wir haben Anki Overdrive kurz vorm Verkaufsstart getestet.

Eine Carrera-Bahn wird für immer eine Carrera-Bahn bleiben. Ein wunderbares, mechanisches Rennspielzeug, das schon seit Jahrzehnten kleine und große Menschen begeistert. Aber von hinten rast der Fortschritt heran. Und der hört auf den Namen Anki Overdrive.

Es ist der zweiten Versuch des US-Unternehmens Anki mit der zweiten Produktversion, den etablierten Markt jener Marke zu knacken, die allein durch den Namen gerne mit dem Sportwagenhersteller Porsche in Verbindung gebracht wird. Und es ist ebenso der Versuch für ein Rennbahn-Produkt, reales Spielzeug mit einem Videospiel zu verknüpfen. Anki Overdrive ist sozusagen Skylanders Superchargers als reinrassiges Rennspiel mit Mario Kart-Anleihen. Und es ist ein Heidenspaß, der sofort klick macht und funktioniert. Ich hab' den Karton nach Hause geschleppt und die Kids machen lassen. Die haben kreischend ausgepackt, die coolen Autos bewundert und in 20 Sekunden einen Rundkurs aus acht der zehn Streckenelemente des Starter-Sets zusammengelegt.

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Anki Overdrive
Gesteuert werden die Wagen über eine App (iOS und Android, Crossplattform-tauglich) - und die ist gleichzeitig der Hub für eine Einzelspielerkampagne und Multiplayermodi für bis zu vier Spieler.

Dann noch schnell die Autos auf die Ladestation und maximal zehn Minuten warten, wenn sie ganz leergefahren sind. Danach dann ab dafür. Die Wartezeit kann natürlich nerven, aber der Preis für ein Leben ohne Trafo und Stromanschluss an die Rennbahnschienen wiegt das auf. Man kann die Rennstrecke auf dem Tisch bauen, dem Boden, dem Hochbett oder hinten im Garten. Die Elemente sind flexibel und nach Angaben der Entwickler ziemlich widerstandfähig.

Gesteuert werden die Wagen über eine App (iOS und Android, Crossplattform-tauglich) - und die ist gleichzeitig der Hub für eine Einzelspielerkampagne und Multiplayermodi für bis zu vier Spieler. Denn Anki Overdrive liefert uns quasi ein Videospiel zur Rennbahnerfahrung. Der Multiplayer funktioniert nur, wenn sich zwei bis vier Spieler mit ihren Smartphones die App laden, sich eine Spielfigur anlegen und dann vom Host ins Spiel eingeladen werden. Da jeder Spieler die Autos hochlevelen kann und für erfolgreiche Rennen mit neuen Waffen und Boost-Anbauteilen belohnt wird, kann es hier schnell zu einem ziemlichen Gefälle kommen. Will heißen: Es ist nicht ohne weiteres so, dass man auf einem Niveau unterwegs ist. Wer seinen Wagen per Upgrade mit Boost, weitreichenden Laserwaffen oder Störsendern ausgestattet, ist halt klar im Vorteil gegenüber jemandem, der erst loslegen muss.

Das Fahren macht sofort total Spaß. Das Smartphone dient als Controller, um die Autos zu steuern. Links hat man einen Schieberegler, um die Geschwindigkeit der Wagen zu steuern. Rechts sind jeweils zwei Buttons, um die Waffen und Boost-Items zu nutzen, von denen man je vier unterschiedliche auswählen darf, wenn man sich alle Slots dafür freigespielt hat. Ein Tippen reicht, und das nächste Item ist verfügbar. Ein bisschen wie Mario Kart eben, nur das die Items eben rein virtuell existieren in der App, aber reale Auswirkungen auf die Fahrzeuge auf der Bahn haben. Die werden ausgebremst, drehen sich wie wild oder fliegen komplett ab, wenn sie vom Gegner „getroffen" werden. Es gibt viel Spielmodi: Rennen, Battle, King of the Hill und Zeitrennen.

Anki OverdriveAnki Overdrive
Die Autos sind allesamt von Harald Belker gestaltet, einem bekannten deutschen Automobildesigner.

Das Fahrgefühl selbst ist gut. Man kann die vier Spuren breite Fahrbahn nahtlos nutzen, indem man das Smartphone wie ein Lenkrad dreht. Die Innenbahn bietet natürlich den kürzesten Weg, aber eben auch nur Platz für einen Wagen. Und vorne fahren ist nicht immer der schlauste Weg, dass wissen Funracer-Fans ganz genau. Zu leicht wird man dort abgeschossen. Die kleinen und fast federleichten Autos, die nur von etwas älteren Kinder auch gemeinsam mit den Matchbox-Spielzeugautos bewegt werden sollten, sind quasi High-Tech-Mäuse auf Rädern. Die Fahrzeuge scannen die Strecke mit ihrer eingebauten Kamera 500 Mal in der Sekunde und ermitteln die genaue Position auf der Rennstrecke, die wir völlig frei bauen können. Vor jedem Rennstart fahren die teilnehmenden Rennwagen die Strecke ab und merken sich so ihren Verlauf. Danach fängt der im Auto verbaute Mini-Computer an, die Künstliche Intelligenz zu füttern und lässt die Autos automatisch im Rennen antreten, wenn keine echten Gegenspieler am Start sind.

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Die Autos sind allesamt von Harald Belker gestaltet, einem bekannten deutschen Automobildesigner, der schon lange in den USA lebt und einige ziemlich bekannte Hollywood-Konzeptwagen fürs Kino gestaltet hat, unter anderem für Tron Legacy, Minority Report und Batman. Ich hab den Mann neulich in Berlin getroffen und eine ganze Weile seinen Ausführungen darüber gelauscht, wie relevant und spannend es ist, so kleinen Autos einen eigenen Charakter und eine Seele zu geben, ohne bekannte Marken zu nutzen. Natürlich erinnert vieles zwangsläufig an Lamborghini, Mustang, Bugatti, Hummer & Co. - schließlich hat Belker selbst auch für Porsche und Mercedes-Benz gearbeitet, es ist eher die maximale Verbeugung eines passionierten Automobildesigners.

Der größte Vorteil von Anki Overdrive ist ohne Zweifel der Streckenaufbau. Die Elemente lassen sich einfach aneinanderklicken mit zwei ausreichend starken Magneten. Und trotzdem ebenso leicht wieder auseinanderbauen. Wer sich mit den zusätzlich erhältlichen Streckenteilen eindeckt (was mit 25 Euro pro Set mit je zwei Elementen nicht ganz billig ist), kann sich epische Kurse bauen. Das Starter-Set kostet 179 Euro. Dafür kriegt man zehn Streckenelemente, eine Ladestation für vier Autos und die zwei Rennwagen Groundshock und Skull. Zusätzliche Autos kosten gleich mal satte 60 Euro. Das ist viel Geld, aber eben auch vergleichsweise wenig für die Technik und Einfachheit, die man dafür bekommt. Einziges Problem, das mir immer wieder mal über den Weg lief, war die aus heiterem Himmel abstürzende iOS-App auf meinem iPhone 6. Und wer die Leitplanken nicht dazugekauft hat, fliegen die Autos auch gerne mal unvermittelt ab. Wobei das in Teilen auch zum Konzept gehört, das für mich unterm Strich voll aufgeht. Anki Overdrive ist ein großer Spaß!

Anki Overdrive
Anki Overdrive
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
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einfachster Streckenaufbau ohne Kabel, schicke designte Rennwagen, schlüssiges Konzept, interessante Technologie
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bisschen teuer (insbesondere einzelne Autos), App noch mit Absturzproblemchen,
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