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BLAST

In einem hohen schmalen Raum sitzt ein unfassbar unförmiger Mann. Auf dem schwabbeligen halslosen Körper klebt ein kugelrunder kahler Kopf aus dem eine grotesk geformte dunkel gefärbte Nase ragt. Sie ähnelt mehr einer Wurzel als einer Nase. Es könnte auch eine Knolle sein oder das Geschlechtsteil eines Tieres, das keinen Namen hat, weil es niemand benennen wollte - weil es so abgrundtief hässlich ist.

Der fette Mann sitzt, wie wir erfahren, in einer Zelle. Von außerhalb der Zelle wird er von zwei Flics argwöhnisch belauert. Ihrem Gespräch und den folgenden mit ihrem Vorgesetzten meint man zu entnehmen, dass dieser schrecklich fette Mann ein entsetzliches Verbrechen begangen hat. Es geht um das, „was er Carole angetan hat". Sie wollen ihn „verstehen", „alles" soll herauskommen. Der fette Mann hat damit kein Problem. Bereitwillig erzählt er seine Lebensgeschichte. Und vom „Blast".

Blättert man die ersten Seiten von Manu Larcenets „Blast" um, beschleicht einen dieses dumpfe unbestimmte Gefühl, einen Weg zu betreten, den man nicht gehen will. So muss sich Special Agent Clarice Starling gefühlt haben, als sie sich blind in die nachtschwarze Finsternis des Kellergewölbes von Buffalo Bill hinein tastete, ahnend, dass nicht nur diese kaltherzige Bestie auf sie lauert, sondern noch etwas viel schlimmeres, etwas unvorstellbar grauenhaftes, auf sie wartet.

Der fette Mann erzählt eine Geschichte der Verwahrlosung - oder der Befreiung - je nachdem aus welchem Blickwinkel man seine Geschichte des Herausschälens aus dem gesellschaftlichen Kontext und seiner Normen betrachten will. Er berichtet bereitwillig, dass er nach dem Tod seiner Frau alles aufgegeben und sich anschließend in die Wildnis begeben hat.

Dort erlebt er den „Blast", eine Art orgiastischer Super-Kick. Danach erwacht er jedes Mal mit einem Gedächtnisverlust. Was ist passiert? Man erfährt es nicht, denn er weiß es selbst nicht. Und da wir die Geschichte aus seinem Munde erleben, bekommen wir darüber keine Erkenntnis, sondern müssen darauf warten, dass er seine Geschichte weitererzählt.

Marcenet ist bei der Darstellung des Superrausches einen sehr ungewöhnlichen Weg gegangen. Besticht der Stil von „Blast" durch einen verwaschenen Tuschestrich in Schwarzweiß, stellt er den Blast selbst durch Kinderzeichnungen dar, die mit ihrer buntnaiven Fröhlichkeit wie Blitze in ein tristes Meer aus depressivem Grau einschlagen.

Blast hat eine monumentale Wucht und eine Gewagtheit, die seinesgleichen sucht. In Abwandlung eines Brecht-Zitates könnten man die These formulieren: „Jede Zeit bekommt die Kunst, die sie verdient." Insofern passt dieses grandiose Meisterwerk in unsere Zeit des soziokulturellen Verfalls und der Verrohung des Einzelnen.

Im April 2013 wird „Blast 2 - Die Apokalypse des heiligen Jacky" bei www.reprodukt.com erscheinen. Das Gesamtwerk ist auf 4 Bände angelegt.

Manu Larcenet
BLAST 1 - Masse
208 Seiten, schwarzweiss & farbig, Hardcover
€ 29,00
ISBN 978-3-943143-12-6
www.reprodukt.com

Graphic Novel „Packeis"

Egal, ob man Comic-Fan ist oder noch nie einen Comic aufgeschlagen hat: DIESE Graphic Novel - „Packeis" - von Simon Schwartz muss man gelesen haben. Vorausgesetzt natürlich man liebt gute Geschichten und hat einen Sinn für Ästhetik. Denn Packeis ist beides: Ein großer mitreißender Roman und überwältigend schöne Illustration.

„Wer war Matthew Henson?" fragt der Klappentext und der Autor und Zeichner Simon Schwartz geht der Frage auf 150 (!) Seiten nach. Der Afroamerikaner Matthew Henson war Assistent und Reisebegleiter - sozusagen der Tenzing Norgay - von Robert Peary und wahrscheinlich der erste Mensch am Nordpol und nicht Robert Peary, der dieses für sich reklamierte (was bis heute bezweifelt wird).

Der Grund, dass Matthew Henson nahezu vergessen ist, liegt nicht nur im krankhaften Ehrgeiz Pearys begründet, der mit allen Bandagen um den Ruhm kämpfte, als Erster den Nordpol erreicht zu haben, sondern auch darin, dass Henson zu seiner Zeit nicht die „richtige" Hautfarbe hatte, um als Entdecker gefeiert zu werden.

„Packeis" ist vieles zugleich: Abenteuerroman, Geschichte des Rassismus, Sittengemälde und Psychogramm einer imperialistischen Gesellschaft. Das Erstaunliche dabei ist, dass es Simon Schwartz nicht nur gelingt, diese Themenfelder miteinander zu verknüpfen, sondern gerade und trotz der reduzierten Form der Grafik eine emotional tief bewegende Geschichte erzählt. Seine Bildsprache ist so präzise, dass er manchmal seitenlang ohne Text auskommt.

Nach seinem Erstlingswerk „drüben!"zeigt Schwartz hier erneut sein großes Talent. „Packeis" wurde verdient mit dem renommierten „Max-und-Moritz-Preis" („Bester deutschsprachiger Comic 2012") ausgezeichnet.

Simon Schwartz
Packeis
176 Seiten, Softcover
€ 19,95
ISBN 978-3-939080-52-7

Paralleluniversum - genannt „Star Wars"

Weihnachten ist vorüber und niemand aus deiner Familie oder dem Freundeskreis hat dir, einem beinharten Star Wars-Geek, einen Star Wars-Fanartikel geschenkt? Weil alle annahmen, dass du sowieso alles schon von Star Wars besitzt?

Dann ist es an der Zeit, sich selbst zu beschenken! Und was könnte da passender sein bei dem fiesen Schmuddelwetter, als ein dicker Star Wars-Schmöker? Wetten, dass selbst du, der seine Zeitgenossen mit Star Wars-Anekdoten zu langweil ... ähm ... zu unterhalten weiß, interessantes, amüsantes und neues in „Star Wars - Die offizielle Geschichte von 1977 bis heute" finden wird?

Auf 328 großformatigen Seiten breiten die drei Autoren die komplette Exegese des Star Wars-Universums aus. Eingebettet in das multimediale Zeitgeschehen zeigen sie die vielfältigen Einflüsse auf und machen so das Phänomen als Teil der Popkultur begreifbar.
Denn, auch wenn 1977 für Star Wars-Fans das Jahr 0 neuer Zeitrechnung ist, so ist es zugleich von Hippietum, Punkbewegung und last but noch least durch den Disco-Trend geprägt. Und ein Jahr zuvor, wird tatsächlich Zukunft zur Gegenwart durch den ersten Apple-Computer.

Das Behind The Szenes-Material von den Drehorten oder den Modellbauern im Studio, die an den Raumschiffen herumtüfteln, ist natürlich ein Fest für den Fan, ebenso die prächtigen doppelseitigen Bilder des Konzeptkünstlers Ralph McQuarrie (der Erfinder des Star Wars-Looks) oder erste Rohskizzen von Tie-Fighter, X-Wing und Todesstern, die George Lucas für Ralph McQuarrie zur Anschauung anfertigte.

Zum Schluss ein Tipp: Fang dieses Jahr rechtzeitig vor Weihnachten im Kreis deiner Lieben an, dein Leid zu klagen, dass dir niemand mehr etwas aus dem reichhaltigen Star Wars-Merchandisingangebot schenkt, weil alle denken, du hättest alles schon. Dabei würden dir noch ... fehlen und ... und sogar ...!

Ryder Windham, Dan Wallace, Pablo Hidalgo
Star Wars™ Die offizielle Geschichte von 1977 bis heute
328 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag & Hologrammfolie
rund 1.000 Farbfotografien & Illustrationen
ISBN 978-3-8310-2205-2
€ 24,95 (D) / € 25,70 (A) / sFr 35,50
www.dorlingkindersley.de

Der Hobbit - Hin und zurück auf Papier

Morgen startet der 1. Teil, der von Tolkien- und Fantasy-Fans sehnlichst erwarteten Verfilmung von „Der Hobbit", die Mittelerde-Heerführer Peter Jackson letztlich dann doch höchstpersönlich umsetzte.

Als ich im Frühjahr diesen Jahres durch Halle 2 (Kinder- und Jugendbuch) der Leipziger Buchmesse schlenderte, fielen mir auf dem Klett Cotta-Stand, der sich strategisch günstig mit seiner Hobbit Presse vor der Fantasy Leseinsel positioniert hatte, gleich zwei neue Ausgaben von „Der Hobbit" auf - eine davon eine Neuedition speziell für Kinder. In Erwartung des Filmgroßereignisses vor Weihnachten Grund genug, die Kinderausgabe in Augenschein zu nehmen.

Bereits beim ersten Satz stutzte ich: „In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit." Den kannte ich anders. Ich hatte den „Hobbit" in meiner Jugend gelesen, und da hieß es: „In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit." War das Buch neu übersetzt worden?

Mitnichten. Schon seit den Siebzigern existieren zwei Übersetzungen von Tolkiens „The Hobbit or There and Back Again" parallel nebeneinander: „Der Hobbit", übersetzt von Wolfgang Krege, erscheint nach wie vor bei Klett Cotta. Von dtv junior wiederum wird eine Ausgabe von Tolkiens Kinderbuch in der Übersetzung von Walter Scherf publiziert, zur Abgrenzung unsinnigerweise tautologisch „Der kleine Hobbit" genannt.

Welche Übersetzung ist nun „besser", werkgerechter? An dem Umstand, dass Tolkien selber die Wohnhöhle von Bilbo Beutlin im ersten Satz ungenau und irreführend beschreibt, können beide Übersetzer nichts. Denn Bilbo Beutlins Behausung liegt weder „in der Erde" noch „im Boden". Vielmehr ist sie in einen sanften Hügel hinein gebaut, mit Tür und Fenstern, was man nach Tolkiens ersten Worten nicht vermutet. (Als ich damals den ersten Satz las, hätte ich das Buch fast beiseite gelegt.) Aber die Wohnung ist auf jeden Fall eher eine „Höhle" und kein „Loch".

Auch, wenn Übersetzungen immer auch Geschmackssache sind: Die Scherf-Übersetzung passt einfach besser zum Stoff. Er befleißigt sich eines altmodischen Sprachgebrauchs, wie er zu einem großen Fantasy-Stoff passt. Zwar führt seine Übersetzung auch mal zur Verwirrung, zum Beiospiel, wenn es um „Nadel" geht, Bilbos Elbendolch, den er „Stich" nennt. Und mal ist „Nadel/Stich" bei Scherf ein „Messer", dann wieder ein „Dolch" und dann sogar „Kurzschwert".

Für den kindgroßen Hobbit Bilbo Beutlin ist nun mal das, was ein Dolch für einen Elben ist, in der Proportion für ihn so lang wie ein römisches Kurzschwert. Was Herrn Scherf wohl nicht so klar war. Aus dem Gesamtzusammenhang wäre es schon zu erschließen gewesen, aber um ihn und auch Herrn Krege in Schutz zu nehmen, was nun bei der Lektüre der Krege-Ausgabe (und bei erneuter Durchsicht der alten Scherf-Ausgabe aus den 80ern) auffiel: Tolkien beschreibt recht wenig, wie die Dinge, die er erfunden hat, gestaltet sind.

Tolkien verliert zum Beispiel kein Wort darüber, wie Gollum eigentlich aussieht! Auch nicht darüber, was man eigentlich unter einem Ork zu verstehen hat - weder Physiognomie, noch Kleidung würdigt er eines Satzes. Aber auch an der Dramaturgie hapert es (Achtung! Im nächsten Absatz wird etwas verraten, also diesen Absatz überspringen, falls gewünscht!).

Der Drache Smaug, der als Schreckensgestalt das Buch über aufgebaut wird, und den Tolkien wirklich wunderbar als selbstgefälliges soziopathisches Monster wie einen Mobster-Paten agieren lässt, bekommt zwar einen guten - aber nur einen einzigen (!) - Dialog. Das war´s! Unglaublich!

Dann lässt Tolkien seine Helden zwar in jede Menge haarsträubende Abenteuer stolpern, die eine gehöriges Potential an Slapstick-Humor in sich tragen oder jede Art von Action bieten in Form von Verfolgungen oder Kämpfen. Aber: Die Ideen werden einfach nicht ausgearbeitet. Ich will nicht sagen, er hetzt durch seinen Roman, aber jedes Kapitel hätte drei-, ja viermal so lang sein können - ohne an Substanz zu verlieren.

Insofern sollte man - das sage ich nun, bevor ich die Verfilmung gesehen habe - Peter Jackson und den Produzenten nicht den Vorwurf machen, dass sie knappe 300 Taschenbuchseiten zu drei Dreistundenfilmen aufgebläht haben. Im Gegenteil. Dankbar sollten die Fans sein, dass er den Stoff die Präsenz gibt, der er verdient. Ganz abgesehen davon, dass Tolkien die historischen Zusammenhänge zwischen den Geschehnissen im „Hobbit" und der Zeit bis zu den großen Kriegen in „Der Herr der Ringe", die eine ausführlichere Schilderung in Buchform verdient hätten (jeder Verleger würde sich heute dafür die Finger lecken ...), im Anhang von „Der Herr der Ringe" geradezu versteckte.

In der Verfilmung werden sie nun zu ihrer Geltung kommen. Ansonsten würden die Fans viele liebgewonnene Gestalten aus „Der Herr der Ringe", wie Galadriel, Sarumann, Frodo, Elrond und Legolas auf der Leinwand nicht wiedersehen - weil sie keine Erwähnung in „The Hobbit or There and Back Again" finden - egal in welcher Übersetzung.

Aber kommen wir zurück zur Neu-Editierung. Taugt sie was? Um es mit einem Wort zu sagen: Sie ist verblüffend. Denn die Kinderausgabe hat zwar eine kindgerechte große Schrift und eine (!) Illustration, die sich immer wiederholt, aber es gibt keine Karte von Mittelerde.

Die Ausgabe aus dem Frühjahr 2012 für Erwachsene (bereits durch eine neue ersetzt), enthielt zwei Karten. Und ausgerechnet die Kinderausgabe hat keine Karte? Das ist sehr, sehr eigenartig und nicht nachzuvollziehen. Und ärgerlich ist es auch.
Fazit: Vielen Dank J.R.R. Tolkien für dieses wunderbare Buch (Auch, wenn es viel, viel dicker hätte sein können.).

Die neue Klett-Cotta-Edition von „Der Hobbit" in der Übersetzung von Wolfgang Krege sieht gut aus, ansonsten aber wundert man sich über eine Editierung für Kinder ohne Mittelerde-Karte(n).

Der Hobbit: Kinder- und Jugendbuchausgabe

gebundene Ausgabe, 462 Seiten
Klett-Cotta; Auflage: 1., Aufl. (15. März 2012)
ISBN-13: 978-3608938647

Wo Käpt´n Blaubär Blaubeerkuchen isst

Es war längst überfällig - ein Lexikon zu Zamonien, den Kontinent der Magie und Wunder, der Schrecksen, der Leidener Männlein, der Wolpertinger und Kratzen und vielen anderen wunderlichen Gestalten, die im Laufe von sechs Zamonien-Romanen den Labyrinth artigen verschlungenen Gehirnwindungen eines Walter Moers entsprungen sind.

Zwar liefen sich Moers Helden, wie Käpt´n Blaubär, Rumo, Hildegunst von Mythenmetz in Zamonien nie über den Weg, aber sie eint eben eines: Sie alle leben in dieser fiktiven Welt. Nun können die Fans der Walter Moers Zamonien-Romane noch einmal die Orte besuchen, wie die Süße Wüste, den Malmstrom, die Finsterberge oder Sledwaya, die ungesundeste Stadt Zamoniens - Stätten, die einst beim Lesen wohlige Schauer des Entsetzens auslösten.

In Zusammenarbeit mit der Illustratorin Anja Dollinger ist ein nettes Kompendium entstanden. Ihre witzig gestalteten Grafiken lockern das Lexikon auf, bereichern und erweitern die textliche Informationsflut.

Zamonien / Entdeckungsreise durch einen phantastischen Kontinent - Von A wie Anagrom Ataf bis Z wie Zamomin

312 Seiten
zahlreiche Illustrationen
ISBN: 978-3-8135-0530-6
€ 22,99

Inside The Twilight

„Wie bei vielen alten Frachtern ist über die Geschichte der Twilight kaum etwas bekannt. Sie war einer der ersten G9-Auslegerfrachter mit Hyperantrieb - Schwenkflügel und Waffen wurden zum Schutz von Piraten hinzugefügt. Ziro der Hutt stattete sie mit Schmuggelabteilen für Spice-Lieferungen aus. In den Klonkriegen brachte Anakin Skywalker sie in seinen Besitz."

Dieses und noch vieles mehr gibt der großformatige Bildband „STAR WARS / The Clone Wars - Raumschiffe und Fahrzeuge" preis. Im Untertitel heißt es nüchtern: „Einblicke in die faszinierende Technik". Der englische Originaltitel von Dorling Kindersley ist da schon wesentlich enthusiastischer: „Incredible Vehicles". Und das zu Recht.

Der Erfolg von STAR WARS ist zu einem Großteil seinem genialischen Konzept des Production Designs - vertraute Formen in einem neuen Kontext zu kombinieren - zu verdanken (und damit seinem kürzlich verstorbenen Chefdesigner Ralph McQuarrie).
Man denke nur an das in den klassischen Episoden stilprägende „Spinnennetz-Fenster": im Cockpit des Millenium Falcon, in der Kanzel des TIE - Fighters oder als Panoramafenster im Thronsaal des Imperators - die alle auf die Konstruktion der Schützenkuppel im Boeing „B-29 Superfortress" Bomber aus dem 2. Weltkrieg zurückzuführen sind.

Mit den Episoden I - III wurde das Design - zumindest auf Seiten der Republik - organischer. Sind die Tropfenformen der Raumschiffe Naboos wunderschöne Retroreminiszenzen an die Sixties in Chrom, stand für die Republikanischen Streitmacht vor allem die amphibische und insektoide Tierwelt Modell: AT - TE: Gecko; Kanonenboot: Heuschrecke; Anakins Twilight: Ochsenfrosch.

Bei den Republikanischen Korvetten, Fregatten, Angriffsschiffen und Jägern wiederum sahen sich die STAR WARS-Designer gezwungen, einen harmonischen Übergang in der technologischen wie designerischen Entwicklung von den Episoden I - III zu den Episoden IV - VI zu schaffen - fällt ja nach dem Ausrufen der Order 66 die gesamte Republikanische Streitmacht in die Hände des verräterischen Kanzlers Palpatine. Der dann als Imperator auf der Basis der Republikanischen Technologie die Imperiale Flotte aufbaut - besonders makant im Design der Imperialen Sternzerstörer zu sehen, die ihren Ursprung in den Republikanischen Angriffsschiffen der Venator-Klasse haben.

Anders da die monströsen Konstruktionen der Separatisten. „Bemannt" mit Droiden benötigen ihre Schiffe, seien es die Bankenclan-Fregatten oder die Zerstörer der Handelsgilde, keine Lebenserhaltungssysteme und folgerichtig fehlen ihnen die sauerstoffspeichernden Hüllen. Mit ihren skelettartigen Strukturen erinnern sie an angefressene ausgeweidete Kadaver von niederen Schalentieren und Asseln.

Selbstverständlich kommen auch die Raumschiffe und Fahrzeuge der zwischen den Fronten agierenden Piraten, Kopfgeldjäger und mehr oder weniger neutralen Parteien, wie die Mandalorianer, nicht zu kurz. Was auch gut gelungen ist: Die Raumschiffe und Fahrzeuge werden in ihren Handlungszusammenhängen erklärt und es gibt sogar Extra-Kapitel zur Waffentechnologie des SW-Universums (Turbolaser, Protonentorpedos usw. usf.).

Die absoluten Highlights des Bildbandes sind aber die Risszeichnungen, die detaillierte Einblicke in die Raumschiffe geben: In den Luxuskreuzer Coronet, in den Piratenpanzer WLO-5 von Hondo Ohnaka, in den V-19 Torrent-Jäger, in die Halo der Kopfgeldjägerin Sugi, in die Geierkralle des trandoschanischen Plünderers Gha Nachkt, in das Flaggschiff der Separatisten, die Malevolence, und last but not least: in die Twilight von Anakin Skywalker.

Mit dem Design dieses wirklich außergewöhnlichen Raumschiffes ist Lucasfilm ein ähnlicher Geniestreich gelungen wie dazumal mit dem Millenium Falcon von Han Solo. Wieder ist es ein ramponierter alter Frachter, aber - natürlich - stark bewaffnet, der sogar mit seinem Frachtraum eine Art Garage für Anakins Jedi-Jäger bietet. Letzten Endes reden wir hier natürlich von einem Wohnmobil im All - wie es ja auch Mel Brooks in „Spaceballs" treffend persiflierte ...

Gibt es was zu meckern? Ja. Der Bildband ist zu dünn (128 Seiten) und zu klein (Er ist etwas breiter und höher als DIN A4) geraten. 110 Folgen STAR WARS / The Clone Wars hätten ein ausführlicheres Kompendium verdient und die riesigen Raumschiffe ein größeres Format, wie es früher der Verlag Dorling Kindersley (in Deutschland in Lizenz von vgs.de) auch umsetzte. Aber und trotzdem: Er garantiert viele vergnügliche Stunden und ist nicht wegzudenken aus einer STAR WARS-Bibliothek

STAR WARS / The Clone Wars - Raumschiffe und Fahrzeuge
ISBN 978-3-8310-2134-5
€ 16,95
www.dorlingkindersley.de

Begonnen der Ausverkauf nun hat

Keine 24 Stunden ist es her, da digitalisierte sich Folge Nr. 22 der 4. Season STAR WARS - The Clone Wars durch den Blu-ray-Player. Mit dem Wissen, dass die 5. Staffel die letzte sein wird, hatte es etwas davon, die dreiundzwanzigstletzte Zigarette zu rauchen - also die letzte Zigarette der vorletzten Schachtel.

Damit verbunden sind die Gefühle: Erleichterung. Weil man nun bald ein besseres Leben ohne Abhängigkeit führen wird. Und gleichzeitig: Angst vor dem Entzug des Giftes. Denn: Es war einmal, blablabla ... lang, lang ist es her ... dass George Lucas Ende der Siebziger ein Parallel-Universum kreierte und damit eine Art Pseudo-Religion erschuf - und nun - Crash! Boom!! Baaang!!! Gott ist tot.

Nicht Nietzsche hat Gott getötet, er selbst war es. George Lucas hat sein Imperium dem Disney Konzern übereignet. Das ist von drei anzunehmenden Super GAUs der schlimmste; der drittschlimmste wäre gewesen: George Lucas macht keine STAR WARS-Filme mehr; der zweitschlimmste: er tut es und der allerallerallerschlimmste: siehe oben. Also : R.I.P. STAR WARS!

Darum Leute, Römer, Bürger von Rom! Egal, ob ihr nun versus George Lucas seid, oder nicht: Das ist die letzte Gelegenheit - wie beim Ausverkauf von Aale- Achim auf dem Fischmarkt - STAR WARS nochmal original by George Lucas zu konsumieren!

„STAR WARS - The Clone Wars / Lexikon der Helden, Schurken und Droiden" ist ein Lexikon, wie es natürlich nicht überflüssiger sein könnte. Der „wahre" STAR WARS-Fan wird dieses Lexikon natürlich nicht benötigen, „halbe" STAR WARS-Fans gibt es nicht und Menschen, die bei dem aufkommenden Thema STAR WARS irritiert fragen (meist Frauen): „Ist das das mit den Robotern?" oder neulich aktuell gehört: „Klone, welche Klone? Sind das die in weiß?" (auch eine Frau), haben natürlich überhaupt keine Verwendung dafür.

ABER, hier ein in Versalien geschriebenes ABER, George Lucas wäre ja nicht so reich geworden, wenn da nicht die nie versiegende Nachfrage an STAR WARS-Devotionalien gewesen wäre. Mit anderen Worten: Ein nettes Lexikon. Echt okay. Es hat mehr als 200 Seiten, ist bunt - immer noch (!) auf Papier und hält für jeden Helden, Schurken und Droiden eine Seite parat.

Zu jedem Character werden in Bits & Pieces-Form Infos gegeben, seien es grundsätzliche, wie die der Spezieszugehörigkeit in der „Datenbank", oder Hintergrundinformationen, wo und wann der Character in den Klon Kriegen seinen Einsatz hatte. Es gibt auch eine Art Register, aber darüber hinaus bietet das Lexikon keine verknüpften Informationsstränge, was sehr schade ist. Hier wurde doch sehr gespart vom Verlag. Nicht einmal eine Einleitung gönnte man sich.

Nichtsdestotrotz, wenn Disney nun, wie angekündigt, alle paar Jahre einen STAR WARS-Film raushauen wird, und Disney-Character um Disney-Character sein Lichtschwertchen schwingen darf, werden vielleicht sogar STAR WARS-Fans eines Tages dann doch George Lucas eine kleine Träne nachweinen ...

208 Seiten
600 farbige Abbildungen
ISBN 978-3-8310-2132-1
€ 12,95
www.dorlingkindersley.de

Rätsel der Geschichte - ohne Guido Knopp

Gestern fand ich auf der Startseite von Wikipedia in der tagesaktuellen Rubrik „Was geschah am ... ?" folgenden Eintrag: „702 - Nach dem Tod seines Bruders K'inich Kan Balam II. wird K'inich K'an Joy Chitam II. Herrscher (Ajaw) der Maya-Stadt Palenque."

Nun, ehrlich gesagt, auch mir als Historiker war das gänzlich unbekannt. Nun könnte der eine oder andere einwenden: „Ja ... und?!" Aber das wäre doch ein wenig kulturhistorisch eurozentristisch. Denn für K'inich K'an Joy Chitam II. war der Amtsantritt als Ajaw von Palenque sicher kein Klacks. Gehen wir mal, um die Sachlage zu vereinfachen, von zwei Grundkonstellationen aus:

1.) K'inich K'an Joy Chitam II. liebte seinen Bruder K'inich Kan Balam II. inniglich und so wäre dessen Tod und die damit folgende Bürde des Titels Ajaw von Palanque sicher eine schwere Last gewesen.

2.) K'inich K'an Joy Chitam II. wollte Ajaw von Palenque werden und so war er nach dem Prinzip „cui bono" sicher nicht ganz unschuldig am Tode von K'inich Kan Balam II.

Und vergessen wir nicht das Volk von Palenque! Egal, ob es K'inich Kan Balam II. zugetan war oder nicht: Ein Machtwechsel bringt immer eine Verunsicherung des Volkes mit sich.

Wenden wir uns nun aber der eigentlich entscheidenden Frage zu: Was um alles in der Welt hat die Wikipedia-Schreiberlinge dazu gebracht, sich damit zu beschäftigen, dass 702 der Ajaw von Palenque - K'inich Kan Balam II. - durch seinen Bruder -K'inich K'an Joy Chitam II. - abgelöst wurde?

Auch, wenn wir wohl nie dieses Rätsel der Geschichte lösen können, eins ist sicher gewiss: Am 30. Mai 702 ist bestimmt auch irgendwo in Palenque ein Sack Reis umgefallen ...

Ich Tarzan, Du ... ?

Ist es nur Unwissen oder eine Art Verdrängung, um Taten gegenüber Tieren zu rechtfertigen, dass viele Menschen sich nicht nur für die Krone der Schöpfung halten, also als primus inter pares, sondern gleich als einzige denkende, planende und fühlende Spezies auf diesem Planeten?

Dabei haben wir mit den tierischen Mitreisenden unserer irdischen Arche sehr viel an Wesen, Eigenschaften und Fähigkeiten gemeinsam, wie Roland Knauer und Kersting Viering in ihrem amüsant-lehrreichen Buch „Wie viel Tier steckt in dir?" ausführen.

In einer gleichsam unterhaltsamen wie lehrreichen Mixtur aus Anthropolgie, Biologie und Zoologie unternehmen die Autoren eine Expedition durch Jahrmillionen Entwicklungsgeschichte, dabei immer den Blick auf die Gegenwart gerichtet mit der Frage: Was haben wir gemeinsam?

Lange wurde der Gebrauch von Werkzeug als hervorstechendstes Merkmal des Menschseins gesehen, aber erst kürzlich stellte Josh Klein einen Snackautomaten für Krähen vor. Innerhalb kürzester Zeit hatten Krähen gelernt, den Automaten mit gefundenen Geldstücken zu „füttern", der dafür dann als Belohnung Erdnüsse ausspuckte.

Bekannter ist sicher die Methode mit Stöckchen Maden aus Baumstämmen heraus zu puhlen, die von Vögeln, aber auch Menschenaffen angewendet wird. Weniger bekannt dagegen dürfte die Strategie von Raubvögeln sein, die mit erbeuteten Knochen hoch aufsteigen um sie dann punktgenau auf ausgesuchte Felsenformationen abzuwerfen - so zersplittert, ist dann der Weg zum gehaltreichen Mark geebnet.

Bei aller Aktualität und fachlicher Kompetenz ist das Buch so locker und flüssig geschrieben, dass es sich eher wie eine launige Anekdotensammlung aus der Schöpfungs-Geschichte liest, denn wie ein Lehrbuch, was auch die die witzigen Illustrationen von Antje von Stemm unterstreichen.

Fazit: Absolut empfehlenswert für Kleine und Große ab 12 Jahren.

Wie viel Tier steckt in dir?
Roland Knauer & Kerstin Viering, Illustrationen von Antje von Stemm
190 Seiten, bezogener Pappband
ISBN: 978-3-8270-5398-5
€ 14,90

Mensch + Maschine - Seele = ?

Wer jemals die Big Daddys aus „Bioshock" erlebte, oder besser gesagt: überlebte, denn es gehörte schon eine gehörige Portion an Einfallsreichtum, Gemeinheit und Zähigkeit dazu, nach einem Zusammentreffen mit diesen Steampunk-Golems noch in einem Stück zu sein, den wird erst Mal Misstrauen befallen angesichts des Maschinenmenschen Richard Hirschman, der den Big Daddys so verblüffend ähnlich sieht.

Aber in Wirklichkeit ist er ein gutmütiger Kriminalist, was ihn zum Teampartner von Heinrich Lerchenwald - Bohemian und Bizarromant - und Frau D. - ihres Zeichens Spezialermittlerin und Suffragette - macht. Gemeinsam versuchen sie eine verlorene Seele wiederzufinden und einen Mord aufzuklären.

Die Welt von „Steam Noir. Das Kupferherz" ist keine. Vielmehr treiben Bruchstücke eines zerfetzten Planeten wie Halligen im All, ebenso wie die Seelen verlorener Menschen. Städte sind überschwemmt, in den Fluten untergegangen, und die Technik ist eine poetisch-fantastische Mixtur aus Jule Verne und Killzone.

Felix Mertikat und Benjamin Schreuder, die für ihr Comic-Debüt „Jakob" mit dem Sondermann-Preis ausgezeichnet wurden, entwerfen eine grausam-schöne Welt, in der ein kleines Mädchen im Park Ball spielen ... kann, weil es für seine verlustig gegangenen Arme zwei Maschinenprothesen erhalten hat.

„Steam Noir. Das Kupferherz" ist als vierbändiger Zyklus angelegt. Band Zwei ist für Mitte Juni angekündigt.


Steam Noir. Das Kupferherz 1
Benjamin Schreuder, Felix Mertikat
Album, Hardcover, vierfarbig, 64 Seiten
Preis: 16,80 €
ISBN: 9783942649155

Holz

Holz hält die Welt zusammen, davon ist Reinhard Osteroth überzeugt. Auch, wenn es nicht zu den vier Elementen der alten griechischen Philosophen zählt - Erde, Feuer, Wasser und Luft - und der moderne Mensch mittlerweile weiß, dass das Universum in seinem Innersten aus Quarks & Co. besteht, so ist Holz für den Technik-Historiker Osteroth mehr als ein Werkstoff.

In seinem Jugendsachbuch „Holz. Was unsere Welt zusammenhält", das im MÄRZ den LUCHS-Preis für Kinder- und Jugendbuchliteratur gewann, nähert sich Osteroth dem Thema Holz wie in einem Werklabor von allen Seiten und mit verschiedenen Techniken. So würdigt er Holz als ältesten Werkstoff der Menschheit, der in seinen vielfältigen Formen als Baumaterial für Schiffe, Festungen und Mühlen bis heute (Musikinstrumente) nicht aus der Geschichte der Menschheit wegzudenken wäre.

Und gerade heute gewinnt Holz angesichts der Klimaveränderung als nachwachsender und CO² bindender Rohstoff eine neue Aktualität (z.B. im Gebrauch von Holzpellets zur Energiegewinnung).

Ob die Rahmengeschichte - wie er als Jugendlicher unter Anleitung seines Vaters eine Kommode restaurierte - wirklich eine jüngere Zielgruppen zu fesseln vermag, sei dahingestellt, im Prinzip handelt es sich bei „Holz" auch eher um ein verjüngtes Erwachsenensachbuch als um ein astreines Jugendsachbuch.

Dafür ist bei allem Bemühen des Historikers für eine jüngere Zielgruppe schreiben zu wollen, der Ton doch ein bisserl zu lehrerhaft und die Aufmachung des Buches mutet trotz seiner Anstrengungen, jung zu wirken (z.B. durch den Einsatz von verschiedene Typogrößen, Mix von Bildern und Illustrationen) eher wie ein Heimatkundebuch, woran die die schwarz-weißen Fotos sowie die braunen Illustrationen und Schriften sicherlich nicht unschuldig sind.

Dennoch: Inhaltlich ist es unbestritten ein sachkundiges und lehrreiches Werk. Sagen wir mal ein: Fan-Buch für Holz-Fans. Und davon darf es ruhig etwas mehr geben. In allen Altersklassen.

Holz. Was unsere Welt zusammenhält
Reinhard Osteroth
ISBN: 978 382 705 449 4
€ 16,90
www.bloomsbury-verlag.de

Autismus ohne Kiefer Sutherland

Jans Mutter hält es nicht mehr aus. Jan hat deswegen Angst, seine Mutter könnte weglaufen. „Quatsch!", meint sein Papagei Malcolm, Mütter würden nicht weglaufen. Jans Mutter will auch nicht wegen Jan weglaufen, sondern wegen Lisa. Lisa ist Jans ältere autistische Schwester, die nur rote Dinge isst, die nie spricht und die, wenn sie etwas nicht will, lauter schreit als irgendjemand.

Dabei, da ist sich Jan sicher, könnte es auch anders sein. Dann, wenn die Eltern verstehen würden, was Lisa wirklich will. Jan weiß es, denn er kann Lisas Gedanken hören. Sie sind ganz leise, viel leiser als die Gedanken Malcolms, seines Feuerwehrautos, seiner Actionfigur und sines Teddys, die ihm alle immer mit Rat und Trost zur Seite stehen.

Weil seine Mutter es nicht mehr aushält, überlegt man, Lisa in ein Heim zu geben, natürlich keines „dieser schrecklichen Kinderheime wie aus alten Büchern", sondern eines „für besondere Kinder, die im normalen Leben nicht zurechtkommen", erklärt die Mutter Jan, das seien „schöne, freundliche Häuser, in denen sich Leute um die Kinder kümmern". Aber Jan findet das falsch und schrecklich. Was, wenn es Lisa dort nicht gefällt? Und außerdem will Lisa einen Hund, davon ist Jan überzeugt. Aber seine Eltern hören einfach nicht zu.

Aber dann, als Jan ein paar Tage bei seinen Großeltern am Meer verbringt, lernt er Clara kennen und deren Bruder Nils, der ebenfalls autistisch ist. Und Nils Mutter will augenscheinlich nicht weglaufen und auch nicht Nils in ein Heim stecken. Es muss also doch auch anders gehen, sagt sich Jan.
„Streichholzburgen" von Bettina Obrecht ist ein wirklich bemerkenswertes Buch. Selten ist die Gedanken- und Gefühlswelt eines Kindes - die Geschichte wird aus der Sicht von Jan erzählt - so einfühlsam, treffend und witzig in Szene gesetzt worden - was besonders zählt angesichts des Sujets.

Streichholzburgen
Bettina Obrecht
120 Seiten, fester Einband
978-3-8270-5507-1
€ 12,90
www.bloomsbury-verlag.de

Was von der Evolution übrig blieb

Dass ein Buch über ausgestorbene Tiere äußerst vergnüglich und unterhaltsam sein kann - das ist eine Überraschung. Der großformatige Bildband „Unglaubliche Geschichten von ausgestorbenen Tieren" von Hélène Rajcak und Damien Laverdunt aus dem Verlagshaus Jacoby & Stuart ist es tatsächlich und dazu noch prächtig illustriert.

Vielleicht ist es der einzig gangbare Weg, mit Witz, Ironie und einer gewissen Prise Sarkasmus dem Phänomen zu begegnen, dass der Mensch durch Dummheit, Skrupellosigkeit und entschlossenen Egoismus es immer wieder schafft, eine Spezies dieses Planeten komplett auszulöschen. Entweder in dem er die Lebensgrundlagen dieser Spezies zerstört oder in dem er sie direkt schlicht und einfach bis zum letzten Exemplar aufisst.

Kein schöner Blick auf uns selbst, umso schöner der Bildband, der mit prächtigen Illustrationen aufwartet, die vom Stil her irgendwo zwischen dem der dokumentarischen der Naturforscher des 18. und 19. Jahrhunderts und der Ligne claire des belgischen Comics angesiedelt ist.

Das Buch folgt einem stringenten layouterischen Konzept: Jedem ausgestorbenen Tier gehört eine Doppelseite - auf der Linken geht ein Comic mit teilweise schon absurd-skurrilem Witz an die Frage heran, warum das jeweilige Tier - zum Beispiel das „Tretretretre" oder der „Riesenalk" ausgestorben ist.

Die rechte Seite ziert ein großes Portrait der Spezies. Hier werden allerhand Fragen beantwortet: Wann lebte beispielsweise der Dodo? Was waren die wahren Gründe für sein Aussterben? Biologische Daten und kulturhistorische Hintergrundfakten runden das Ganze ab.

Ein All-Ages-Bildband, geeignet ab 10 Jahren.

Unglaubliche Geschichten von ausgestorbenen Tieren
Hélène Rajcak und Damien Laverdunt
80 Seiten, gebunden, durchgehend farbig
978-3-941787-64-3
€ 18,95
www.jacobystuart.de

Annie, die Riesen und der Tod

Irgendwann stellen Kinder die Fragen, vor denen sich die Erwachsenen immer gefürchtet haben: „Wohin gehen wir, wenn wir tot sind?" „Gibt es einen Gott? Und falls ja, wie sieht er aus und wie ist der eigentlich so drauf?" Oder noch schwieriger: „Warum bringen Menschen sich ums Leben?"

Kitty Crowther, ihres Zeichens Kinderbuch-Autorin, hat keine Angst vor diesen Fragen. Im Gegenteil: Sie hat sie beantwortet. Letztere mit dem Bilderbuch „Annie", das im Februar den LUCHS-Preis für Kinder- und Jugendliteratur gewann. Der LUCHS wird jeden Monat von der ZEIT und Radio Bremen vergeben. Aus den zwölf Monatssiegern wird im November der Jahres-LUCHS gewählt.

Annie lebt an einem See. Wir erfahren, dass sie nicht hübsch und nicht hässlich ist, dass ihre Mutter gestorben ist, und dass Annie immer allein ist. Weswegen sie sehr unglücklich ist. Annie hat so „etwas Schwarzes in ihr", schreibt Kitty Crowther und der Wald um den See herum ist auch schwarz. Annies Kleid ist schwarz, ihre Stiefel, ihr Bett und ihre Truhe sind ebenfalls schwarz. Und die Tapete in ihrem Haus ist mit blassen Kriechgewächsen, wie Morcheln, Pilzen und allerlei Unkraut gemustert, dass tief im Unterholz oder in einem See weit unten und weit weg von wärmenden Sonnenstrahlen vor sich hinvegetiert.

Eines Nachts mag Annie nicht mehr und sie rudert hinaus auf den See zu den drei unheimlichen Inseln, wo sie über Bord springt. Als sie ohnmächtig wird, hebt eine mächtige Hand sie sanft aus dem Wasser. Sie gehört zu einem von drei Riesen. Und die haben ein Problem. Die Riesenfrauen leben nämlich im Meer. Aber der See, früher mit dem Meer unterirdisch verbunden, ist jetzt abgeschnitten von ihm und die Riesen wissen den Weg über Land nicht. Ob Annie ihnen helfen kann? Sie kann.

Wie es dann weitergeht, müsst ihr selber nachlesen.

Der Illustrationsstil von Kitty Crowther ist, wie die gewählte Thematik, einfach nur mutig zu nennen, denn für ein Kinderbilderbuch atypisch duster. Man fühlt sich an die übermächtig drückende Atmosphäre in Otfried Preußlers „Krabat" erinnert. Auf den ersten Blick muten die Illustrationen fast ungelenk an. Annies Gesicht und die der Riesen sind einfach und flächig angelegt, wirken eher wie nicht weiter ausgeführte Skizzen. Dagegen kontrastieren die fein schraffierten Landschaften.

Wenn aber dann die Riesen mit Annie durch die dunklen Wälder gen Meer schreiten, sind sie es, die von innen her in der Dunkelheit leuchten. Sie symbolisieren die Hoffnung auf eine Veränderung in einer von Negativität geprägten Welt - und den Willen und die Kraft diese umzusetzen. So harmonieren die scheinbaren Gegensätze - das düster-schwere des versuchten Suizides und das kindlich-naive des Märchens geben der Geschichte eine schwebende Balance.

Schon einmal beschäftigte sich Kitty Crowther mit dem Tod: Für das Kinderbilderbuch „Der Besuch vom kleinen Tod" wurde sie mit dem Astrid Lindgren Memorial Award ausgezeichnet. Besucht wird vom Tod das kleine Mädchen Elisewin.

Wie in „Annie" versteht Kitty Crowther es auch hier meisterhaft dieses schwere Thema mit einer geradezu entrückenden Leichtigkeit anzugehen. So dass, wenn man das Buch zuklappt, ein friedvolles Lächeln die Reaktion ist. Und der Gedanke: „Ist doch gar nicht so schlimm." Was will man mit einem Buch mehr erreichen?

P.S. Keine Panik! Ihr glaubt doch nicht, dass ich euch mit der Frage der Fragen alleine lasse. Ja, die: Ob es einen Gott gibt und falls ja, wie er aussieht, verrät euch Kitty Crowther in ihrem jüngst bei Carlsen erschienenen - natürlich wunderbaren - Werk „Der kleine Mann und Gott". Was ich vorab schon mal verraten kann: Die Antwort lautet nicht „42".

Kitty Crowther
Der kleine Mann und Gott
ISBN: 978-3-551-51770-8
€ 12,90
Carlsen Verlag

Kitty Crowther
Annie
ISBN: 978-3-551-51768-5
€ 12,90
Carlsen Verlag

Kitty Crowther
Der Besuch vom kleinen Tod
ISBN: 978-3-551-51758-6
€ 12,90
Carlsen Verlag

Mouse Guard - Von Schwertern und Äxten

Wir schreiben das Jahr 1154. Im June Alley Inn hat sich wie an jedem Abend eine bunte Mischungvon Dorfbewohnern, Farmern, fahrenden Händlern - jungem, wie altem Volk eingefunden. Es ist die einzige Kneipe in Barkstone - aber deswegen kommen die Mäuse nicht. Sie genießen die herzliche Gastfreundschaft von June, die dafür in den gesamten Maus-Territorien gerühmt wird.

Aber eines Abends platzt der gutmütigen Gastwirtin dann doch der Kragen: Denn allesamt wie sie da sitzen, trinken und plaudern, stehen bei ihr in der Kreide. Ihre Ansage: Entweder zahlen oder eine Geschichte erzählen. Der beste Geschichtenerzähler bekommt die Zeche erlassen, der Rest zahlt innerhalb von sieben Sonnenuntergängen.

„Mouse Guard - Legenden der Wächter" ist eine Anthologie mit Geschichten aus dem Mouse Guard-Universum von David Petersen. Es ist der dritte Band seiner Mouse Guard-Reihe. 2008 debüttierte Petersen mit „Mouse Guard - Herbst 1152" und gewann mit seinem All Ages-Comic gleich den Eisner Award in der Kategorie „Beste Publikation für Kinder".

Die Mouse Guard-Saga ist aber beileibe kein Kuschelmäuse-Kinderbuch, sondern eine, wenn es auch zunächst widersprüchlich klingen mag, grausam-reale mittelalterliche Fantasy-Welt, in der die Mäuse, am unteren Ende der Fresskette und damit auf dem Speiseplan aller größeren fleischfressenden Spezies stehend, einen tapfer-verzweifelten Kampf ums Überleben führen.

Zwischen den Wurzeln knorriger Bäume und den Klüften klammer Bergkämme haben die Mäuse ihre Wohnstätten und Festungen angelegt, sorgsam vor den Augen ihrer schlimmsten Feinde - den Wieseln und Dachsen, den Füchsen und Habichten verborgen.

Die Mouse Guard - die Mauswacht - eine Wehr Freiwilliger, die keinem der lokalen Mäuse-Lords untersteht, sorgt für Schutz und Sicherheit in den Maus Territorien von Dawnrock im Norden bis Willowroot im Süden und von Pebblebrook im Westen bis zur Grenze am Wild Country im Osten.

Die Idee, das Mouse Guard-Universum nicht als quietsch bunte Parallelwelt à la Bernard und Bianca anzulegen, sondern es gleichsam in eine reale mittelalterliche Welt zu implementieren, setzt David Petersen konsequent in Strich und Kolorierung um.

So nimmt er die die Gegebenheiten der natürlichen Lebensumgebung von Mäusen in Feld, Wald und Wiese - Erde, Felsen, Laub, Unterholz - und die jeweiligen Jahreszeiten als Palette für seine Illustrationen. So herrschen in „Mouse Guard - Herbst 1152" die erdig-warmen Farbtöne des Herbstes vor: alle denkbaren Mischvarianten von Braun, Rotbraun, Beige, Gelb, Grün, Grau, Ocker und Schwarz, was die Mäuse mit ihrer Umgebung nahezu verschwimmen lässt.

Die Handlung des zweiten Bandes „Mouse Guard - Winter 1152" spielt wiederum in einer komplett eingeschneiten Landschaft. Die Dunkelheit des Nachthimmels und der das Mondlicht reflektierende Schnee geben starke Kontraste vor, sodass hier klare Konturen und „kalte Farben" - blau und weiß, schwarz und violett - dominieren.

Bereits zum viel beachteten Start von Mouse Guard steuerten Zeichnerfreunde und -kollegen von David Petersen „Pinups" der Mäusehelden bei, die im Anhang der sehr schön ausgestatteten Comics präsentiert werden. Die Idee reifte, sie ebenfalls Geschichten der Mauswacht erzählen zu lassen. Aber wie diese in die jahreszeitliche Chronologie einbetten? So entstand die Anthologie „Mouse Guard - Legenden der Wächter". Ein mutiges Konzept, denn nicht jeder Kreative gibt gerne sein „Baby" in die Obhut anderer.

Das Ergebnis ist mehr als überzeugend. Zwölf fesselnde Geschichten umfasst die Anthologie, die vom selbstlosen Einsatz der Mauswacht und ihrer Gründer in der Altvorderenzeit erzählen. Petersen verbindet die einzelnen Stories mit Brückenszenen aus dem June Alley Inn - bis schließlich June den Sieger verkündet. Wie immer bei kreativen Wettbewerben, bleibt es eine subjektive Entscheidung, welche Geschichte letztendlich die beste ist.

Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie das Mouse Guard-Universum mit packenden Geschichten bereichern und, dass trotz der beeindruckenden Bandbreite der dargebotenen individuellen Stile Mouse Guard von allen Comic-Künstlern kongenial interpretiert wurde.

All Ages-Comics, die man guten Gewissens älteren Kindern empfehlen kann und dennoch für Erwachsene kein Kinderkram sind, gibt es leider nur sehr wenige - Mouse Guard gehört dazu.

Mouse Guard - Legenden der Wächter
ISBN: 978-3-942649-68-1
Hardcover, vierfarbig, 144 Seiten

Mouse Guard - Winter 1152
ISBN: 978-3-941248-26-7
Hardcover, vierfarbig, 196 Seiten

Mouse Guard - Herbst 1152
ISBN: 978-3-936480-55-9
Hardcover, vierfarbig, 192 Seiten

Empfohlen: Ab 8 Jahre
je € 24,90
Cross Cult

Mehr als die Summe seiner Teile es ist.

Ist die Erfindung des Konstruktionsspielzeugs LEGO ein Geniestreich an sich gewesen (1958 patentiert), muss die Einführung der sogenannten Minifiguren 1978 als Quantensprung für das Spielsystems gewertet werden. Denn nun verschob sich der Fokus vom mehr oder weniger abstrakten Konstruieren hin zu spielbareren Welten - Rollenspielwelten - bevölkert von Rittern, Piraten, Astronauten u.v.m.

Mit dem Kinostart von „STAR WARS Ep. I - Die dunkle Bedrohung" 1999 vollzog sich ein weiterer bedeutsamer Schritt: Zwei der erfolgreichsten Marken der Welt gingen eine Allianz ein: Die ersten LEGO STAR WARS Sets kamen auf den Markt - vor allem Raumschiffe und Fahrzeuge aus dem STAR WARS Paralleluniversum.

Was dabei natürlich nicht fehlen durfte, waren die STAR WARS Helden, die Protagonisten als LEGO Minifiguren. Liebevoll miniaturisierte Pressgranulat-Kopien der fantastischen Weltraumhelden auf der Leinwand: So bekam die Minifigur von Prinzessin Leia Organa tatsächlich die wagnereske Schneckenfrisur ihres menschlichen (oder sollte man besser sagen: „alderaanischen"?) Vorbildes.

Anfangs mussten sich die LEGO STAR WARS Minifiguren noch mit den gelben Gesichtern ihrer Kollegen aus den anderen LEGO Welten mit der „Ein-Strich-Zwei-Punkte-Mimik" zufrieden geben. Da gab es vielleicht mal ein Headset oder einen Bart ins Gesicht gedruckt, das war es aber auch schon. 2005 - zum Start von „Episode III - Die Rache der Sith" - wurden dann hautfarbene Köpfe (und Hände) mit einer individuellen Mimik eingeführt.

Da viele Sets in überarbeiteten Wiederauflagen auf den Markt kamen, gibt es Leia & Co. nicht nur in verschiedenen Versionen - also in den Outfits der jeweiligen Filme und Einsätze (Leia z.B. in Prinzessinnen-Robe (Ep. IV), als Sklavin von Jabba dem Hutt (Ep. V) oder in Camouflage (Ep. VI) - sondern auch in verschiedenen Varianten mit gelben und „natürlichen" Gesichtern.

So existieren allein zehn Luke Skywalker-Varianten, und von einer Variante wiederum fünf Versionen. Die Minifigur der Kopfgeldjägerin Zam Wesell dagegen wurde nur ein einziges Mal für das Set „Bounty Hunter Pursuit - 7133" realisiert.

Dazu kommen exklusive Minifiguren. Für das „Lexikon der LEGO STAR WARS Figuren, Raumschiffe und Droiden" (Dorling Kindersley, ISBN 978-3-8310-1555-9) beispielsweise wurde einmalig eine Figur von Luke Skywalker aufgelegt, die ihn im Outfit der Schluss-Szene von Ep. IV zeigt, in der er zum Dank für die Vernichtung des Todessterns die Heldenmedaille verliehen bekommt.

Bei mittlerweile mehr als 300 verschiedenen LEGO STAR WARS Minifiguren kann man natürlich den Überblick verlieren. Verhindern kann dieses das „LEGO STAR WARS Lexikon der Minifiguren" (Dorling Kindersley, ISBN 978-3-8310-2038-6, € 16,90).

Wie es sich für Prinzessinnen, Schurken und Helden gehört, ist jeder einzelnen Minifigur eine eigene Seite gewidmet. Das Lexikon richtet sich natürlich an LEGO STAR WARS Fans, aber egal, ob man nur ein Freund von LEGO oder Fan von STAR WARS ist - es ist im jeden Fall eine Bereicherung.

Denn hier, in der bis zu 4,5-fachen Vergrößerung (die Minifiguren sind ca. 4 cm groß) der Lexikonabbildungen, sieht man erst die spielerischen Details des Minifigur-Designs und man wird genötigt, den LEGO Designern erneut Bewunderung auszusprechen, die es schaffen nur durch die Bedruckung von ein paar Quadratzentimetern Plastik und der Formung der individuellen Kopfform (eigentlich ist es nicht der Kopf, sondern entweder Helm, Haar, oder etwas, was einen Teil des Kopfes darstellt, wie beispielsweise die Kopftentakel von Ahsoka Tano oder die Hörner von Savage Opress, die auf oder über die Köpfe gesetzt werden), den Minifiguren die Seele ihrer Vorbilder einzuhauchen.

Neben der Beschreibung und den Hinweisen auf spezielle Merkmale der jeweiligen Varianten und Versionen der Figuren, wird angegeben, wann und in welchen Sets sich diese befunden haben.

Oder man erfährt, dass Zam Wesell ihren Pilotenhelm zwar exklusiv im LEGO STAR WARS Universum tragen darf, dass aber auch die Minenarbeiter von LEGO Rock Raiders und LEGO Power Miners mit diesem Helmmodell ihre zerbrechlichen Plastikschädel schützen.

Und LEGO STAR WARS hat tatsächlich seine „Blaue Mauritius" - eine Minifigur, die durch einen Fehler besonders selten ist. Im Set „Republic Cruiser, 7665" ist Qui-Gon Jin zwar korrekt als Jedi gekleidet (in beige mit braunem Umhang), aber: Er bekam den Kopf von Obi-Wan Kenobi aus dem Set „General Grievous Chase, 7255" verpasst ...

Das Lexikon ist chronologisch in der inhaltlichen Abfolge der STAR WARS Episoden inklusive CLONE WARS und EU (= Erweitertes Universum, u.a. STAR WARS in Videospielen) geordnet und hat neben dem nach Kapiteln geordneten Inhaltsverzeichnis ein nach Charakteren systematisiertes Register.

Besonderes Extra des Lexikons ist eine exklusive Minifigur von Han Solo im Outfit der Heldenzeremonie am Ende von Ep. IV.

Titel: LEGO STAR WARS Lexikon der Minifiguren
Verlag: Dorling Kindersley
ISBN: 978-3-8310-2038-6
Preis: € 16,90
208 Seiten, gebunden, über 500 farbige Abbildungen
mit exklusiver LEGO STAR WARS Minifigur

STAR WARS in 3D - Die Bedrohung

Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich STAR WARS für eine der großartigsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts halte, was mich nicht davon abhält, eine kritische Distanz zu wahren und George Lucas auf ewig Gram zu sein für die Ewoks, die Gungans und viele lächerliche Dialoge und manchmal hanebüchene schauspielerische Leistungen. Er ist halt kein Regisseur, dessen herausragende Stärke es ist, Schauspieler zu führen, sondern ein detailversessener Tüftler - aber immerhin hat er ein ganzes Paralleluniversum erschaffen.

So war es für mich auch keine Frage, „STAR WARS Ep. I - Die dunkle Bedrohung - 3D", anzuschauen, auch, wenn er der Schwächste aller sechs Filme ist. Gleich vorab, der 3D-Effekt ist marginal und zutiefst unbefriedigend (ganz abgesehen davon, dass 3D so überflüssig wie ein Kropf ist).

Zu hoffen war, da Ep. I einer der ersten Filme ist, der fast ausschließlich vor dem Green Screen mit mehr als 80 %-igen Digital-Anteil gedreht wurde, dass George Lucas so schlau und weitsichtig damals war (was er ja tatsächlich ist), gleich an 3D zu denken, denn das war ja auch schon Ende der 90er weit in der Entwicklung, und dass so Ep. I ein ordentliches 3D-Spektakel (Podracer-Rennen, Schlacht um Naboo) abgeben würde.

Er ist aber nur teilweise in 3D, bei manchen Szenen war fast nichts von einem 3D-Effekt zu merken. Wenn ein dreidimensionaler Effekt zu sehen war, dann war erschien er ziemlich plump und scherenschnittartig, meistens hat man sich auf im Vordergrund befindliche Objekte konzentriert. Ich hatte sogar den Eindruck, als wenn die Bildqualität insgesamt unter der Nachbearbeitung gelitten hätte, die Lichtschwerter sahen seltsam verwaschen aus, die Farbigkeit ging in einer Sequenz in die Rotstichigkeit über und manches andere mehr.

Ich beschwerte mich auch wegen der Schärfe der Projektion, ein ewig leidiges Thema (Die Kinos sind selber schuld, wenn dann auch noch die letzten Filmfans lieber zuhause DVD gucken, als mit 2 Dioptrien Gesichter auf der Leinwand erraten müssen.) und der Kartenabreißer beteuerte, es an den Filmvorführer weitergegeben zu haben, aber man sah keine Verbesserung. Er fügte auch noch hinzu, die mangelnde Schärfe wäre generell ein Problem dieses Films. Das kann ich nicht beurteilen. Auf DVD und Flat-TV sieht der Film jedenfalls um Klassen besser aus. Das 3D ist dazu ein Tiefen-3D, wie beim Nintendo DS, nicht, das „Außere", also wenn einem die Lanzen direkt ins Auge zu piken scheinen.

Ich bin gespannt, ob wirklich Ep. IV - VI in 3D kommen werden, die sind ja komplett analog gedreht worden (bis auf die später hineinkopierten Raumschiffe und Kreaturen).

P.S. Im Kino waren in der 20:00 Uhr-Vorstellung gestern, Mittwoch, 8.2.2012, keine 10 Personen ...

Therapieersatz: Der alltägliche Kampf

Es mag despektierlich klingen, wenn gesagt wird, dass „Der alltägliche Kampf" ein Comic für Nicht-Comicleser ist, was aber so nicht gemeint ist. Vielleicht sollte man besser sagen: „Der alltägliche Kampf" ist ein Comic, der auch skeptischen Nicht-Comiclesern die 9. Kunst, den Comic, nahe bringen kann.

Denn Larcenet - Autor und Zeichner zugleich - ist jemand, der weiß, wie man eine Geschichte erzählt, und der versteht, diese kongenial in Bilder zu übertragen. Und dieses mit einer spielerischen Leichtigkeit, dabei präzise in Text und Bild gleichermaßen, mit dem Blick fürs Detail ohne die vielfältigen Vernetzungen, die uns in unserem alltäglichen Leben umstricken, aus den Augen zu lassen.

Worum geht's? Nun, es geht um den sich ewig wiederholenden alltäglichen Lebenskampf, es geht ums erwachsen werden, ums verlieben und nicht wissen, was damit anfangen, es geht um Schmerz, Verlust und Tod, aber auch um unverhoffte Geschenke, neue Erkenntnisse und Perspektiven.

Im Mittelpunkt dieser heiter-melancholischen Tragikkomödie steht Marco, ein junger Fotograf, der nicht mehr von den Kriegsschauplätzen der Welt berichten mag und aufs Land zurückkehrt, wo er mit der Vergangenheit seiner Eltern, der tristen Gegenwart seiner Freunde, die (noch) auf den Werften arbeiten, und einer sehr ungewissen Zukunft konfrontiert wird.

2004 erschien der erste Band, der gleich auf dem Internationalen Comicfestival Angoulême als "Bestes Album" ausgezeichnet wurde. Nun sind die vier einzelnen Bände zu einer Gesamtausgabe zusammengefasst worden, nur wenig kleiner als das Originalformat der Alben, damit sehr gut lesbar und handlich dazu.

Reprodukt
Der alltägliche Kampf
252 Seiten, farbig, 19 x 25,5 cm, Klappenbroschur
ISBN 978-3-941099-26-5
EUR 29,00

Best haircut ever: Son Goku!

Legendäre Helden - Legendäre Filme! Wäre die Serie Dragonball ein Auto, sie wäre ein VW-Käfer und gäbe es einen Preis für die Frisuren animierter Superhelden, dann wäre er Super-Saiyajin Son Goku nicht zu nehmen - ein jahrzehntelang erfolgreicher Evergreen, eine Legende, eine liebevoll gehegte Erinnerung, kurz: Der Anime. Doch nach dem Spiel ist vor dem Spiel - mit dieser Dragonball Z Film-Box wird die Legende fortgeschrieben, vier brandneue Geschichten, die außerhalb der Handlung der Serie stattfinden. Das bedeutet alte Helden, neue Feinde, überraschende Stories und gewohnt brillante Action. Diese Box vereint die ersten vier Kinofilme der Dragonball Z-Reihe, einer der beliebtesten Anime-Serien der Welt!

Die Filme:

- Die Todeszone des Garlic Jr.
- Der Stärkste auf Erden
- Die Entscheidungsschlacht
- Super-Saiyajin Son Goku

Vertrieb: AV Visionen
EAN: 7640105236855
Originaltitel: Ora no Gohan o Kaese!! Kono yo de Ichiban Tsuyoi Yatsu Chikyuu Marugoto Chou Kessen Chô Saiyajin da Son Goku
Regie: Daisuke Nishio (Film 1-3); Mitsuo Hashimoto (Film 4)
Land: Japan
Jahr: 1989
Extras: -
1. Box von 3
Preis: € 36,99
FSK: 12
Bildformat 4:3
Tonformat: Dt. DD 2.0, Jap. DD 2.0
Untertitel: Deutsch
Anzahl der Discs: 4
Laufzeit: 45 Min., 60 Min., 60 Min., 45

Im Labyrinth verlaufen

Das Labyrinth der Träumenden Bücher" von Walter Moers ist das erste Buch, das mich verärgert hat, ja, regelrecht verärgert hat. Das heißt nicht, ich wäre kritiklos. Aber in der Regel legt man ja ein Buch einfach beiseite, wenn es einem aus dem einen oder anderen Grunde nicht gefällt oder, wenn es einfach murks ist. Ich weiß nicht mehr, wer es gewesen ist, der sagte, spätestens nach 40 Seiten oder so würde sich entscheiden, ob man ein Buch mag oder nicht. Das geht bei mir sehr viel früher, ein paar Seiten und ich weiß, ob der Mensch, der hier etwas Geschriebenes zu Papier brachte, etwas zu erzählen hat und ob er versteht, es zu erzählen.

Bei einer Buchrezension ist das anders, da kann man den Buchdeckel nicht einfach zuklappen. Da steht die Verpflichtung im Raum, das Urteilen auf eine solide Basis zu stellen und die schmalste wäre, zumindest das Buch gelesen zu haben - was nicht unbedingt immer der Fall sein soll, habe ich mir sagen lassen. Also, die Pflicht verhinderte einen vorzeitigen Abbruch der Lektüre, was vielleicht mit ein Grund ist, dass die anfänglichen Reaktionen, wie Langeweile und Enttäuschung in Widerwillen, später in Zorn mündeten, der, wieder abgekühlt, einer nüchternen Empörung Raum machte.

Diese Empörung findet ihre Nahrung in dem Umstand, dass mit „Das Labyrinth der Träumenden Bücher" gar kein Roman im eigentlichen Sinne abgeliefert wird. Ohne einen Spoiler produzieren zu wollen, sei nur so viel inhaltlich verraten: Hildegunst von Mythenmetz zieht es 200 Jahre nach dem verheerenden Brand wieder nach Buchhaim, wo er feststellen muss, dass die Stadt prosperiert und eine Kunstform namens „Puppetismus" hervorgebracht hat. Nach 418 unsäglich quälend langweiligen Seiten, auf denen sich eine Aufzählung an die andere reiht, gelangt man schließlich zu einem Kapitel , dem letzten Kapitel des Buches, mit dem Titel - ihr werdet es nicht glauben - „Das Labyrinth der Träumenden Bücher" und dann ist nach 9 (!) Seiten der Spuk mit dem Satz vorbei: „Hier fängt die Geschichte an".

Neben den nicht enden wollenden sentimentalen Reflexionen des fiktiven Autors Hildegunst von Mythenmetz enthält „Das Labyrinth der Träumenden Bücher" eine 80-seitige Inhaltsangabe (!) des Buches „Die Stadt der Träumenden Bücher" in Form einer Theaterstückrezension und, als wäre das noch nicht genug, weitere 30 (!) Seiten mit der Aufzählung der unterschiedlichsten Darstellungsformen des „Puppetismus". Hier ist der Autor wenigstens so gütig anzumerken, man könne diesen Abschnitt auch getrost überspringen, es täte der Handlung keinen Abbruch (Die Fußnote hätte er aber eigentlich jedem Kapitel beigeben können.). Genauso wie der Autor in einem Nachwort (reumütig?) zugibt, die Komplexität des Stoffes und der drohende Abgabetermin hätten ihn bewogen, den Roman auf zwei Bücher zu verteilen, dieser hier sei eigentlich nur die „Ouvertüre".

Nun frage ich euch, was ihr denken und empfinden würden, wenn ihr ein Game erwerbt, welche sich nach dem Intromovie damit verabschiedet, dieses sei nur ein Teaser gewesen, und ihr sitzt da, rechts die Cola, links die dampfende Pizza, und der Zockerabend ist vorbei, bevor er begonnen hatte?

Was ist hier bloß geschehen? fragt man sich. Fällt Herrn Moers nichts mehr ein? Immerhin sind seit seinem Erfolg „Die Stadt der Träumenden Bücher" sieben Jahre vergangen und das zuletzt erschienene Zamonien-Werk „Der Schrecksenmeister - Ein kulinarisches Märchen" (2007) konnte einen nun wirklich nicht vom Küchenschemel hauen. Wollte der Verlag mit einem neuen Zamonien-Werk von Moers mit Biegen und Brechen in die Marktlücke stoßen, die die Beendigung der Harry Potter-Reihe geschaffen hat?

Ganz abgesehen davon, dass mit dem Teen-Vampyre-Trend allgemein der Appetit nach Fantasy-Futter wieder frisch geweckt ist.
Auffällig sind auch die auch im Buch immer häufiger aufzufindenden Fußnoten und Verweise auf „Die Stadt der Träumenden Bücher" und selbst die Klappentexte, die die lobenden Worte der Kritik zitieren, beziehen sich nicht etwa auf das aktuelle Buch, sondern allesamt auf den Vorläufer „Die Stadt der Träumenden Bücher".

Es ist nichts dagegen einzuwenden, eine Idee auszuwalzen, und den Lesern den Stoff zu geben, nach dem sie verlangen. Es wirft ja auch niemand J.K. Rowling vor, dass sie sieben dicke Harry Potter-Bücher auf verfasst hat und nicht nur einen. Aber eine minimale Bedingung wäre dann doch zu stellen: Es sollte etwas zu erzählen sein. Was hätte Moers nicht alles aus den „13 1/2 Leben des Käpt´n Blaubär" herausholen können, diesem Füllhorn an Ideen, Protagonisten und Geschichten. Damit hätte Moers ein ganzes Zamonien-Epos begründen können. Leider hetzte er aber damals mit seinem blaublütigen Bären über seinen Phantasie-Kontinent - gerne wäre man noch hier und da noch länger verweilt. Vorbei. Geschichte. „Das Labyrinth der Träumenden Bücher" erzählt allerdings leider keine Geschichte. Schade.

Gebundenes Buch, Pappband mit Schutzumschlag, 432 Seiten, 17,0 x 24,0 cm
über 100 Illustrationen
ISBN: 978-3-8135-0393-7
€ 24,99 [D] | € 25,70 [A] | CHF 35,50* (empf. VK-Preis)

Dinosaurier

Hätte nicht die Evolution, sondern ein Spielzeughersteller die Dinosaurier erfunden, man hätte die Kreationen der Ingenieure und Designer der Firma „Dinosaur Inc." wohl für etwas überspannt abgetan. Was für eine groteske Vorstellung, dass waffenstarrende Riesenwesen in Millionen von Jahren langen Zyklen - Seasons?! - gegeneinander antreten. Mit immer neuen bizarren Items ausgestattet, wie unterarmlangen rasiermesserscharfen Zähne, dolchartigen Klauen, die gegen schier undurchdringliche Panzer anrennen, die mit Stacheln, Hornplatten und allerlei anderen nützlichen Power-Ups zur Verteidigung gespickt sind.

Die ganze Chose begann also nicht in den 80ern in Taiwan, sondern vor 230 Millionen Jahren, als der Superkontinent Pangäa die Erde umspannte. Bereits hier äst Plateosaurus die Weiden des späteren Europas ab, während Herrerasaurus, einer der ältesten Raubsaurier, Jagd auf die Pflanzenfresser im argentinischen Trias macht.

Schluss, aus, finito war dann vor 65 Millionen Jahren, als alle Dinosaurier ausstarben. Ein Ladenhüter, der aus den Regalen der Evolution entfernt wurde? Auch, wenn es an mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Klimaveränderung war, die den Dinos den Garaus machte - ausgelöst durch vermehrte Vulkantätigkeit und/oder einen Meteroiteneinschlag - zumindest waren sie nicht selber an ihrer Vernichtung schuld wie der Mensch, der sich mit fast bewundernswerter Konsequenz und Ignoranz den evolutionären Ast absägt, auf dem er einst spross.

Aber der Mensch wird chronologisch folgerichtig erst im 2. Band der neuen Kindersachbuch-Reihe „memo" des Verlages „Dorling Kindersley" behandelt. Band 1 widmet sich den Dinosauriern. Fangen wir ausnahmsweise mal hinten an: Denn da findet sich im Umschlag des 72 Seiten starken Sachbuches ein herausnehmbares Poster und das ist, das auch vorweg genommen, allein schon ein Grund genug, den Erwerb dieses hervorragenden Kindersachbuches zu erwägen.

„Poster" ist eigentlich der falsche Begriff, denn hier duellieren sich keine „Jurassic Parc"-Insassen. Es ist mehr eine DIN A1-Schautafel, die mit aufwändigen Real-Illustrationen und Fotografien über die verschiedenen Wissensgebiete des Themas „Dinosaurier", wie „Klassifikation", „Merkmale", „Spuren", „Abwehr und Schutz" Auskunft gibt. Den Eyecatcher im Zentrum gibt ein prächtiger Monolophosaurus, der so lebensecht wirkt, dass man meint, er wäre im Begriff, aus dem Poster zu springen.

Wie das Poster sind auch die Kapitel in die oben erwähnten Themengebiete unterteilt und bieten zusätzlich eine Fülle an Hintergrundinformationen zu Techniken der Archäologie, der Geschichte der Entdeckung der Dinosaurier und noch vieles mehr. Wissenschaftlich den letzten Schliff geben eine Klassifikations-Diagramm, ein Glossar, ein Index, eine Chronik, weiterführende Informationen zu deutschen Seiten im Web, Tipps für Museen im deutschsprachigen Raum und - ein besonderes Schmankerl - eine Namensliste der Dinosaurier, sowohl die wissenschaftlichen Lateinischen und Griechischen als auch die Deutschen mit Erklärungen zur Namensgebung.

Wer hätte es gewusst? Dinosaurier-Namen haben ihren Ursprung in ihrer Beschreibung, in der Charakterisierung ihrer Eigenschaften, der Angabe ihres Fundortes oder im Namen des jeweils spezifizierenden Wissenschaftlers. Manchen Wissenschaftler scheinen da angesichts der vor ihm ausgebreiteten versteinerten Skelette romantische Gefühle überkommen zu haben, denn „Eocursor" ist nicht eine App für das iPhone sondern der „Läufer der Morgenröte" ...

Fazit: Inhaltlich absolut empfehlenswert; für Kinder wie Erwachsene geeignet; sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis

Objekt: Dinosaurier (1. Band der Reihe „memo - Wissen entdecken")
Altersempfehlung: ab 7 Jahren
Preis: EUR 9,95 (D), 10,30 (A), SFR 14,90
Verlag: Dorling Kindersley
ISBN: 978-3-8310-1877-2

Blubb - Leben unter Wasser

Wie fern der Fisch dem Menschen ist, wird bewusst, wenn man den Blickwinkel in Augenschein nimmt, unter dem der Mensch den Fisch in erster Linie wahrnimmt.
Sucht man nämlich zum Beispiel auf einem der einschlägigen Online-Einkaufs-Portale nach Karten, die Fischarten zeigen, wird man nur Poster finden, die die kulinarischen Eigenheiten unserer glitschigen Vorfahren in den Ozeanen, Seen und Flüssen beschreiben.

Wer sich über Fischstäbchen und Sushi hinaus für die 25.000 Fisch-Arten interessiert (jede Sekunde wird es wohl eine weniger sein, wenn man die Aspekte der Raubfischerei und Meeresverschmutzung in Betracht zieht), die sich auf unserem Planeten seit 460 Millionen Jahren tummeln, dem sei „Blubb - Leben unter Wasser" in die Flossen empfohlen.

„Blubb" gehört in die Reihe von Tierbüchern aus dem Verlag Dorling Kindersley, in der zuerst das preisgekrönte "Bsss - Die ganze Welt der Insekten" erschien (welches 2008 in der Kategorie „Perspektive - Das beste Sachbuch für junge Leser" den 2. Platz errang) und auch „Piep - Die ganze Welt der Vögel". Wie „Bsss" und „Piep" besticht „Blubb" mit opulenten Bildern und detaillierten Grafiken, die beispielsweise das Innenleben eines Fisches zeigen.

Ob spielerisch mittels einer Schatzsuche oder komplexer die Nahrungskette der Meeresbewohner und die damit verbundenen Kontaminationen durch Giftstoffe erklärend - auf 144 Seiten mit 450 Abbildungen präsentiert das Buch mit immer neuen redaktionellen und grafischen Mechanismen das Thema Fische und ihre Lebensräume faszinierend und lehrreich.

Fazit: An sich hat der Verlag hier an eine jüngere Zielgruppe gedacht, aber wissbegierige Erwachsene, die sich gerne überraschen lassen, werden ihre helle Freude haben, und die blubbernden Zeitgenossen unter Wasser in Zukunft vielleicht nicht mehr nur als Beilage zu Speck-Kartoffeln sehen.

Objekt: Blubb - Leben unter Wasser
Altersempfehlung: ab 7 Jahre
Preis: EUR 19,95
Verlag: Dorling Kindersley
ISBN: 978-3-8310-1430-9

Das große Kinderlexikon

Ältere Menschen neigen gerne zum Pauschalurteil „Früher war alles besser". Bei manchen Dingen, zum Beispiel was die Nahrung angeht, mag das zutreffen, allerdings nicht in punkto Lehrwerke für Kinder. Der Verfasser dieser Zeilen bekam zu seiner Einschulung ein „Jugend Lexikon" geschenkt. Es ist so, wie man sich ein klassisches Lexikon vorstellt: im Buchformat, dick, schwer, 650 Seiten stark und ... mit sehr wenigen Abbildungen. Manche Doppelseite kommt sogar ganz ohne Abbildungen aus, die meisten Seiten geben sich mit einer Illustration zufrieden. Der Umstand, dass der Einband zerfleddert ist, könnte den Eindruck erwecken, das Lexikon sei intensiv genutzt worden, aber das könnten auch die Folgen einer robusten, dem damaligen Alter des Besitzers entsprechenden Behandlung sein, denn obwohl der Verfasser dieser Zeilen ein leidenschaftlicher Lexikonbenutzer ist, kann er sich nicht erinnern, dieses „Jugend Lexikon" jemals mit Begeisterung zur Hand genommen zu haben.

Springen wir in die Gegenwart. Was bedeutet, dass zum Einen für viele Kinder in wenigen Wochen ein unglaublich spannendes Ereignis ansteht: der erste Schultag nämlich. Zum Anderen haben sich Lexika für Kinder weiterentwickelt „Das große Kinderlexikon" (erscheint am 16. August 2011 bei Dorling Kindersley) zum Beispiel trägt dem Entdeckungshunger, der die Erstklässler mit Begeisterung in die Schule stürmen lässt (zumindest anfangs noch), Rechnung, in dem es nicht öde das Wissen der Welt alphatisch abhandelt, sondern es in Themenräume, nein sagen wir eher in: „Entdeckerräume" einteilt.

So, wie die Menschheit einen Kontinent nach dem anderen (und auch nicht in alphabetischer Reihenfolge) entdeckte und erforschte, so laden die Kapitel des Buches ein, in die Themengebiete einzutauchen. Die Bündelung der zu erklärenden Begriffe in thematische Räume, wie zum Beispiel „Länder und Kontinente", „Der menschliche Körper" oder „Die „Zeit der Dinosaurier" erleichtern den Wissens-Zugang und machen komplexe Systeme, die Zuordnung ihrer Elemente untereinander und ihre gegenseitige Interaktion und Korrelation leicht verständlich.

„Das große Kinderlexikon" bringt es zwar „nur" auf 300 Seiten, dafür sind die aber großformatig und strotzen nur so von Abbildungen: 2000 sind es, meist freigestellt, so dass die Seiten mit ihren großen und in der Regel gut lesbaren Schriften sehr lebendig sind und bei aller Vielfalt der in „Bits & Bytes" aufgefächerten Wissensinseln dennoch übersichtlich. Immer gibt es Neues zu entdecken. Jede Doppelseite wartet als Fußnote mit einer Quizfrage zum Themengebiet auf, die auch gleich an der Stelle (auf dem Kopf stehend) beantwortet wird, was lästiges Hin- und Herblättern erspart.

Die Rubrik „Probier´s aus!" präsentiert Ideen zum Basteln und Experimentieren, der Button „Interessant" verblüfft mit ungewöhnlichen Staun-Infos. „Mehr wissen" verweist mit den entsprechenden Seitenzahlen auf verwandte Themengebiete. Neben einem Register findet sich im Anhang auch ein Stichwort-Verzeichnis, in dem Schlüsselbegriffe erklärt werden. Die Texte sind kindgerecht, gehen spielerisch mit dem Wissen um und die Sätze sind dem Rezeptionsvermögen der Kinder entsprechend kurz und mit einfachem Satzbau gehalten.

Lobenswert ist auch die Einleitung des Buches, die die verschiedenen oben beschriebenen Mechanismen des Lexikons erklärt. Eltern, Tanten und Opis, die das Lexikon verschenken, sollten sich unbedingt ein paar Minuten Zeit nehmen und sich die „Gebrauchsanweisung" zusammen mit ihren Schützlingen anschauen.

FAZIT: Empfehlenswertes Lexikon für Kinder - Zum Einsteigen und auch dabei bleiben. Denn merke: Gut gemachte Lehrwerke für Kinder sind auch fantastische Fundgruben für Erwachsene.

Objekt: Das große Kinderlexikon
Altersempfehlung: ab 7 Jahre
Preis: EUR 16,95
ISBN: 978-3-8310-1940-3
Verlag: Dorling Kindersley

Piep - Die ganze Welt der Vögel

Wer war zuerst da - die Henne oder das Ei? Die Frage, die die Menschheit schon so lange beschäftigt, wie es Henne und Ei gibt, ist beantwortet! „Piep - Die ganze Welt der Vögel" beantwortet diese elementare Frage. Aber, keine Sorge, wir sind keine Spielverderber, die Antwort müssen sie schon selber auf Seite 100 nachschlagen.

„Piep" - man muss schon Mut haben als Verlag, einem Wissensbuch einen solch albernen Namen zu geben. Aber außergewöhnliche Dinge verlangen eben nach ungewöhnlichen Maßnahmen und „Piep" ist ausgesprochen außergewöhnlich. „Vögel - gähn!", wollten Sie gerade sagen? Sie finden Wale majestätischer, Dinosaurier gruseliger und das Haustier-Triumvirat Hund, Katze, Kaninchen niedlicher? Wir garantieren ihnen: Nach der Lektüre von „Piep" werden sie sich in ihrer unmittelbaren Umgebung nach jedem Piepmatz mit mehr Respekt umschauen, denn die erstaunlichen Fakten, die hier in einer unglaublichen visuellen Opulenz (450 Fotos) und mit viel grafischem Witz und Spielfreude präsentiert werden, haben es in sich.

„Piep" lebt von konkreten grafischen oder illustrativen Vergleichen. Zum Beispiel werden Flügelformen und damit die Art der Fortbewegung verschiedener Vogelarten Flugzeugtypen gegenübergestellt. Ein paar Seiten vorher findet sich in dem 144 Seiten dicken Buch ein lustiges Würfelspiel und der Verlag wagt sogar lizenzrechtlich ungeheures: Er erlaubt nicht nur, er fordert sogar dazu auf, die Doppelseite mit dem „Top Trumps" Vogel-Quartett zu kopieren oder zu scannen, um damit zu spielen.

Man kann sich natürlich streiten über Sinn oder Unsinn von Gadgets, mit denen seit geraumer Zeit die Verlage erst Kinder-, dann auch Erwachsenenbücher (Kochbücher mit Löffeln, Schürzen usw. usf.) ausrüsten, aber eins ist gewiss: Wer sich noch einen Rest Kind(lichkeit) bewahrt hat, wird immer wieder mit neuem Entzücken und einem leicht versteckten Glucksen die Buttons der zwei Vogelstimmen-Soundmodule drücken, die sich in dem Umschlag des Buches befinden - denn es macht schlicht einfach Spaß, dem Buch die Vogelstimmen zu entlocken.

FAZIT: Ein höchst amüsantes, vielseitiges und schlau machendes Buch über Vögel, das auch bis dato Nicht-Vogelfans trefflich zu unterhalten weiß. Und falls ihr Kind immer noch „gähn!" sagen will, wenn das Thema „Vögel" zur Sprache kommt, dann erklären sie ihm, dass die Vögel die einzigen Nachfahren der Dinosaurier sind. Übrigens, unsere Namensvorschläge für mögliche weitere Ausgaben dieser Reihe: „Brüll!" für Raubtiere und „Roaaarrr!" für Dinosaurier ...

Objekt: Piep - Die ganze Welt der Vögel
Altersempfehlung: ab 8 Jahre
Preis: EUR 19,95
Verlag: Dorling Kindersley
ISBN: 978-3-8310-1681-5

LEGO PIRATES Buch & Steine-Set

Spielen oder Schmökern - manchmal haben es Kinder schon schwer, sich zwischen zwei Dingen entscheiden zu müssen. Arbeiten, Rasen mähen oder Spülen sind da zwar ganz doofe Optionen, die irgendwann mal in weiter grauer Zukunft auf sie zukommen werden, aber jetzt, der Kindheit sei Dank, noch keine Rolle spielen. Aber halt! Was wäre denn, wenn man beides miteinander kombinieren würde: Spielen und Lesen?

„Dorling Kindersley" ist ein Verlag, der schon immer anderen eine Nase lang voraus war, was Innovationen angeht, und kombiniert kurzentschlossen zwei der schönsten Beschäftigungen der Welt miteinander, und kreiert daraus das „LEGO PIRATES Buch & Steine-Set": Was ein wenig sperrig klingt, ist die schlicht geniale Idee, eine LEGO Themenwelt mit einem Buch zu kombinieren oder anders herum. Das „LEGO Pirates Buch & Steine-Set" beispielsweise kommt mit 140 LEGO Steinen, zwei Minifiguren und Bauanleitungen für 16 verschiedene LEGO Modelle aus der Welt der Piraten.

Das Ganze ist liebevoll als dickes Buch aufgemacht. Im Inneren des Buchrückens befindet sich die Box mit den LEGO Steinen, die sogar eine LEGO Steine-Inventarliste enthält. Blättert man nun ins Buch hinein, entfalten sich die Kapitel, die eine Kombination aus dem Bauen der jeweiligen LEGO Module bilden, einer Geschichte, die dazu erzählt wird und kleinen Wissens-Bits, die eingesprengselt werden. Für die „Schatzinsel" sind zum Beispiel die Mini-Figuren, „Soldat" und „Pirat", ein „Ausrüstungsstand", ein „Floß", eine „Tropenhöhle", ein „Fort" und eine „Kanone" zu bauen.

Die Bauanleitungen sind, wie man es von LEGO kennt, klar gegliedert, und kommen ohne Texte aus. Hat man ein Kapitel abgeschlossen, muss man zwar die Module des vorherigen wieder demontieren, aber das ist ja schließlich die Philosophie von LEGO, immer wieder aus vielen kleinen Elementen neue komplexe Gebilde und Geschichten entstehen zu lassen.

Einzige Kritik: Ausgerechnet in einem der Wissens-Bits wurde bei der Übersetzung geschlampert: Dass Piraten auch als Seeräuber, Freibeuter oder Korsaren bezeichnet werden, ist hinlänglich bekannt, aber als „Kaper" ...?! Und man hätte sich bei einem Buch mehr Redaktion, mehr Hintergrundwissen zum Thema Piraten gewünscht, ein paar Seiten hätten es ja schon getan.

FAZIT: Ein sehr schönes Geschenk und ideal für kleine und große LEGO-Fans, die auf Reise gehen, hat man hier doch alle notwendigen Steine zusammen, um spielbare Szenarien bauen zu können.

Objekt: LEGO PIRATES Buch & Steine-Set
Preis: EUR 19,95 UVP
Altersempfehlung: ab 5 Jahre
ISBN: 978-3831017546
Verlag: Dorling Kindersley

Das Schloss im Himmel auf Blu-Ray

Als das Luftschiff von Piraten angegriffen wird, bricht Panik unter den Passagieren und der Mannschaft aus. Leise haben sich Dora und ihre wilde Bande im Schutze der Wolkendecke an den großen Raumer herangetastet, um dann das Schiff schwer bewaffnet zu entern. Ihr Ziel ist aber nicht der Tresor des Zahlmeisters, auch nicht Gold, Geschmeide oder das Geld der illustren Luftfahrtgäste. Sie haben es auf das kleine Mädchen Sheeta abgesehen. Denn Sheeta ist im Besitz eines Amuletts, dem unendliche Kräfte nachgesagt werden.

Sheeta flüchtet vor den Schergen auf die Außenhülle des Schiffes - und stürzt ab. Tief fällt sie, bis plötzlich eine Aureole aus dem Innern des Amuletts hervorbricht und das Mädchen schwerelos und unverletzt in einem Minenschacht absetzt. Pazu, ein kleiner Junge, der als Gehilfe des Mechanikers in der Mine arbeitet, findet Sheeta. Er nimmt das bewusstlose Mädchen mit in sein Haus und sie freunden sich an. Erst als Truppen des Geheimdienstes und erneut Doras Piraten auftauchen, dämmert es Sheeta und Pazu, dass das Amulett ein großes Geheimnis birgt. Es soll der Schlüssel zu einer in den Wolken verborgenen Stadt - Laputa genannt - und zu ihrer Macht sein.

Das „Schloss im Himmel" aus dem Jahr 1986 ist Hayao Miyazakis dritter Kinofilm und der erste Anime seines im Jahr zuvor gegründeten Studios Ghibli, das mit dem Oscar prämierten Anime „Chihiros Reise ins Zauberland" auch einem breiteren Publikum im Westen bekannter wurde. Das Productiondesign des Films ist schlicht atemberaubend und allein deswegen ist das „Das Schloss im Himmel" sehenswert. Wie eine Kolonie Schwalbennester kleben die Häuser der Minenstadt an den Klippen eines gigantischen Canyons über den aberwitzige Gleisstränge führen.

Auch in diesem frühen Meisterwerk Miyazakis zeigt sich die Balance zwischen spielerischem Slapstickhumor, der eher ein jüngeres Publikum anspricht, und tiefgründiger Nachdenklichkeit. Miyazaki stellt die Frage nach dem Dualismus von Technik und Natur und damit um die Verantwortung des Menschen im Umgang mit den ihm gegebenen Kräfte. „Das Schloss im Himmel" gehört zu den besten Animes aller Zeiten.

Die Blue-Ray kommt mit fast 140 Minuten Bonusmaterial. Darunter für Miyazaki- und Comicfans ein echter Leckerbissen: Das komplette Storyboard des Films.

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