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Der Club der Teufelinnen

Weil Sony nicht mehr mit dem stationären Handel spielen will, um seine Playstation Portable zu retten, sitzt der bockig rum und schmeißt eifrig mit Sand. Zu teuer, zu kundenunfreundlich sei die Playstation Portable Go. Wie Blei würde sie in den Regalen liegen bleiben, weil keine Bundles mit Software geschnürt werden können.

Mal ganz davon abgesehen, dass es Sony immerhin nicht versäumt hat, pünktlich zum Marktstart die PSN-Guthabenskarten auch in Europa einzuführen, würde es mich doch sehr wundern, wenn der Launcherfolg einer Konsole von einem Spielebundle abhängt.

Auf der anderen Seite hat der Handel natürlich Angst um sein Geschäft. Je schneller die Digitalisierung voranschreitet, je weniger kann er am Geschäft mit Videospielen partizipieren. Zwar sind Raubkopien auf der PSP derart verbreitet, dass der Handel sowieso kaum mit Software verdient, aber hierbei geht es schließlich um ganz grundsätzliche Fragen.

In den USA ist Sony schon ein wenig weiter. Da gibt es derweil Karten mit Downloadcodes für ein Spiel ganz regulär im Geschäft zu kaufen. Zwar nicht ganz so hübsch wie eine Verpackung, dafür spart so ein Kärtchen Verkaufsfläche. Für Amazon geht Sony sogar noch weiter. Der größte Onlinehändel weltweit verkauft die Codes in den Staaten gleich direkt via E-Mail - ohne den Umweg über den Versand zu nehmen.

Insbesondere vor diesem Hintergrund kann ich den frustrierten Handel in Europa verstehen. Und, darüber muss sich Sony im Klaren sein, sitzt der dam deutlich längeren Hebel. Die junge Liebe zum Direktvertrieb Playstation Network reicht nicht aus, um eine Konsole wie die Playstation Portable zu tragen. Irgendjemand muss sie schließlich verkaufen und dem Kunden schmackhaft machen, wenn dieser unentschlossen vor den Regalen steht.

Soll das Geschäftsmodell der PSP Go also noch zu einem Erfolg geführt werden, muss sich Sony dringend Gedanken machen, wie sie ihren Partner Handel milde stimmen. Sonst ereilt sie ein ähnliches Schicksal wie den Herren im Film Der Club der Teufelinnen. Die müssen am Ende kräftig dafür zahlen, dass sie lieber eine Jüngere haben wollten.

Meinungen
  • Von: hb
    8. Oktober 2009, 23:43 Uhr
    Ich halte vom digitalen Vertriebsweg ohnehin nichts. Die Preise für die Inhalte kommen oft sogar den herkömmlich verpackten gleich, so daß eigentlich kein richtiger Vorteil für mich als Konsument dabei abspringt. Gut, das Beispiel mit den E-Mail-Codes zeigt, daß ich nicht den Lieferweg abwarten oder den Gang in den Laden antreten muß. Trotzdem bleibt für Couchkartoffeln die Zeit des Downloads. Bandbreite und Speicherplatz sehe ich einfach nicht als ausreichend an. Ins Gewicht fällt dann das Digital Restrictions Management, was einem früher oder später begegnet.

    Auch fehlt mir einfach der Glaube, daß ich in 10 Jahren meinen Elektroeinkauf noch werde nutzen können. Geschweige denn, daß ich heute die Möglichkeit habe, meinen Besitz zu veräußern.

    Daß die PSN-Karten in Europa zu haben sind, grenzt schon an ein kleines Wunder. Wie lange hatte Sony das Thema jetzt ausgesessen? 2 Jahre? Peinlich.
     
  • Von: Martin Eiser / GR®
    9. Oktober 2009, 09:14 Uhr
    Ich hatte die Diskussion letztens auf einer Nintendo-Veranstaltung. Ich war der Meinung, dass so eine Box im Regal hübscher ist, aber das Argument muss ich gelten lassen, ich bin auch einfach eine andere Generation. Menschen die heute die Jugend stellen, wachsen mit digitalem Kram auf. Für sie gibt es mehr MP3s als CDs.

    Und wo Festplatten irgendwann die Flatter machen, wird es Modulen und Discs ähnlich gehen. Sie sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Allerdings können digitale Dateien zumindest leichter kopiert werden als so ein Modul. ;)

    Ich hoffe, dass die Bedenken der Konsumenten die Unternehmen zum Nachdenken anregen. Schaue ich mir zum Beispiel die Wii an. Die gekauften Sachen sind an die Konsole gebunden. Kaufe ich eine neue, weile eine kaputt ist, muss ich den Kram einschicken. Die Daten sind nämlich nicht nur an ein Konto, sondern auch an eine Konsole gebunden.
     
  • Von: hb
    9. Oktober 2009, 18:57 Uhr
    Sicher, die demographische Betrachtungsweise inklusive Argumentationskette läßt sich nicht von der Hand weisen oder großartig entkräften. Schließlich ist ein Markt für digitales Futter vorhanden, der in den kommenden Jahren noch zulegen wird.

    Würden von jetzt auf gleich die Trägermedien abgeschafft und auf digitalen Vertrieb komplett umgesattelt, hätte die Branche ein mächtiges Problem. Denn an der Stelle greift dein eingangs aufgeführtes Argument, daß die gefüllten Spielregale zum Anfassen in den Läden eine erstklassige Präsentationsfläche sind. Eine Basis für neue Technik wird sich immer im informierten Kreis finden, nur sehe ich niemanden mehr einen Massenmarkt erreichen, indem er komplett auf Downloads setzen würde. Die öfters benötigte Netzanbindung mag für manchen schon jetzt eine Hürde sein, ohne das Anfaßerlebnis wird ein zu großer Teil erstmal ausgeblendet.

    Speziell Nintendo sollte mit dem Siegeszug der Wii verinnerlicht haben, wie nicht technikaffine Gruppen angesprochen werden. Die viel zitierten "Nicht-Spieler" werden nicht auf Gutdünken einen Download starten, um an ein Spiel zu kommen, über das sie sich vielleicht nicht mal hinreichend informiert haben. Entweder man erzieht sich all seine Kunden zu Hardcore-Spielern, wie Sony es mit der PSP nun versucht, was allerdings nicht möglich ist, oder man sorgt einfach nur für Alternativen, ohne jemanden in die eine oder andere Richtung zu drängen.
     
  • Von: Martin Eiser / GR®
    10. Oktober 2009, 15:42 Uhr
    Die PSP Go richtet sich meiner Meinung nach an Gelegenheitsspieler.
     
  • Von: hb
    10. Oktober 2009, 22:56 Uhr
    Kann ich dir nicht ganz folgen. Meinst du, weil ein Häufigspieler nicht hunderte von Spielen runterladen wird? Oder weil nun der Fokus auf kompletter Mobilität liegt, man also nur flüchtig spielt, während man eigentlich unterwegs ist. Dem gegenüber stünde dann der doch stattliche Preis.
     
  • Von: Martin Eiser / GR®
    11. Oktober 2009, 22:49 Uhr
    Sony will mit der PSP Go ein bisschen Apple spielen und mit Produkten wie den PSP Minis eben jene ansprechen, die spielen, aber nicht so furchtbar viel.

    Was die PSP Go besser kann als die Apple Konkurrenz, ist eine Kombination aus Preis und Funktionen. Und es ist eben auch möglich Vollpreisspiele zu nutzen. Aber schön easy ohne das Wechseln irgendwelcher Datenträger usw.

    Allerdings finde ich das Gerät nicht unbedingt besonders hübsch im Vergleich zum Vorgänger. Der Preis ist auch so eine Sache. Aber ich glaube, dass sich niemand beschweren würde, wenn die PSP 3000 teurer wäre. So ist aber die Lücke einfach zu groß.
     
  • Von: hb
    12. Oktober 2009, 19:56 Uhr
    Gut, der Gedankengang ergibt Sinn. Wobei die Zielgruppe nicht alle Gelegenheitsspieler beinhaltet, mehr die Multimediabegeisterten, die das nötige Kleingeld in der Tasche haben. Insofern entfernt man sich schon vom üblichen Klientel. Schwierige Zeiten für Sony, falls man weiter auf diese Multimediaschiene setzt und die Leute vergißt, die einfach nur spielen wollen - und das ziemlich oft.

    Zumindest meiner Meinung nach sägt man am eigenen Ast.
     
 
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