Wie ich Bruce Shelley traf
Mit dem Ankündigungstrailer von Siedler 7 im Hinterkopf flog ich am Donnerstag vor einer Woche zur Präsentation nach Düsseldorf. Dank leichter Verspätung fiel mir der letzte freie Platz neben einem älteren Herrn zu, der nur Englisch sprach. Wir diskutierten ein wenig über die Siedler im Allgemeinen. Das die Serie durchaus auch außerhalb von Deutschland erfolgreicher sein könnte. Das die Grundidee von Siedler 7, dem Spiel mittels Siegpunkten ein wenig Brettspielcharakter einzuhauchen, es massenkompatibler macht. Und das es dadurch möglicherweise leichter ist, das Spiel auf andere Plattformen zu konvertieren.
Dann kam ein Kollege an den Tisch und fragte meinen Gesprächspartner, ob es möglich wäre in der Pause ein Interview zu machen. Klick. Klick. Klick. Wenig später wusste ich, da saß Bruce Shelley neben mir. Derselbe Bruce Shelley, der 2009 in die Hall of Fame der Academy of Interactive Arts & Sciences (AIAS) aufgenommen wurde, der unter anderem auch Miyamoto, Sid Meier, Molyneux und Will Wright angehören. Derselbe Bruce Shelley, der sich für Spiele wie Civilization und Railroad Tycoon verantwortlich zeigt und Mitbegründer der Ensemble Studios ist. Ja, der Bruce Shelley, der wenn es nach den genannten Spieletiteln geht, eigentlich als Riesen-Bravo-Starschnitt in meinem Kinderzimmer hätte hängen müssen.
Am liebsten wäre ich vor Scham im Boden versunken. Irgendwann erfuhr auch die versammelte Journalisten-Schar, dass der gute Mann Blue Byte als Consultant berät. Er bringt eine andere Perspektive in die Entwicklung ein, schaut sich das Spiel oft an und teilt mit, was ihm unverständlich war. Dabei geht es allerdings nicht darum, dass Spiel fürs Ausland fit zu machen. Aber wie sich ein erfolgreiches Spiel anfühlen muss, weiß Shelley ziemlich genau. Wenngleich er sich gerne kleinredet.
In einem weiteren Gespräch verriet ich ihm, dass es Spiele wie Civilization waren, die meine Jugend ruinierten. Er pflichtete mir bei, dass es ihm mit Games ähnlich ging, unterließ es aber auch nicht zu betonen, dass die Lorbeeren andere verdient hätten und er nur ein kleines Licht sei. Richtig ist, dass die Ausführung nicht immer in seiner Hand lag. Aber was glaubt ihr, wieviel Zeilen Code andere Game Designer noch selbst tippen? Vielleicht war er wirklich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Allerdings ist auch klar, dass dies allein nicht reicht. Schon gar nicht für die Hall of Fame der AIAS.
Mir ist der gute Mann jedenfalls von Grundauf symphatisch, es war mir eine Ehre ihn getroffen zu haben. Und das nicht nur wegen seiner Visitenkarte, auf der eine hübsche Magnetschwebebahn prangt.


erinnere dich mal an den fastfoodrestaurant besuch nach der letzten berlinale