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Zu Besuch im Arcade Hotel in Amsterdam

Gamereactor ist unter die Hotelkritiker gegangen, denn in Amsterdam findet sich ein Etablissement, das genau auf leidenschaftliche Gamer wie uns abgestimmt ist.

Nach den G20-Protesten und dem anschließenden Schlagermove hatte ich das dringende Bedürfnis, endlich mal wieder aus Hamburg rauszukommen. Dass uns das Arcade Hotel in Kooperation mit Nvidia nur wenige Tage später nach Amsterdam einlud, um uns das Ergebnis der frischen Neuausrichtung der Anlage zu präsentieren, kam mir also sehr gelegen. Doch ich habe die Einladung nicht nur angenommen, weil mir zuhause die Decke auf den Kopf fiel, sondern weil das Konzept auch einige Fragen aufwirft. Wer will denn wirklich seine Zeit mit Zocken verbringen, wenn er zu Besuch in einer neuen, fremden und aufregenden Stadt ist?

Der Traum eines jeden Retro-Videospielfans: Im Arcade Hotel in Amsterdam treffen alte und neue Spielernaturen aufeinander.

Bevor wir zu diesem Punkt kommen, erst einmal ein paar generelle Dinge zum Arcade Hotel. Das Haus liegt im Amsterdamer Stadtteil De Pijp, direkt gegenüber vom hübschen Sarpathipark. Es liegt gerade so außerhalb der Touristenströme der niederländischen Hauptstadt, insgesamt aber immer noch ziemlich zentral. Das alte Haus ist verwinkelt, charmant und die gut 40 Zimmer sind eher klein gehalten. Hinter dem Hotel gibt es einen wunderschönen, fast schon tropisch anmutenden Garten mit einer schmalen Terrasse. Das Hotel hat den Charme eines Backpacker-Hostels, aber das ist absolut nicht negativ gemeint.

Wir von Gamereactor sind natürlich nicht plötzlich unter die Hotelkritiker gegangen und das Arcade Hotel Amsterdam trägt seinen Namen schliesslich auch nicht ohne Grund. In der Lobby finden sich in einer gemütlichen Sitzecke Retro-Konsolen wieder, wie der Atari 2600 oder die guten, alten Nintendo-Systeme. Archaisch wirkende kleine Röhrenfernseher stehen neben einem Tisch mit Arkade-Sticks, in dem ein Raspberry Pi verbaut wurde - im Hintergrund laufen Emulatoren. Dazu kommt ein Regal voller alter Cartridges und CDs für allerhand Retro-Konsolen, denn jedes Zimmer ist ebenfalls mit einer dieser Uralt-Geräte ausgestattet. Außerdem findet sich in der Lobby noch eine kleine, aber feine Bibliothek voller Comics und Graphic Novels. Das alles wirkt natürlich eher wie ein Gimmick, auch wenn man den sozialen Aspekt einer kleinen Zock-Ecke nicht unterschätzen darf.

Denn der Kanadier Daniel Salmanovich meint es mit seinem Arcade Hotel wirklich ernst und man nimmt ihm seine Leidenschaft an der Nerd- und Geek-Kultur ab. Zur Neueröffnung wurde eine fette Glasfaserleitung zum Hotel verlegt, die für schnelles Internet sorgt und jedes Zimmer hat ein für die reelle Zimmergröße erstaunlich großen Flatscreen bekommen. Zusätzlich befindet sich in der Tech-Wall eines jeden Zimmers ein Nvidia Shield-TV mit Geforce Now-Subscription (das Teil nehmen wir uns sicher demnächst noch mal ausführlicher vor) und ein Gaming-Headset von Sennheiser. Man kann in seinem Zimmer also ernsthaft via Cloud-Gaming zocken oder sich mit seinem eigenen Netflix-Account einen ruhigen Abend machen.

Neben der Rezeption ist ein Gaming-Raum entstanden, der sich echt sehen lassen kann. Hier dürfen wir es uns vor zwei 65-Zoll-Flatscreens gemütlich machen, an denen eine PS4, PS3, Xbox One, Xbox 360, die Nintendo Switch und eine Nvidia Shield angeschlossen sind. Dazu gesellen sich sechs Highend-Rechner mit Razor Peripherie, vor denen extrem bequeme Gaming-Sessel thronen. Dann gibt es noch einen VR-Backpack-PC von MSI mit einem HTC Vive-VR-Headset; der Raum ist also ein wahrgewordener Zocker-Traum. Daniel hat und sucht den Kontakt mit der Spiele-Industrie, nicht ganz ohne Grund liegt sein Hotel in der Nähe der niederländischen Guerilla Games Studios, den Machern von Killzone und Horizon: Zero Dawn. Doch der Kanadier hat weitere Expansionspläne: Es sind Arcade Hotels in Köln und Montreal geplant, beides Hotspots der Spieleindustrie.

Aber jetzt mal zu zurück zu meiner Frage vom Anfang: Wer will denn wirklich in einer fremden Stadt seine Zeit mit Zocken verbringen? Für einen romantischen Wochenend-Trip ist das Hotel eher ungeeignet, jedenfalls wenn man kein Zocker-Pärchen ist. Aber es gibt ja auch Leute, die zum Arbeiten in Amsterdam sind und nach einem anstrengenden Tag ihren Stress weg-spielen wollen. Neben den Ein und Zwei-Bettzimmern existieren Räume mit mehreren Zweier-Hochbetten. Ab einem bestimmten Alter sind die WG-Zeiten vorbei, in denen man ständig mit einer Handvoll Leuten zum Zocken abhing und um alte Zeiten mit seinen Freunden wieder aufleben zu lassen, die vielleicht mittlerweile in alle Himmelsrichtungen verstreut sind, wären diese Zimmer ideal. Das ginge natürlich auch Zuhause, aber das kommt wohl auf die jeweilige Familien- und Platzsituation an. Außerdem hat man ja mittlerweile auch Online-Freundschaften, die man womöglich noch nie im realen Leben getroffen hat - da schützt neutraler Boden vor unangenehmen Überraschungen. Das Arcade-Hotel ist jedenfalls viel mehr, als nur ein wahrgewordener Traum Amsterdamer Stoner-Touristen und hat uns auf jeden Fall äußerst zufrieden vom Krach der letzten Wochen erholt. Was haltet ihr von dem Konzept eines Arcade-Hotels?