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Angespielt: Nintendo Switch

Wir haben in London die neue Konsole von Nintendo in die Hände genommen und lassen euch wissen, was zu erwarten ist.

Ich bin mit relativ neutralen Erwartungen ins Hammersmith Apollo gegangen, auch wenn die Mario-Melodie in einer alten Jukebox lief. Ich war zuversichtlich, was Nintendos Design angeht, das bisher immer ein ganz eigenes Flair versprüht hat. Aber Nintendo Switch fühlt sich auch ein bisschen wie die letzte Chance für das Unternehmen aus Kyoto an. Nach der fast gescheiterten Wii U und dem geteilten Fokus mit dem 3DS scheint es fast so, als würde Nintendo mit seiner wohl bisher ambitioniertesten Konsole alles auf eine Karte setzen. Wenn das hier schief geht, könnte es vielleicht die letzte Nintendo-Konsole gewesen sein.

Die unglaublich vielen, unterschiedlichen Features von Nintendo Switch (und die innovative Art, wie man sie nutzen kann) sind auf den ersten Blick schon beeindruckend. Es ist Konsole und Handheld, mixt Heimkonsole und Tablet. Es ist auch typisch Nintendo. Man sieht die klugen, cleveren Design-Entscheidungen, die sich in jeder Kurve, jedem Knopf und Feature wiederfinden. Switch sieht großartig aus in schwarz, aber auch in den Neon-Varianten aus. Das Gerät ist nicht nur clever, sondern erzeugt auch ein Verlangen. Die Switch hat Charakter und liefert die aufpolierte Ausführung einer etablierten Idee. Das nicht unähnlich dem, was Razer mit Edge im PC-Sektor macht. Spielen für Zuhause, unterwegs und wo immer man landet, wenn man angekommen ist.

Die Joy-Cons sind eine Innovation, die allerlei neue und interessante Gameplay-Möglichkeiten bieten.

Es ist ein fantastisches Konzept - und es funktioniert. Die Konsole befindet sich hinter einem Bildschirm und ruht in einem Dock, während sie an einen Fernseher angeschlossen ist, aus dem man sie mitnehmen kann, wenn man übergangslos unterwegs weiterzocken will. Aber von allen cleveren Features gefällt mir der Controller bzw. die Controller am besten. Die Joy-Cons sind eine Innovation, die allerlei neue und interessante Gameplay-Möglichkeiten bieten. Die Entwickler werden sich die neuen Möglichkeiten der teilbaren Controller sicher sehr genau ansehen, aber es dürfte wie bei VR ein wenig dauern, bis klar ist, wie man die Möglichkeiten am besten nutzen kann und was die Einschränkungen sind.

Die angedockte Konsole hat mehr Power, aber die Spiele sahen auch auf dem eingebauten Bildschirm alle gut aus. Bei Nintendo stand die Grafik ja tatsächlich noch nie an erster Stelle, aber Mario Kart 8 Deluxe und Splatoon 2 sahen auf dem Bildschirm großartig aus. The Legend of Zelda: Breath of the Wild läuft auf 1080p mit 60 FPS (wurde uns gesagt, die Demo war allerdings auf 30 FPS beschränkt), wenn die Konsole im Dock sitzt und in 720p unterwegs auf dem Bildschirm - die Framerate ist noch nicht klar.

Der 6.2 Inch große Bildschirm ist nett, die Optik scharf und farbenfroh. Splatoon 2 und Mario Kart 8 Deluxe spielen sich wie ein Traum, ohne irgendwelche Performance-Probleme und verbreiten sofort den typischen Nintendo-Charm. Auch wenn beide Titel die GPU nicht besonders stark belasten - sie sehen trotzdem großartig aus. Sie ist gerade groß genug und die zusätzliche Bildschirmgröße im Vergleich zum Smart-Phone oder der PS Vita macht hier den Unterschied. Ähnlich wie bei Gamepad der Wii U braucht es ein wenig, bis sich die Hände an die Größe gewöhnt haben. Nintendo Switch ist eine Fusion der beiden letzten Plattformen von Nintendo - eine Erweiterung des 3DS, aber auch eine Verkleinerung des Gamepad der Wii U.

Die angedockte Konsole hat mehr Power, aber die Spiele sahen auch auf dem eingebauten Bildschirm alle gut aus.

Das Tablet fühlt sich in der Hand sehr solide an und hat ein befriedigendes Gewicht, das die Qualität unterstreicht. Wenn man unterwegs spielt, wird der Bildschirm auf jeder Seite von den Joy-Con Controllern flankiert - und die sind fantastisch. Es gibt zwei Trigger oben auf jeder Einheit, einen Analogstick, Knöpfe und zwei Extraknöpfe an der Seite (die verschwinden wenn der Controller am Bildschirm hängt). Es gibt sogar Plus/Minus, Home und Capture-Knöpfe - es mangelt also nicht an Optionen.

Die Controller sind vollgepackt mit Features wie der Fähigkeit etwa, Amiibos auslesen zu können, dem Erstellen von Screenshots oder dem Einsatz von Gyrosensoren in Spielen. Am beeindruckendsten war aber das HD-Rumble-Feature. Es ist wirklich gut und der "High Definition"-Zusatz ist wirklich gerechtfertigt. Ich habe einige Spiele von 1-2-Switch gespielt und sie haben diesen coolen Party-Trick gut vorgeführt. Ein Spieler musste die Joy-Cons so drehen, als würde er einen Safe knacken und nach der kleinen Unregelmässigkeit suchen, die das Stehlen der Beute erlaubt. Bei einem anderen Spiel sieht man eine hölzerne Kiste mit Murmeln darin und man muss den Joy-Con so bewegen, als würde man die Bälle rollen, dabei fühlt man jedes Klackern von Seite zu Seite - alles dank der Sensibilität und Genauigkeit des Mechanismus im Inneren. Und das Melken des Kuheuters hat sicher jeder schon gesehen mittlerweile.

Die Sensoren sind sehr sensibel und meine Aktionen auf dem Bildschirm fühlten sich wie eine genau Repräsentation dessen an, was ich mit meinen Händen real machte. Wie die Wiimote lassen sich die Controller ans Handgelenk binden, um Unfälle zu vermeiden, aber sie fühlen sich wesentlich leichter an und man kann sie miteinander verbinden und so in einen "normalen" Controller verwandeln. Ich habe Zelda so gespielt, und auch wenn der Dualshock 4 nicht übertroffen wird, so ist es doch ein wirklich sehr ordentlicher Controller.

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insgesamt ist das Line-up beunruhigend dünn und man wird auf weitere Spiele wie etwa Super Mario Odyssey, das in den Trailern absolut großartig aussieht, noch eine Weile warten müssen.

Ingesamt gefällt mir, was Nintendo mit der Switch versucht. Aber auch wenn es ohne Zweifel ein nettes Gerät ist, so bleibt die Zukunft unsicher und es muss noch viel passieren, bevor diese innovative Konsole ein Erfolg genannt werden kann. Ein Problem ist, und man kann es nicht anders sagen: Das Angebot an Games zur Veröffentlichung ist schwach. Wer nicht unbedingt das neue Zelda zocken will, bekommt wenig Gründe geliefert, sich sofort die Nintendo Switch zuzulegen.

1-2-Switch ist eine fantastische Kollektion von Mini-Spielen und Tech-Demos, die zeigen was die Joy-Cons draufhaben und ich bin verblüfft, dass sie nicht mit der Konsole ausgeliefert wird. Stattdessen will Nintendo 49 Euro für das Spiel haben. Auch wenn die Minispiele aus 1-2-Switch vielleicht nicht ewig begeistern - sie machen Spaß, bieten abwechslungsreiche Erfahrungen und sind genau richtig, um Freunden vorzuführen, was die neue Konsole alles kann. Manche wären auch als Trinkspiele geeignet, aber das nützt natürlich nichts, wenn man zwölf Jahre alt ist.

Es sollen noch ein paar Spiele von Drittanbietern zum Launch am 3. März hinzukommen, aber insgesamt ist das Line-up beunruhigend dünn und man wird auf weitere Spiele wie etwa Super Mario Odyssey, das in den Trailern absolut großartig aussieht, noch eine Weile warten müssen. Ich hätte mehr von Nintendos Zugpferden zum Start der Konsole erwartet. Auch wenn sie bis zum März noch nicht fertig sind - die Spieler brauchen Sicherheiten, bevor sie Geld für eine neue Konsole in die Hand nehmen. Und Nintendo Switch ist nicht billig und hält sich an die Nintendos Tradition, die Kosten abzudecken und nicht in der ersten Runde Verluste einzufahren, um erst später Profite mit der Hardware zu machen.

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