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No Man's Sky

Die ersten Stunden mit No Man's Sky

Wir haben die ersten Stunden mit No Man's Sky verbracht und liefern euch die wichtigsten Impressionen - vorerst noch ohne abschließende Bewertung.

Aufgrund des großen Updates, das erst gestern online ging, muss der folgende Text als unser erster Eindruck zu No Man's Sky herhalten. Das Spiel ist gigantisch, ausufernd und tiefgängig, daher hätten wir gerne ein wenig mehr Zeit mit dem Spiel bevor wir ihm eine Wertung verpassen. Außerdem wird das Update das Spiel aus der Verkaufsverpackung substanziell verändern.

Die Unendlichkeit ist ein unergründliches Konzept. Selbst das einfache Konzept von Zeit ist schwer zu verstehen. Es ist also kein Wunder, dass die menschliche Psyche das Konzept von Unendlichkeit im All nicht begreifen kann. Wissenschaftler auf der ganzen Welt haben über die Jahrhunderte unzählige Todesdrohungen nur dafür erhalten, dass sie davon sprachen, dass dass Universum keinen Anfang und kein Ende hat. Irgendwo da draußen zwischen den Sternen herrschen andere Regeln als auf unserer Erde - und irgendwo ist diese Unendlichkeit real.

Genau deswegen ist No Man's Sky so ein kontroverses Projekt und war es schon, seit es im Rahmen der Game Awards 2012 zuerst vorgestellt wurde. Da haben wir den Hauptarchitekten dieses Universums, Sean Murray, nervös sagen gehört: "Wir haben ein unendliches Universum geschaffen. Milliarden von Planeten und ihr könnt sie alle erkunden." Gastgeber Geoff Kneighley lachte und rollte mit den Augen. Es war ein Projekt, das von Anfang an schwer zu begreifen war.

No Man's SkyNo Man's Sky
Du fliegst mit enormer Geschwindigkeit durch das Universum, bis dein Charakter endlich die Augen öffnet.

Seit jenem Tag war keiner wirklich in der Lage, No Man's Sky so richtig zu verstehen, daher war das Spiel seither das Ziel von Lob, Verletzungen und großen kritischen Fragen. Was soll man eigentlich machen? Wohin soll man gehen? Was wird man auf den Planeten machen können? Warum überhaupt etwas tun? Was soll der Scheiß?

Das automatisch generierte Universum von No Man's Sky benutzt eine spezielle Engine, um die Milliarden von Planeten zu erschaffen, jeder von ihnen mit einzigartiger Flora, Fauna und Optik. Es geht darum, die Unendlichkeit zwischen den Sternen zu erleben und das Gewicht des Universums auf den Schultern zu spüren. Nie zuvor hat sich ein Spiel so angefühlt, nie zuvor war die Unendlichkeit des Alls so gut definiert. Es gibt natürlich Spielmechaniken, aber alles dreht sich darum das Universum erfahrbar zu machen.

Das ganze Sache fängt mit dir, dem Himmel und einem Raumschiff an. Ein einfaches Ziel: Du musst ins Zentrum des Universums gelangen. Wie bei dem Berg in Journey fühlt man sich von diesem Ziel angezogen. Über dir warten zahllose Erlebnissen und um sich für die Reise ins Zentrum vorzubereiten, müssen zunächst einmal die äußeren Schichten erkundet werden. Danach öffnet einem No Man's Sky die Augen. Es beginnt mit einer Tour de Force durch die unermessliche Weite des Universums, das unzählige Planeten zeigt, die als kleine Blitze von Licht im unendlichen Weltall angezeigt werden. Du fliegst mit enormer Geschwindigkeit durch das Universum, bis dein Charakter endlich die Augen öffnet. Ich will nicht zu viel verraten, aber dein Schiff hat eine Bruchlandung hingelegt und bevor sich der Zugang zum unendlichen Weltraum öffnet, muss erstmal das Raumschiff repariert werden. Dabei wird uns gleich das Crafting-System vorgestellt, wie Aufgaben funktionieren und wie man an neue Ressourcen kommt. Das geht alles ziemlich schnell und das Spiel lässt uns frei. Von jetzt an musst du deinen Trip zum Zentrum des Universums selbst planen.

No Man's SkyNo Man's Sky
Die Farben, die Tiere, die Pflanzen und die wundervoll unterschiedlichen Planeten sind beeindruckend, aber das Spiel schafft es nicht immer, die Details schnell genug nachzuladen.

Sean Murray, der kreative Kopf hinter No Man's Sky, hat verraten, was seine visuelle Hauptinspiration gewesen ist: Science-Fiction-Bücher aus den Siebzigern und Achtzigern. Die blasse Farbpalette, die fremdartigen Kreaturen, der romantische Look - das alles ist weit weg von den dunklen Korridoren auf Sevastopol im Aliens-Universum - und ich danke Hello Games dafür. Viel zu viele Filme und Spiele basieren auf diesem grauen, gruseligen und dunklen Realismus - und das saugt die Freude aus Entdeckungen und den Überraschungen beim Erkunden, wenn alles dich töten will.

Stattdessen stellt No Man's Sky Farbe über alles, ein visuelles Design, das dir ständig ins Gesicht springt. Der körnige Realismus wurde durch reines Farbchaos ersetzt, der jede Landung auf einem Planeten zum Erlebnis macht und einen sofort nach neuen Dingen suchen lässt. No Man's Sky hat genug wunderschöne visuelle Details, um das Interesse des Spielers aufrecht zu erhalten und das ist auch der Hauptgrund, warum das Spiel einige seiner hochfliegenden Ziele erreicht.

Aber die Grafik gerät manchmal ins Straucheln. Die Farben, die Tiere, die Pflanzen und die wundervoll unterschiedlichen Planeten sind beeindruckend, aber das Spiel schafft es nicht immer, die Details schnell genug nachzuladen. Eine Menge Dinge und Teile der Landschaft sind nur teilweise geladen und oft kann man die unsichtbare Barriere an den Stellen sehen, die noch nicht geladen wurden. Das bahnte sich schon in vielen Trailern vor der Veröffentlichung des Spiels an, aber das ist im fertigen Spiel auch noch so. Es nervt, aber man kann bei all den Tieren, Pflanzen und all dem anderen Zeug um sich herum kann man schnell darüber hinwegsehen. Man hat vielleicht das Gefühl, dass der beschränkte Blick verhindert, den Planeten in vollen Zügen zu geniessen. Aber die Simulation ist so reichhaltig an Details, dass es schnell unnötig wird, zum Horizont zu schauen. Um einen herum passiert wirklich genug.

No Man's SkyNo Man's Sky
Wenn man einen Krieg mit einer Flotte Händler anfängt, dann steigert sich die Intensität des psychedelischen, aber kontrollierten Indie-Sounds und sorgt für epische Schlachten.

Man hat die ganze Zeit das Gefühl, alles soll das Vergnügen am Entdecken unterstützen, die Freude beim Gleiten in die Unendlichkeit, hungrig auf neue Erfahrungen. Hier gereicht eben die Grafik nicht zu ihrem Ruhm. Die Musik stammt von der Band 65daysofstatic - und wenn ihr die Trailer gesehen habt, dann kennt ihr die Musik ziemlich gut, den jedes Musikstück ist von dieser Band produziert worden. Natürlich sind es nicht nur die 12 Songs, die beim Spielen zufällig ausgewählt werden, sondern lange, tiefe Soundsequenzen die einen genauso begleiten wie die Symphonien bei anderen Spielen. Der Unterschied ist allerdings, das eine Band lebendigere Soundlandschaften erzeugen kann, als es die traditionellen Streicher vermögen. Wenn man einen Krieg mit einer Flotte Händler anfängt, dann steigert sich die Intensität des psychedelischen, aber kontrollierten Indie-Sounds und sorgt für epische Schlachten.

Insgesamt ist das ganze ziemlich überwältigend. So eine Engine live zu erleben, die die ganze Zeit Extraschichten einlegt, um Planeten, Tiere, Pflanzen, Farben und noch vieles mehr selbstständig zu generieren und trotzdem eine klare, künstlerische Vision hat. Es ist eine seltenes Erlebnis, dass in einem Spiel dessen technische Leistung so beeindruckt, aber trotzdem noch die Schönheit und Kunst durch die Grafik und den Sound durchscheinen lässt. No Man's Sky schafft es nicht nur, ein unendliches Universum zu erschaffen, sondern schafft es auch, es interessant zu gestalten. Ich habe keine Angst zu sagen, dass auch wenn No Man's Sky kein wirkliches Ziel hat, die Erforschung an sich genügt.

Aber es gibt trotzdem Struktur. Es gibt Missionen und Dinge zu tun auf den Planeten. Ob diese Strukturen, über deren Fehlen sich einige Spieler bei den letzten Trailern beschwert haben, jetzt wegen der Beschwerden da sind - ich weiß es nicht. Aber No Man's Sky lässt einen machen, ohne einem dabei die Hand zu halten. Es gibt ein Ziel, du hast Upgrades zu kaufen und Kämpfe zu gewinnen. Dennoch ist die Struktur kein integraler Bestandteil des Spiels. Manche Planeten haben eine zerstörerische Atmosphäre, giftige Seen oder zu hohe Temperaturen, als das man sie ohne verbessertes Schiff und Ausrüstung erkunden könnte. Die Planeten werden immer unwirtlicher, je dichter man ans Zentrum kommt.

No Man's SkyNo Man's Sky
Das Spiel verhält sich nicht wie andere Spiele, es bietet etwas anderes, etwas neues, etwas reales.

Auf eurem Weg werdet ihr hoffentlich - genau wie ich - wieder und wieder abgelenkt, sowohl von der schon erwähnten Schönheit, aber auch bei den unterschiedlichen Strukturen des Spiels. Ihr müsst Sprachen lernen, neue Ressourcen handeln und neue Upgrades kaufen, aber der wichtigste Aspekt ist das Zeug, das zwischen den Dingen passiert, die euch das Spiel erzählt, dass ihr sie machen müsst. Viel zu viele Spiele lassen heutzutage die unterschiedlichen Strukturen die Erfahrung diktieren. Die Qualität und Länge wird durch die Menge der Missionen definiert, wie viele Upgrades es gibt oder wie lang es dauert, das Spiel zu beenden. In No Man's Sky geht es aber nicht darum, Aufgaben zu bewältigen, sondern darum, sich im unendlichen Weltraum zu verlieren, ohne Ziel umherzufliegen und die unendlichen Weiten zu erforschen. Das ist seine größte Stärke und vermutlich etwas, das auch viele kritisieren werden.

Man kann meckern, dass die Steuerung nicht so intuitiv ist. Manchmal fühlen sich die Kamera und die Bewegungen schwer an und manchmal leicht wie eine Feder. Es wechselt ständig zwischen den beiden Erfahrungen. Die Steuerung gehört jedenfalls nicht zu den Stärken des Spiels. Das ist schade, denn ich möchte gerne immer leichtfüßig durchs Universum reisen.

No Man's Sky ist ein Biest und schwer zu bewerten. Das Spiel verhält sich nicht wie andere Spiele, es bietet etwas anderes, etwas neues, etwas reales. Es gibt Struktur und Missionen und auch wenn es nicht möglich ist das Spiel in 30 Stunden zu beenden, geht es einigen You-Tubern zufolge doch "schnell". Die Sache ist: In No Man's Sky geht es um mehr als nur das Zentrum des Universums zu sehen. Hier scheint No Man's Sky wie tausend Sonnen. Der technische Aspekt hinkt ein wenig hinterher, aber bisher schafft es No Man's Sky, die Versprechen von Sean Murray einzulösen. Es ist ein unendliches Universum und wenn die Lags nicht zunehmen, wenn man dichter ans Zentrum kommt, dann haben wir hier etwas wirklich spezielles in der Hand. Es geht einfach um das ewige, unendliche Universum - und nie zuvor war Leere so interessant.